Melsunger spielen Samstag in St. Raphael

MT und Berlin liefern sich heißes Duell: Von Youngstern, Spektakel und Dramatik

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Erhitzte Gemüter: MT-Coach Michael Roth (rechts) und Berlins Torwart Silvio Heinevetter (gelbes Trikot) liefern sich ein Wortgefecht. Füchse-Spieler Petar Nenadic (links) und Melsungens Felix Danner (leicht verdeckt) gehen dazwischen.

Kassel. Der Handball-Abend der MT Melsungen gegen die Füchse Berlin am Mittwoch hatte einiges an Spannung und Spektakel zu bieten. Die Fakten zum Kracher:

Wer immer schon mal wissen wollte, wie belastbar seine Ohren sind, der hätte am Mittwoch, kurz nach 21.30 Uhr, in der Kasseler Rothenbach-Halle sein müssen. Nach gespielten 52 Minuten und 44 Sekunden brach auf den Rängen ein wahrer Beifallssturm los: Melsungens Rechtsaußen Johannes Sellin hatte gerade nach weitem Pass von Torwart Johan Sjöstrand einen Tempogegenstoß zum 26:26 abgeschlossen – und damit im Heimspiel der Handball-Bundesliga gegen die Füchse Berlin das vierte Tor der MT in Folge erzielt.

Fast hätten die Nordhessen vor 4300 Zuschauern in der ausverkauften Messe-Halle die Aufholjagd sogar noch mit einem Sieg gekrönt – aber auch mit dem 28:28 (13:16)-Unentschieden konnten die Hausherren nach einer an Dramatik kaum zu überbietenden Begegnung gut leben. „Es ist fair, dass jeder einen Punkt aus diesem Spiel mitnimmt“, erklärte MT-Regisseur Patrik Fahlgren. Melsungens Manager Axel Geerken kündigte allerdings direkt nach der Partie Einspruch gegen die Wertung des Spiels an.

Einige Fakten zu einem packenden Handball-Abend:

  • Die Melsunger setzten ihre Erfolgsserie fort. Zwar fanden die Gastgeber schlecht in die Partie. Je länger das Spiel aber dauerte, desto stärker wurden sie. Vor allem Michael Müller war drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel des Europapokals in Frankreich bei St. Raphael (Samstag, 20.45 Uhr) kaum zu stoppen. Als „vorbildlichen Kapitän“ lobte Michael Roth den siebenfachen Torschützen.
St. Raphael: Hier spielt die MT Melsungen am Samstag im Europapokal.
  • Der Trainer sprach aber dem gesamten Team ein dickes Kompliment aus: „Wir haben eine tolle Moral gezeigt.“ Nicht ein einziges Mal lagen seine Schützlinge im Verlauf der 60 Minuten vorn – und dennoch nahmen sie etwas Zählbares mit. „Wir haben unseren Aufwärtstrend bestätigt“, stellte Michi Müller fest.
  • Viel spannender kann eine Schlussphase nicht sein. Das letzte Tor des Spiels zum 28:28 warf Jeffrey Boomhouwer schon 106 Sekunden vor dem Ende – er verwertete einen Abpraller, nachdem Sellin an Berlins Torwart Silvio Heinevetter gescheitert war. Danach ging es hin und her: Sjöstrand pariert praktisch in Heinevetter-Manier gegen Bjarki Elisson, Johannes Golla trifft auf der Gegenseite nach einem Konter einen Pfosten. Dann wird ein Wurf von Paul Drux so abgeblockt, dass Sjöstrand ihn mühelos entschärfen und sofort einen Tempogegenstoß einleiten kann: Sellin erreicht den Ball nicht, Heinevetter klärt – Einwurf MT. Boomhouwer bedient Sellin, Leder im Netz – doch die Spielzeit war schon abgelaufen.

• Die Torhüter trugen zu einem Spektakel bei. Als sich die Gemüter nach der Schlusssirene auf beiden Seiten noch immer nicht beruhigt hatten, steuerte Melsungens Coach Michael Roth auf Sjöstrand zu. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht, wie man es eigentlich nur von Siegern kennt, nahm er seinen Torhüter in den Arm – zum Dank für eine großartige Vorstellung in der zweiten Hälfte. „Ich habe in der ersten Halbzeit zu wenig Bälle gehalten. Wir waren als Mannschaft nach der Pause viel aggressiver“, resümierte der schwedische Ausnahmekönner, der sich mit Heinevetter ein Fernduell auf höchstem Niveau lieferte. Denn auch die deutsche Nummer eins gab unzählige Kostproben seines Könnens. Anders als sein Pendant fiel er zudem durch etliche verbale Scharmützel mit seinen Rivalen und den Schiederichtern auf. Ungestraft.

• Ein Youngster spielte groß auf. Der 19-jährige Johannes Golla bewies eindrucksvoll, dass er eines der größten deutschen Talente ist. Mit den ersten fünf Chancen gelangen ihm gegen den Tabellenvierten fünf Tore. „Man darf nicht zu viel Respekt vor großen Namen zeigen“, erklärte der Junioren-Nationalspieler. Zudem holte Golla noch Siebenmeter für die MT heraus. „Johannes hätte zum Volkshelden werden können“, befand Roth. Doch eine Minute vor Ende klatschte ein freier Wurf des Youngsters ans Gebälk. „Ärgerlich“, sagte Golla, „alle Mitspieler haben mich danach aber sofort wieder aufgebaut.“

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