Pflichtaufgabe, Senkrechtstarter, Reifeprozess

Zwischenfazit der MT Melsungen - Roth: "Wir müssen noch zulegen"

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Aktivposten: Dener Jaanimaa mutierte beim MT-Sieg praktisch zum Alleinunterhalter.

Lübbecke. So ist das mit den „undankbaren Aufgaben“. Wenn sie pflichtgemäß erfüllt werden, wird das kaum gewürdigt, winkt dem Sieger nur wenig Anerkennung.

Die MT Melsungen musste sogar, nachdem der Handball-Bundesligist mit 22:19 beim Schlusslicht TuS N-Lübbecke seiner Favoritenrolle gerecht geworden war, kritische Töne ihres Trainers über sich ergehen lassen. „Nein, mit unserer Angriffsleistung kann ich nicht zufrieden sein“, erklärte Michael Roth angesichts von 13 technischen Fehlern, „mit denen man eigentlich kein Spiel gewinnen kann.“

Dass es der MT gelang, war ihrer überragenden Deckung sowie einem treffsicheren Dener Jaanimaa zu verdanken. Für den Coach die „Matchwinner“ eines Spiels, das in zugespitzter Form Stärken und Steigerungsmöglichkeiten des Teams offenbarte, das sich trotz eines Fehlstarts mit mittlerweile 13:5 Punkten in der Spitzengruppe festgesetzt hat.

Die Stärken

Michael Roth

Für Torwart Sjöstrand ist‘s „ein ganz neues Gefühl“. Da lässt der Schwede in der ersten Halbzeit die Ostwestfalen mit seinen Paraden verzweifeln und muss in der zweiten nach zwei haltbar anmutenden Bällen postwendend Nebojsa Simic weichen. Und der nagelt den MT-Kasten erneut zu. „Eine Bauchentscheidung“ ist die Auswechselung laut Roth gewesen. Eine, die er sich fast ohne Risiko erlauben kann, weil ihm in dieser Saison zwei starke Torhüter zur Verfügung stehen..

Ein „Qualitätssprung“ (Roth), der auch bei Youngster Golla im Mittelblock zu beobachten ist. „Die Abstimmung mit Finn Lemke klappt immer besser“, freut sich der 19-Jährige über die gute Arbeitsteilung mit dem prominenten Nebenmann. Der ist dank seiner Größe eher fürs Blocken zuständig, das MT-Talent dafür, im richtigen Moment durch explosives Heraustreten die gegnerischen Rückraumspieler wie den TuS-Torjäger Marko Bagaric zu stellen.

Johannes Golla

Johannes Golla wurde nach der Verletzung von Philipp Müller ins kalte Wasser geworfen – und hat sich frei geschwommen. Noch fulminanter sprang Dener Jaanimaa für Michael Müller in die Bresche. Nach dessen Ausscheiden sowie dem Ausfall von Timm Schneider war ausgerechnet vor dem Kiel-Spiel eine „neue Achse“ mit Spielmacher Mikkelsen und Neuzugang Kühn geboren, die mit ihrer Dynamik prompt für Furore sorgte.

In Lübbecke mutierte der Linkshänder mit neun Treffern allerdings zum Alleinunterhalter, traf zuverlässig, obwohl das Offensivspiel über 60 Minuten nicht auf Touren kam. „Ich brauche keine Spielzüge“, erklärte der wurfgewaltige Este seine Treffsicherheit, die wiederum auf das Konto eines gesteigerten Selbstvertrauens geht. „Die klassische Aufstiegsgeschichte eines zweiten Mannes“ (Jaanimaa), der endlich zeigen kann, was er drauf hat, nachdem der 28-Jährige zuvor im Schatten von Müller stand. Trotzdem hofft der Linkshänder auf eine baldige Rückkehr seines Kapitäns, „denn ich könnte ja mal einen schwachen Tag haben.“

Steigerungsmöglichkeiten

So wie seine Nebenleute in der Merkur Arena. „Es fehlte das Spiel in die Tiefe“, kritisierte Trainer Roth Mittelmann Lasse Mikkelsen, der wie Julius Kühn auch im Abschluss blass blieb. Die Gäste hätten es indes auch einfacher haben können. Statt sich – wie häufig geschehen – im Lübbecker 6:0-Geflecht zu verfangen, hätten Tore aus der ersten und zweiten Welle frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen können. Doch das Umschaltspiel hakte, so dass viele Ballgewinne der eigenen Defensive verpufften, was sich die Mannschaft in den kommenden Spielen nicht erlauben kann.

Fazit

Johannes Golla sieht „den Grundstein gelegt“, um in den nächsten Partien anzugreifen. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt auch Johan Sjöstrand nach der personellen Umstrukturierung der Mannschaft. Aber eben auch noch nicht am Ziel bzw. bei 100 Prozent angekommen. „Wir müssen noch zulegen“, fordert daher Michael Roth. Und dürfte sich mit Dank für die Erledigung der undankbaren Aufgabe zurückgehalten haben.

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