Morgen gegen Eulen Ludwigshafen

Analyse: Pleite der MT Melsungen in Flensburg ein großer Rückschritt

Erzielte seine ersten Bundesliga-Tore: Melsungens Paul Kompenhans (Mitte, hier gegen Alexander Petersson, links, und Marius Steinhauser.
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Erzielte seine ersten Bundesliga-Tore: Melsungens Paul Kompenhans (Mitte, hier gegen Alexander Petersson, links, und Marius Steinhauser.

Nach der unerwarteten 20:36-Pleite der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt gerät das Team von Trainer Gudmundur Gudmundsson wieder arg unter Druck. Eine Analyse.

Melsungen - Für den Auftritt ihrer Melsunger Bundesliga-Handballer fand MT-Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke am Pfingstmontagabend klare Worte: „Das war schaurig und traurig.“ Tatsächlich bot die Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson bei der 20:36-Auswärtspleite gegen die SG Flensburg-Handewitt eine gruselig-schwache Leistung. Es war nichts von dem zu erkennen, was das Team noch zwei Tage zuvor bei der knappen 28:29-Niederlage in Kiel ausgezeichnet und ihm durchaus Anerkennung eingebracht hatte. „Das war ein vollkommen anderes Spiel“, sagt Braun-Lüdicke.

Zwar haben die Nordhessen schon morgen ab 19 Uhr in Kassel gegen die Eulen aus Ludwigshafen die Möglichkeit, die nächsten Punkte zu holen. „So einfach vergessen machen kann man die Vorstellung damit aber nicht“, stellt die MT-Mäzenin klar. Da braucht es schon mehr. In gut einer Woche, an Fronleichnam, beginnt das Final Four des DHB-Pokals in Hamburg. „Es ist eine Wahnsinnschance, einen Titel zu holen“, betont Braun-Lüdicke, „das kann die Wiedergutmachung werden.“

Barbara Braun-Lüdicke, MT-Aufsichtsratsvorsitzende

Erst in den frühen Morgenstunden des Dienstags war der Melsunger Tross aus Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Schon gestern ging es an die Aufarbeitung des Debakels. „Nach den letzten Spielen dachte ich schon, dass wir ein Stück weiter wären. Das war ein sehr großer Rückschritt“, erklärte Manager Axel Geerken, „es war einer Profimannschaft unwürdig.“ Der MT-Vorstand lässt auch nicht den eng getakteten Spielplan als Ausrede gelten: „Alle Teams haben eine große Belastung. Alle Teams haben Spiele in hoher Frequenz. Jegliche Kritik ist gerechtfertigt. Das war ein psychologischer Rückschlag.“

In den vergangenen Monaten lief zwar längst auch nicht alles optimal, aber solche Ausreißer wie am Montag schienen der Vergangenheit anzugehören. Wenn die Mannschaft nicht gegen Ludwigshafen schon ein komplett anderes Gesicht zeigt, dann kann es sehr ungemütlich werden – auch für Trainer Gudmundsson, der die Aufgabe hat, Stabilität ins Team reinzubringen. Bislang hat es der Isländer noch nicht einmal geschafft, mit seiner Mannschaft gegen einen der Top-Klubs in der Liga zu punkten.

Bis zum Finalturnier in der kommenden Woche in Hamburg stehen noch zwei bedeutsame Punktspiele auf dem Plan. Nach dem Duell gegen Ludwigshafen geht es am Sonntag nach Coburg. Auf dem Papier ist die MT in beiden Begegnungen klarer Favorit. Allerdings stürzte das Schlusslicht aus Coburg im Dezember die Melsunger schon einmal mit ihrem Sensationserfolg in der Rothenbach-Halle in eine veritable Krise.

Für die einzigen positiven Momente beim Spiel in Flensburg sorgte neben den Torhütern Nebojsa Simic und Silvio Heinevetter ein A-Jugendlicher: Paul Kompenhans. Der junge Mittelmann kam in der Schlussphase ins Spiel und warf teilweise sehr frech seine ersten drei Tore in der Bundesliga. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich keinen Stress machen. Und dann hat er Mut gezeigt“, lobte Gudmundsson das MT-Talent.

Kompenhans war kurzfristig als Ersatz für den verletzten Ole Pregler in den Norden gereist – direkt nach der 26:36-Schlappe im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft in Berlin. „Ich kehre mit gemischten Gefühlen zurück“, sagte der Rückraumspieler. „Wenn man in vier Tagen dreimal verliert, dann überwiegt das Negative.“

Dennoch verschaffte er sich in der Flens-Arena viel Respekt. „Ich war anfangs etwas nervös. Dadurch kam es auch zu zwei technischen Fehlern. Dann habe ich das gemacht, was ich kann, und habe mir mehr Sicherheit geholt.“

Er empfahl sich mit seinem couragierten Auftritt für weitere Einsatzzeiten gegen Ludwigshafen. Gefordert sind morgen aber erst einmal andere: Gudmunsson und seine Profis. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

MT stimmt Fans mit „Kurz vor Anpfiff“ ein

Fast schon traditionell informiert die MT Melsungen ihre Fans auch vor dem Spiel am Donnerstag gegen die Eulen Ludwigshafen mit „Kurz vor Anpfiff“. Pressesprecher Bernd Kaiser interviewt ab 18 Uhr wieder einige interessante Gäste. Hier finden Sie den Link. Auch die anschließende Pressekonferenz gibt es auf dem MT-Kanal bei Youtube live zu sehen.

Die HNA bietet einen Liveticker an. Den betreut Manuel Kopp. Den Link finden Sie hier.

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