Trotz großer Verletzungssorgen

Stimmen zum Sieg der MT Melsungen: Riesenlob vom Trainer nach 36:29 in Hannover

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Starker Rückhalt für die MT Melsungen: Torhüter Johan Sjöstrand.

Dem Schock über die schwere Verletzung von Julius Kühn folgte ein ungeahnter Paukenschlag in Hannover: Auch in dieser Höhe unerwartet klar 36:29 gewann die MT Melsungen bei der TSV Hannover-Burgdorf.

Aktualisiert am 5.11., 14.30 Uhr - Unter dem spanischen Trainer-Duo Carlos Ortega und Iker Romero hatte die TSV Hannover-Burgdorf bislang nur ein einziges von 22 Heimspielen verloren – am 19. April in der vergangenen Saison gegen Meister Rhein-Neckar-Löwen. 

Am Sonntag gab es die zweite Heimpleite unter dem Gespann von der iberischen Halbinsel: Die MT Melsungen stürmte die Recken-Festung, gewann vor 5013 Zuschauern 36:29 (22:15). Ein starker Auftritt der MT trotz dezimierten Kaders. 

Was die Trainer beider Clubs zum Spiel sagten, lesen Sie am Ende des Artikels.

Handball: Melsungens Ausfälle

Es kam vor Spielbeginn wie befürchtet: Neben Julius Kühn (Kreuzbandriss) und Michael Müller (Fußbruch) mussten die Nordhessen auch noch auf Timm Schneider (Sehnenreizung unterm Fuß) verzichten. So hatte Coach Heiko Grimm nur elf „Aufrechte“ zur Verfügung. Aber auch die Recken mussten überraschend neben Johannsen und Atman auch noch auf Nationalspieler Fabian Böhm (Ellenbogen) verzichten.

Doch die vermeintliche personelle Schwächung machte der MT so gut wie gar nichts aus. Im Gegenteil: Sie schien das Team von Trainer Grimm irgendwie sogar noch zu beflügeln. Finn Lemke & Co. gingen durch Reichmanns Siebenmeter in Front und gerieten in der Folge nicht ein einziges Mal in Rückstand. Der Ball lief geschmeidig durch die eigenen Reihen, und fast am Ende jeden Angriffs stand ein Torerfolg für die Melsunger, die mit einer ungeheuren Effizienz in der Arena auftraten. Von gefühlten 25 Angriffen wurden bis zur Pause 22 mit einem Tor abgeschlossen. „Bei uns hat sehr viel bis alles geklappt“, sagte Manager Axel Geerken nach dem Sieg. „Solche Tage gibt es eben. Ich muss das Team loben, wie es die Ausfälle kompensiert hat.“

Hannovers Handballer mit desolater Defensive

Allerdings profitierten die Gäste auch von einer fast desolaten hannoverschen Defensive, die nicht energisch genug zupackte. Immer wieder nutzten die Melsunger die nicht zugestellten Schnittstellen in der Recken-Deckung. Hinzu kam schon in der ersten Hälfte die bessere Torwartleistung. Während Johan Sjöstrand ein halbes Dutzend Würfe parierte, hatten Hannovers Schlussmänner Lesjak und Ziemer nur eine einzige Parade aufzuweisen.

Nach dem Wechsel traten die Melsunger weiter konzentriert auf und verwalteten den deutlichen Vorsprung geschickt. Die Recken hatten das Pech, dass sich Rückkehrer Patrail in der 38. Minuten erneut wohl schwer am rechten Knie verletzte. „Das sah nicht gut aus“, meinte selbst Geerken hinterher.

Erzielte sieben Treffer: Der Melsunger Simon Birkefeldt.

Mit sechs, sieben Treffern Vorsprung geriet der MT-Sieg nicht mehr in Gefahr. Abgeklärt spielte die MT die Partie runter und baute ihr Punktkonto auf 14:10 aus. „Wir haben gut verteidigt nach einer schwierigen Woche“, meinte Trainer Heiko Grimm. „Die Verantwortung haben wir auf mehrere Schultern verteilt.“ Aber: „Wir müssen weiter demütig bleiben.“

Bemerkenswert, dass sechs Akteure der MT auf fünf und sechs Tore kamen, was die Ausgeglichenheit des Teams widerspiegelt – angeführt vom siebenfachen Torschützen Simon Birkefeldt im rechten Rückraum und dem diesmal auch offensiv beeindruckenden Finn Lemke (6) rechts. „So einen Tag hat man nicht immer. Wir müssen jetzt am Samstag im Heimspiel gegen Ludwigshafen nachlegen“, schloss Geerken.

Stimmen zum Handballspiel: Hannover-Burgdorf - MT Melsungen

Carlos Ortega: Wir hatten große Probleme in der Abwehr, wofür wir aber keine richtige Erklärung haben. 22 Gegentore in einer Halbzeit, das ist eindeutig zu viel. Andererseits muss man die Leistung der MT anerkennen, die ein Top-Spiel abgeliefert hat.

Heiko Grimm: Ich muss der Mannschaft ein Riesenlob für die tolle Teamleistung aussprechen. All das, was wir uns vorgenommen und miteinander verabredet hatten, wurde beherzigt. Es wurde auch während des Spiels viel miteinander gesprochen, es war viel Bewegung auf dem Feld. Insgesamt war es ein sehr cooler, disziplinierter Auftritt. So muss man als Auswärtsmannschaft spielen. 

Ich möchte deshalb keine einzelnen Spieler herausheben. Auch wenn es bei Domagoj Pavlovic, Lasse Mikkelsen, Finn Lemke, Simon Birkefeldt und Johan Sjöstrand naheliegen würde. Denn auch alle anderen Spieler, die heute weniger offensiv in Erscheinung getreten sind, haben jeweils zu diesem Erfolg beigetragen, weil sie sich dem taktischen Gesamtplan untergeordnet haben. 

In der Halbzeitpause habe ich gesagt, dass wir diesen komfortablen Vorsprung nicht einfach verwalten sondern auch die zweiten 30 Minuten unter Beibehaltung des hohen Tempo gewinnen wollen. Das ist uns gelungen. Wir bleiben dennoch – nicht zuletzt aus Respekt vor dem Gegner – auf dem Teppich. Denn es nicht unbedingt zu erwarten, dass einem jede Woche so viel gelingt wie heute.

Statistik: TSV Hannover-Burgdorf - MT Melsungen 29:36 (15:22)

TSV Hannover-Burgdorf: Lesjak (1.-13. Min., 16.-30. Min.; 2 Paraden / 9 Gegentore G.), Ziemer (13.-23. Min., 31.-60. Min.; 4 P. / 7 GT) – Cehte, Mavers, Patrail 1, Thiele, Pevnov 1, Lehnhoff 2/2, Häfner 7, Ugalde 1, Krone, Srsen, Olsen 6, Brozovic 4/2, Feise 2, Kastening 5 – Trainer: Carlos Ortega.

MT Melsungen: Sjöstrand (1.-60. Min; 13 P. / 29 GT.), Simic (n.e.) – Maric 5, Lemke 6, Reichmann 5/2, Ignatow 1, Kunkel, Mikkelsen 5/2, Danner 2, P. Müller, Allendorf, Birkefeldt 6, Pavlovic 6 – Trainer Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Peter Behrens / Marc Fasthoff (Wuppertal / Neuss)

Zeitstrafen: 6 Min. – 8 Min. (Cehte, Olsen, Brozovic – Maric, Reichmann, Danner, Birkefeldt)

Siebenmeter: 4/7 – 4/4 (Kastening scheitert an Sjöstrand, 04:41 Min. und 40:06 Min., Lehnhoff scheitert an Sjöstrand 34:03 Min.)

Zuschauer: 5.013, TUI Arena Hannover.

Das nächste Spiel: Sa., 10.11.2018. 20:30 Uhr, MT Melsungen - Die Eulen Ludwigshafen, Rothenbach-Halle Kassel

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