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Nur Santorin lässt hoffen: MT-Kapitän Lemke erneut positiv getestet

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Finn Lemke

Handball-Bundesligist MT Melsungen bleibt zunächst in Quarantäne. Das Team wurde am Mittwoch erneut getestet - aber nur Kapitän Finn Lemke war erneut positiv auf das Coronovirus.

Kassel – Die Stille ist ihnen geradewegs unheimlich. Menschen, die sonst von Spiel zu Spiel hetzen, von Termin zu Termin, sie müssen die Füße still halten und nicht nur die. „Es ist schon eine ganz merkwürdige Situation“, sagt Finn Lemke, der in der Quarantäne nicht einmal Kontakt haben darf zu seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen.

Und ein Ende der Isolation ist zunächst nicht in Sicht. „Ich bin noch immer leicht erkältet, auch der letzte Corona-Test am Mittwoch war wieder positiv“, berichtet der Kapitän von Handball-Bundesligist MT Melsungen. Zwar ist er nicht mehr ans Bett gebunden, „aber Sport ist überhaupt noch nicht möglich“. Die Hanteln und das Standfahrrad, das alle Spieler von der MT für ihr Heimtraining geliefert bekommen haben, bleiben noch ungenutzt.

Für ein wenig Zuversicht beim langen Handballer sorgt der Blick auf eine griechische Urlaubsidylle: „Nachbarn haben mir ein 1200-Teile-Puzzle geschenkt mit einer Ansicht von Santorin. Daran arbeite ich jetzt“, sagt Lemke.

Genug zu tun hat derweil Axel Geerken, auch wenn der MT-Vorstand ebenso wenig wie die Sportler von Spiel zu Spiel eilt. „Wir sind ständig in Kontakt mit den Gesundheitsbehörden, haben viel Kommunikation auch intern und offene Ohren für die Sorgen und Nöte unserer Angestellten“, sagt der Manager.

Hoffnung mache, dass nur Lemke positiv getestet sei und die Zuversicht, dass die Quarantäne der Mannschaft zunächst „nur“ bis kommenden Dienstag befristet sei. Wann die MT aber wieder das Training aufnehmen kann, sei noch ungewiss. „Fakt ist“, so Geerken, „dass wir nach dieser Zwangspause nicht aus der kalten Hose heraus wieder spielen können, sondern erst einmal wieder einige Trainingseinheiten benötigen werden.“

Das Heimspiel gegen den Bergischen HC am 26. November werde gewiss verlegt, danach steht am 5. Dezember die Partie bei den Füchsen Berlin an. Dass es in der Bundesliga generell weitergehe, sei unbestritten – obwohl gestern kurzfristig auch das Donnerstag-Spiel Magdeburg – Essen wegen eines unklaren Tests bei einem SCM-Spieler (erst positiv, dann negativ) abgesagt wurde. Zwei Tage zuvor hatten die Magdeburger in der European League 37:30 gegen ZSKA Moskau gewonnen.

„Wenn wir die Bundesliga jetzt unterbrechen, dann bekommen wir wohl keine Saisonwertung über mindestens eine Halbserie hin“, erläutert Axel Geerken. „Deshalb wollen wir so weit kommen, wie es geht.“ Der Hintergedanke: Sollte vom 13. bis 30. Januar die WM in Ägypten ausgetragen werden, könnten die Bundesligisten erst im Februar wieder in ihr dann großes Restprogramm starten.

Angesichts dessen will die HBL ihren Spielbetrieb zur Not auch bis zum Jahresende ohne Zuschauer fortsetzen. Das Votum der 20 Vereine dafür fiel einstimmig aus für den Fall, dass die Politik keine Lockerungen der aktuellen Corona-Maßnahmen beschließt.

„Dieser Schritt ist in der momentanen Situation alternativlos“, wird Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, vom Sportinformationsdienst zitiert. „Wir hoffen, dass wir schon bald wieder vor Zuschauern spielen können. Ich rechne aber frühestens nach der WM damit.“ (Gerald Schaumburg)

Vereine fordern Verschiebung der Handball-WM

Mehrere Handball-Bundesligisten sind aufgrund der Corona-Pandemie gegen die Austragung der WM im Januar 2021 in Ägypten. „Wir würden eine Verschiebung begrüßen. Die weltweite Situation lässt ein solches Turnier momentan einfach nicht zu“, sagte Viktor Szilagyi, Geschäftsführer des THW. Sein Kollege Björn Seipp (HSG Wetzlar) erklärte: „Anstatt die WM abzusagen, sollte man Überlegungen weiter forcieren, die WM und alle nachfolgenden internationalen Turniere um ein Jahr zu verschieben. Oder wenigstens die WM in den Juni verlegen. Dann ist eventuell ein Impfstoff da, der hoffentlich vieles einfacher und sicherer macht.“

Axel Geerken (MT Melsungen) dagegen hält die Verlegung in den Juni wegen der langen Bundesliga-Saison und der Olympischen Spiele „nicht für möglich“. Über eine Verlegung um ein Jahr dagegen, ein Aussetzen mit einem Großereignis, könne man durchaus nachdenken. (sid)

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