Samstagsinterview: Europameister Kohlbacher über Frisuren und die Veränderungen seit der EM

„Es ist gar nicht so viel Gel“

Das Haar sitzt: Europameister Jannik Kohlbacher ist mit Wetzlar heute zu Gast bei der MT Melsungen. Foto:  dpa

Kassel/Wetzlar. Beim 29:25-Hinspielsieg der Wetzlarer fiel er krankheitsbedingt aus. Nun fiebert HSG-Kreisläufer Jannik Kohlbacher dem Duell in Kassel bei der MT Melsungen entgegen. Als frischgebackener Europameister wird der 20 Jahre junge deutsche Nationalspieler am Samstag ab 19 Uhr einige Blicke auf sich ziehen. Wir haben mit Kohlbacher unter anderem über PR-Termine und die Aussichten fürs Derby gesprochen.

Herr Kohlbacher, haben Sie eine Ahnung, warum wir ausgerechnet mit Ihnen vor dem Spiel gegen Melsungen reden wollen?

Jannik Kohlbacher: Vielleicht weil die anderen beiden Wetzlarer EM-Teilnehmer schon genug Interviews geben.

Es hätte natürlich auch mit der EM zu tun haben können. Aber erzählen Sie uns doch bitte von Ihrem ersten bewussten Aufeinandertreffen mit dem jetzigen Melsunger Linksaußen Michael Allendorf.

Kohlbacher: Oh, das ist eine schöne Geschichte. Ich war elf oder zwölf Jahre alt, als es am Handball-Leistungszentrum in Bensheim ein Trainingscamp gab. Prominenter Gast: Wetzlar-Profi Michael Allendorf. Das war und ist ein Super-Typ.

Und?

Kohlbacher: Ich habe mir ein Autogramm geholt und ein Foto mit ihm zusammen gemacht. Ich wollte so ein Bundesligaspieler werden wie er.

Hat er Ihnen auch beigebracht, wie das Haar perfekt gestylt wird?

Kohlbacher: Nein. Während der EM wurde viel spekuliert, wie viel Gel ich verwende, damit die Haare so liegen. Ich kann nur sagen: Es ist gar nicht so viel Gel.

Sie waren bei der Europameisterschaft dabei, Allendorf musste absagen. Inwieweit haben Sie mit ihm gelitten?

Kohlbacher: Klar habe ich das bedauert, dass er ausgefallen ist. Aber das galt für alle, die passen mussten. Das sind alles gute Typen in der Nationalmannschaft, und wir sind ein richtiges Team. Ich hoffe, dass die Jungs schnell wieder auf die Beine kommen.

Sie gehören zu den deutschen EM-Helden. Inwieweit hat sich Ihr Leben seit dem Titelgewinn in Polen verändert?

Kohlbacher: Es freut mich für unseren Torwart Andi Wolff, dass er diese Aufmerksamkeit erfährt. Ich habe es allerdings lieber etwas ruhiger. Vor die Kameras muss ich aber auch immer wieder. Diese Woche war beispielsweise RTL bei uns an der Halle und hat mich interviewt.

So viele PR-Termine wie Torwart Andreas Wolff haben Sie demzufolge nicht?

Kohlbacher: Nein, der ist derzeit ja drei-, viermal in der Woche unterwegs. Da wird teamintern auch schon mal geflachst, wo Andi denn heute hin muss. Bei der Sendung im Heimspiel im Hessen Fernsehen war er nun beispielsweise bereits zum zweiten Mal.

In Kassel werden Sie kräftig Autogramme schreiben müssen.

Kohlbacher: Ich denke, dass es Samstag eher weniger sein werden. Da wollen die Menschen doch in erster Linie die MT-Jungs sehen. Oder?

Die EM-Helden werden zurzeit überall gefeiert. Außerdem fand ja in der Vorbereitung ein Spiel in Kassel statt.

Kohlbacher: Da hat eine Super-Stimmung geherrscht. Ich freue mich, da nun wieder in aufgeheizter Atmosphäre aufzulaufen.

Es ist Ihr erstes Hessenderby überhaupt.

Kohlbacher: Beim ersten Duell in dieser Saison fehlte ich wegen Grippe. Meine Teamkollegen haben mir gesagt, dass die Duelle mit Melsungen immer harte Fights sind.

Wie sehen Sie die Rollenverteilung?

Kohlbacher: Wir sind Sechster, Melsunger Vierter. Die MT ist klarer Favorit, auch wenn wir das Hinspiel für uns entschieden haben. In unserer Halle hat es jeder Gegner schwer zu gewinnen.

Aber geht es nicht für beide Teams um einen Platz im europäischen Geschäft?

Kohlbacher: Unser eigentliches Ziel war es, nicht abzusteigen. Wir könnten auch mit einem sechsten oder siebten Platz am Ende der Runde gut leben. Wenn wir punkten sollten, mischen wir weiter im Rennen um die Europacupränge mit.

Eine EHF-Cup-Teilnahme wäre ein weiterer Höhepunkt in Ihrer jungen Karriere?

Kohlbacher: Definitiv. Ich wäre ja dann erst 21 - und dann so ein Erfolg als fester Bestandteil dieses Teams. Die Saison ist aber so oder so schon jetzt überragend. Den EM-Titel habe ich immer noch nicht realisiert.

Ein Mitglied Ihrer Familie freut sich darüber besonders.

Kohlbacher: Ja, mein Opa. Er ist besonders stolz auf mich.

Wie oft haben Sie die Geschichte zu Ihrem Großvater in den vergangenen Wochen erzählen müssen?

Kohlbacher: Erzählt eigentlich gar nicht. Ein Reporter war gut informiert und hat mich darauf angesprochen. Dann wurde das medial ein Thema.

HINTERGRUND

Der Opa von Jannik Kohlbacher, Wilfried, hat seinen Enkel früher immer zum Training ins 63 Kilometer entfernte Großwallstadt gebracht. Bei einer dieser Fahrten kam es zu einem folgenschweren Unfall: Der Großvater lag danach monatelang im Krankenhaus und verlor ein Bein. Jannik Kohlbacher, damals 15, verließ nach einer Woche die Klinik. Bis heute ist der Jungstar seinem Opa für die Unterstützung überaus dankbar.

ZUR PERSON

Jannik Kohlbacher (20) kam im hessischen Bensheim zur Welt und wuchs in Birkenau-Reisen auf. Der Kreisläufer kam über die Stationen SG Leutershausen und TV Großwallstadt zur HSG Wetzlar. Anfang November 2015 debütierte er in der deutschen Nationalmannschaft, knapp drei Monate später wurde er mit dem Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson in Polen Europameister. In 16 A-Länderspielen erzielte er 32 Treffer. 2015 baute er in Wetzlar sein Abitur. Kohlbacher ist ledig.

Von Björn Mahr

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