Schweizer geht zurück zu Winterthur

Scheidender MT-Profi Sidorowicz: Mir hat es von Anfang an in Melsungen viel Spaß gemacht

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Abschied aus Nordhessen: Der Schweizer Nationalspieler Roman Sidorowicz (hier vor der Stadtsporthalle in Melsungen) spielt ab dem Sommer wieder für Pfadi Winterthur. 

Kassel. Der Schweizer Roman Sidorowicz kehrt im Sommer vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen zu Pfadi Winterthur zurück. Eine kleine Abschiedsstory. 

Die Melsunger Handball-Fans haben Roman Sidorowicz in den vergangenen 550 Tagen als eher ruhigen Typen kennengelernt. Im Kreise seiner MT-Kameraden legte er seine Zurückhaltung aber durchaus gern ab. „Sido war nie schlecht gelaunt und immer für einen lockeren Spruch gut“, lobt Torjäger Julius Kühn den scheidenden Mannschaftskollegen. Nicht wenige im Bundesliga-Team der MT werden sogar behaupten, der Schweizer habe den Schalk im Nacken sitzen.

Wenn der 28-Jährige jetzt im Rückblick sagt, es habe ihm „von Anfang an in Melsungen viel Spaß gemacht“, dann kann man das getrost wörtlich nehmen. Denn Sidorowicz soll schon mal im Verlauf der vergangenen eineinhalb Jahre das eine oder andere Paar Schuhe der Kollegen versteckt haben. Die bedankten sich auf ihre Weise. In der abgelaufenen Saison parkte Linksaußen Yves Kunkel kurzerhand mal Sidos Auto so um, dass es der Eidgenosse einige Zeit seinen fahrbaren Untersatz suchen musste. „Dafür“, sagt Sidorowicz schmunzelnd, „steht eigentlich noch eine Revanche aus.“

Allerdings wird es die nicht mehr geben, weil die Melsunger Mannschaft wegen der Corona-Krise im Spieljahr 2019/2020 nicht mehr zusammenkommen kann. Und: Ab Juli steht der Nationalspieler bereits beim Schweizer Spitzenklub Pfadi Winterthur unter Vertrag – von dem Verein war er Anfang Dezember 2018 nach Deutschland gewechselt.

„Der Start bei der MT damals war schon sehr speziell“, erinnert sich Sidorowicz. Nach nur drei Trainingseinheiten bei den Nordhessen gab er seinen Einstand im Heimspiel gegen Meister Flensburg-Handewitt. Wegen erheblicher personeller Probleme im MT-Team war er kurzfristig an die Fulda geholt worden. „Sido hat sich nahtlos eingefügt und mit seiner Spielstärke hervorragend bei uns gut reingepasst“, betont Kühn. Da teilweise sechs Spieler ausgefallen waren, musste Sidorowicz bei seinem neuen Arbeitgeber sofort funktionieren. Das gelang ihm so gut, dass Manager Axel Geerken den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit ihm vorzeitig um ein Jahr verlängerte.

„Für mich ging ein Traum in Erfüllung“, sagt Sidorowicz und zieht eine erfreuliche Bilanz seiner Zeit in Deutschland. Spieler wie Felix Danner und Lasse Mikkelsen wurden zu sehr guten Freunden. Zu den Höhepunkten bei der MT zählt er die erfolgreiche Qualifikation für den Europapokal in der Serie 2018/19.

Er nimmt wichtige Erfahrungen mit in seine Heimatliga. „Ich werde nicht mehr so hektisch sein. Die Bundesliga hat mir gezeigt, dass ein Spiel 60 Minuten dauert und auch in der Schlussphase noch einiges möglich ist“, sagt der 28-Jährige. Der EM-Teilnehmer will bei Pfadi eine Führungsrolle übernehmen. Zudem überlegt er, sich noch ein weiteres Standbein zu schaffen. Sidorowicz, der jetzt mit Freundin Mjriam zusammenzieht und nur 15 Minuten entfernt von Zürich leben wird, könnte sich gut vorstellen, später mal als Physiotherapeut zu arbeiten: „Ich habe als Profi ja schon viele Eindrücke gesammelt.“

Hintergrund

Nicht viele Handball-Profis kommen in den Genuss, beim Final Four des DHB-Pokals in Hamburg dabei sein zu können. Roman Sidorowicz hatte sich zwar im Dezember mit der MT Melsungen durch den Heimsieg gegen Berlin für das Viererturnier qualifiziert, muss auf dieses besondere Erlebnis aber nun verzichten. Das Final Four musste wegen der Coronakrise zweimal abgesagt werden und soll nun Ende Februar 2021 ausgetragen werden. Dann steht Sidorowicz bereits bei Pfadi Winterthur unter Vertrag. Seine Familie kann allerdings als Zuschauer in Hamburg dabei sein. Sie hatten sich mit Karten eingedeckt – und die behalten weiter ihre Gültigkeit. 

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