Handball: Wie Linksaußen Zufelde vom Bundesligisten MT in die dritte Liga verliehen wurde

Pohlheim statt Melsungen und Baunatal

Spielt nun für Pohlheim: Christian Zufelde Foto: Schachtschneider

Kassel. Schwerin, Melsungen und nun Pohlheim: Christian Zufelde kommt herum im Handball. Nicht ganz freiwillig, denn Ziel des flinken Linksaußen ist der Sprung aus der zweiten Liga zum Stammspieler beim Bundesligisten MT. Doch in Melsungen bekam er nur in der Vorbereitung eine Chance, danach saß er auf der Tribüne.

„Ich brauche Spielpraxis, unbedingt, um wieder Anschluss zu finden“, sagt der 22-jährige Blondschopf. Das Zweitspielrecht bietet dafür die beste Chance: In Melsungen trainieren und Einsätze bei Bedarf, vor allem aber für einen unterklassigen Verein spielen. „MT-Trainer Michael Roth hat mir das vorgeschlagen, und wir waren uns rasch einig, dass dies ein guter Weg ist. Zur Rückrunden-Vorbereitung im Januar soll ich dann wieder voll bei der MT dabei sein. Trainer Roth will mich in Melsungen auf jeden Fall voranbringen“, erläutert Zufelde, dessen Vertrag bis Frühjahr 2012 läuft.

Roth und MT-Sportchef Alexander Fölker nahmen sofort Kontakt auf zu Zweitligist Eisenach, wo Manager Karsten Wöhler aber keinen Bedarf sah, und zum Drittligisten Eintracht Baunatal. Fölker: „Dort hätten wir Christian gern untergebracht. Ein guter Trainer, eine gute Mannschaft, und wir hätten diesen talentierten Spieler stets im Auge gehabt.“

Baunatal wollte nicht

Doch die Baunataler winkten ab, als die Vereinbarung fast schon klar war. „Christian ist ein Klassespieler, den wir gern genommen hätten, mit Kusshand“, sagt Trainer Arnd Kauffeld. Aber? „Wir wollten keine Unruhe ins Team bringen. Wir haben allen unseren Spielern im Sommer das Vertrauen gegeben, und alle haben es mit guten Leistungen bestätigt. Es wäre nicht gerecht, Zufelde zu holen und dafür einen vom bewährten Kader rauszukicken.“

„Es ist uns wichtig, den Jungen in guten Händen zu wissen“, betont MT-Trainer Roth. Nachdem auch Nachbar HSG Gensungen/Felsberg verzichtete, knüpfte er Kontakt zur HSG Pohlheim bei Gießen. „Mit Trainer Schmand habe ich aus Wetzlarer Tagen einen guten Draht. Wir waren uns dann rasch einig.“ So kam es, dass Zufelde schon am Samstag das Pohlheimer Trikot trug und prompt vor seiner Roten Karte (60.), die zwei Spiele Sperre einbrachte, fünf Treffer erzielte. Pikanterweise im Gastspiel bei der SVH Kassel. Was nach dem bitteren 23:24 der Harleshäuser dort sauer aufstieß.

SVH nicht angeboten

„Ein Mann wie Zufelde ist für uns immer interessant, aber uns haben sie ihn nicht angeboten“, erklärte Markus Imke von der Abteilungsleitung. Rüdiger Nordheim als Vorsitzender des SVH-Fördervereins meinte: „Mit solchen Maßnahmen werden die Melsunger in Kassel keine größere Akzeptanz bekommen.“

Eine Aussage freilich, die übers Ziel hinausschoss. Denn es gibt ein Entgegenkommen der MT auch gegenüber der SVH, schließlich trägt Chris Treutler das Harleshäuser Trikot. Auch er ist Melsunger mit Zweitspielrecht. MT-Aufsichtsrätin Barbara Braun-Lüdicke betont daher: „Die Freigabe von Zufelde für Pohlheim entsprang allein dem persönlichen Kontakt der Trainer.“

Von Gerald Schaumburg

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