Interview mit Melsunger Trainer

Roth über Auslosung des EHF-Pokals: „Können alle packen“

Der Eindruck täuscht: MT-Trainer Michael Roth hatte in der Hauptrunde des Europacups selten Grund zum Grübeln. Foto: Fischer

Kassel. Der Melsunger 34:26-Sieg über RK Nexe war für den heimischen Handball-Bundesligisten der Schlusspunkt unter eine äußerst erfolgreiche Gruppenphase im EHF-Pokal.

Damit hat die MT in ihrer ersten Europapokalsaison bereits für Furore gesorgt, aber nichtsdestotrotz noch Großes vor. Im Interview einen Tag vor der Viertelfinal-Auslosung in Wien (Dienstag ab 10.45 Uhr, im Livestream auf www.ehfTV.com) zieht Trainer Michael Roth eine Zwischenbilanz und blickt auch schon mal optimistisch nach vorn.

Sie waren mit Ihrer Mannschaft in den letzten vier Monaten über 5000 Kilometer Luftlinie außerhalb Deutschlands unterwegs. War Europa das Reisen wert? 

Michael Roth: Auf jeden Fall, das war eine ganz wertvolle Erfahrung für alle Beteiligten. Natürlich ist nach der anfänglichen Euphorie bei uns aufgrund der großen Strapazen eine gewisse Routine eingekehrt, die aber die Vorfreude auf die Spiele nicht trüben konnte. Sportlich haben wir das hervorragend gemeistert, wobei uns die Erfolge in der Qualifikation gegen Toulouse und Presov viel Mut gemacht haben.

Mitsamt der Qualifikation fällt die Bilanz nach den Gruppenspielen mit sieben Siegen und drei Niederlagen höchst positiv aus. Trotzdem haben Sie sich über das 25:27 bei Eskilstuna ziemlich geärgert. Warum? 

Roth: Ich habe mich weniger über die Niederlage bei unserem stärksten Gruppengegner geärgert als darüber, dass wir ziemlich unkonzentriert zu Werke gegangen sind. Das war nach den vorausgegangenen Belastungen eine Sache des Kopfes und vielleicht muss man deshalb auch Verständnis für die Mannschaft haben. Umso zufriedener war ich über die starke Reaktion in Bietigheim.

Welche Herausforderung war größer: die sportliche oder die organisatorische? Gab es Spieler, die beide besonders gut gemeistert haben? 

Roth: Ich denke, das hielt sich die Waage, wobei uns das Management die bestmöglichen Bedingungen schaffte. Einzelne Spieler möchte ich nicht hervorheben, dafür aber das Kollektiv, das sehr gut funktioniert hat. Alle 14 Spieler haben ihren Beitrag zum Viertelfinaleinzug geleistet.

Zwischen den EHF-Pokalspielen musste das Team auch noch in der Liga ran, was einige englische Wochen zur Folge hatte. Welche Anforderungen stellte diese Situation an Sie, den Trainer? Was haben Sie anders gemacht als im normalen Spielbetrieb? 

Roth: Natürlich war das auch für mich mehr Stress. Etwa die Spielbeobachtung von Gegnern, die uns weitgehend unbekannt waren, sowie die Vermittlung der daraus gewonnenen Erkenntnisse an die Spieler. Im Training kam es vor allem auf die Dosierung von Regeneration und Belastung an. Das habe ich oft aus dem Bauch heraus entschieden. Dabei kam mir natürlich entgegen, dass wir von Verletzungen weitgehend verschont geblieben sind.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie für das Viertelfinale mit? 

Roth: Wir wissen, wer auf uns zu kommt. Die Gegner haben allesamt hohe Qualität, doch wenn wir in den beiden Spielen unsere Top-Leistung abrufen, können wir alle packen.

Wie beurteilen Sie die Resonanz bei den Fans? 

Roth: Unser Stammpublikum war immer da und die Fans, die uns sogar zu den Auswärtsspielen begleitet haben, genießen unsere Hochachtung. Diese Unterstützung hat der Mannschaft gutgetan. Aber jetzt, wo es drauf ankommt, muss es richtig krachen und die Hütte voll sein!

Morgen ist die Auslosung. Infrage kommen Skjern und Velenje. Haben Sie ein Wunschlos? 

Roth: Nein, ich warte einfach ab.

Ist das Träumen vom Europapokalsieg erlaubt? 

Roth: Noch nicht. Erst wenn wir unter den letzten vier sind und nach Berlin reisen. Denn dann ist alles möglich.

Saisonziel ist die erneute Qualifikation für den EHF-Cup, wofür es weitere Bewerber gibt. Tabellennachbar Berlin etwa, der Mittwoch in Kassel gastiert. Eine Art Vier-Punkte-Spiel, oder? 

Roth: Die Partie ist ein Schlüsselspiel für beide. Ein Sieg und die wieder gewonnene Heimstärke wären ein großer Schritt nach vorn für uns.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.