Auftakt gegen Füchse Berlin

MT-Trainer Roth: „Wollen 60 Minuten Tempo bieten“

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Gut gelaunt bei der Mannschaftsvorstellung in Kassel: MT-Trainer Michael Roth.

Kassel. Die MT Melsungen startet in die Saison. Heute Abend (19 Uhr) empfängt der Handball-Bundesligist die Füchse Berlin. Vorab sprachen wir mit Melsungens Trainer Michael Roth.

Er geht ins sechste Jahr bei der MT. Michael Roth, seit Oktober 2010 Trainer der Melsunger, führte die Bundesliga-Handballer aus Nordhessen in immer höhere Tabellengefilde. Vor der Saison haben wir mit dem 53-Jährigen über das Auftaktspiel heute gegen die Füchse Berlin gesprochen, aber auch über das Potenzial im Kader, Ziele, den Spielplan und seine Gesundheit. Der Trainer braucht nach einer Hüft-OP weiterhin Krücken als Gehhilfe.

Herr Roth, bei Ihnen ging die Vorbereitung offensichtlich nicht so locker aus der Hüfte?

Michael Roth: In dieser Form würde ich nach einer Hüft-OP nicht noch mal verfahren. Eine Saisonvorbereitung mit Trainingslager ist halt keine Kur. Letztlich war es eine Qual. Ich habe versucht, mir nichts anmerken zu lassen und vor den Jungs keine Schwäche zu zeigen. Langsam wird es aber besser.

Trotzdem sind Sie während des Spiels gezwungen, auf der Bank zu sitzen. Das dürfte Ihnen doch schwerfallen, oder?

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Roth: Beim Pokal in Eisenach war das so, ja. Die Schiedsrichter waren sogar ganz froh, dass ich mit meinem Allerwertesten auf der Bank ausharren musste. Dass das auch während der Saison so wird - diese Hoffnung habe ich ihnen genommen. Grundsätzlich hat es aber gutgetan, entspannter zu sein.

Können Sie beim Blick auf Malte Schröders Kreuzbandriss entspannt bleiben? 

Roth: In erster Linie tut mir der Spieler leid. Sportlich ist der Ausfall ganz klar eine Schwächung. Andererseits kriegt jetzt Jan Forstbauer schneller seine Bewährungschance als gedacht. Ich traue ihm zu, dass er den Durchbruch schafft.

Was erhoffen Sie sich von dem Duo Forstbauer und Michael Müller im rechten Rückraum? 

Roth: Michi Müller ist spielerisch einfach richtig stark. Und von seiner neuen Rolle als Kapitän erhoffe ich mir, dass er abgeklärter und vor allem disziplinierter agiert. Jan ist ein ganz anderer Typ. Er hat einen ähnlichen Bewegungsablauf wie der junge Holger Glandorf. Gegen defensive Abwehrreihen kann er seine Gefährlichkeit beim Sprungwurf ausspielen. Jan wird vornehmlich im Angriff zum Einsatz kommen.

Der Kern der Mannschaft ist zusammengeblieben. Hat das die Vorbereitung erleichtert? 

Roth: Wir haben diesmal einiges anders gemacht. Wir haben Athletik-Training und die Arbeit mit dem Ball vermischt. Es war sehr anstrengend, aber erfolgreich. Da wir nur einen Feldspieler integrieren mussten, konnten wir schnell an Basis-Dingen feilen und haben im Angriff und in der Abwehr viel stabilisiert. Unsere Kontinuität zahlt sich aus. Wir setzen auf bewährte Kräfte. Und Spieler wie Marino Maric, Momir Rnic, Jeffrey Boomhouwer oder auch Christian Hildebrand haben sich weiter entwickelt.

Und die drei Neuen haben schnell ihren Platz gefunden? 

Roth: Nach dem Weggang von Mikael Appelgren war das Tor die vermeintlich größte Baustelle. Aber ich glaube, dass wir uns mit Sjöstrand und Villadsen sogar verstärkt haben. Wir dürften noch stabiler sein. Und Timm Schneider hat sofort Präsenz gezeigt. Er tut dem Team gut.

Was unterscheidet die aktuelle MT von der MT der vergangenen Runde? 

Roth: Wir sind durch die Teilnahme am EHF-Cup gereift. Bei uns sind alle richtig heiß. Zumal wir es mehr als verdient gehabt hätten, wieder in Europa dabei zu sein. Grundsätzlich wollen wir 60 Minuten Tempo bieten, und zwar auf höchstem Niveau - das ist unsere Philosophie. Dafür ist Disziplin nötig, Geduld und eine hohe Effektivität. Daran hat es in der vergangenen Saison manchmal gehapert. Die Basis dafür bildet eine stabile Deckung. Wir haben jetzt zwei gute Abwehrsysteme, auf die sich die Gegner einstellen müssen. Fantastisch sind die Pässe unserer Torleute für die erste Welle.

Wird es in der Tabelle weiter nach oben gehen? 

Roth: Mein Vertrag gilt bis 2020. Ich habe nicht den Anspruch, Abfindungen zu kassieren, sondern erfolgreich zu sein. Ziel ist es, in diesem Zeitraum eine Top-5-Mannschaft zu entwickeln. Dazu benötigen wir auch eine Heimspielstätte auf Champions-League-Niveau.

Und wie schätzen Sie den Kampf um diese Top 5 ein? 

Roth: Die Konkurrenz um uns herum ist enorm. Wir müssen eine optimale Saison spielen. Unser Vorteil: Wir haben diesmal keine Zusatzbelastung durch den Europapokal. Davon hat auch Göppingen im vergangenen Jahr profitiert. Außerdem passt dieses Mal der Spielplan. Es kann top laufen für uns. Obwohl Berlin natürlich ein schwieriger Auftaktgegner ist.

Wie viel Roth’sche Leidenschaft verträgt die Hüfte während der 60 Minuten? 

Roth: Je besser wir spielen, desto entspannter kann ich Platz nehmen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es für meine Gesundheit besser ist, wenn ich sitzen bleiben kann.

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