Herausragendes Jahr

Rückblick auf 2014: „MT ist keine graue Maus mehr“

Großer Moment: Anfang März feiern die Melsunger Handballer mit den Fans in der Rothenbach-Halle den Sieg gegen den THW Kiel. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Wieder beim Final Four, sechster Tabellenplatz und als Zugabe noch Europapokal - 2014 war für die MT Melsungen das erfolgreichste Jahr. Ein Rückblick mit André Sperl.

Mit dem langjährigen Linksaußen und heutigen Trainer der zweiten Mannschaft, André Sperl, blicken wir zurück auf zwölf außergewöhnliche Monate.

Für den 44-Jährigen selbst verlief 2014 alles andere als normal. „Ich hatte mindestens einen Schutzengel“, sagt Sperl rückblickend. Ende Februar hatte der zweifache Familienvater einen Autounfall auf der A 5, erlitt schwere Kopfverletzungen und kämpfte mit dem Tod. Heute ginge es ihm wieder gut. Sperl sagt: „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Und ich hatte unfassbares Glück.“ An den Unfall verschwende er keine Gedanken mehr - Was-wäre-wenn-Überlegungen seien nicht seine Sache.

Gleichwohl habe er aus den Ereignissen etwas mitgenommen. „Man wird geerdet“, sagt er. Drucksituationen und Schwierigkeiten blicke er nun entspannter entgegen. Die Saison seiner MT habe er natürlich verfolgt.

Sperl über ...

... herausragende Spieler: „Für mich hat Torwart Mikael Appelgren in zahlreichen Spielen den Unterschied ausgemacht. Er hat sich zu einem der besten Keeper der Liga gemausert. In kniffligen Situationen war er da und der Rückhalt. Sein Weggang wird der MT wehtun. Außerdem gehört für mich Felix Danner zu den wichtigen Persönlichkeiten - nicht nur auf dem Feld. Er ist eine Integrationsfigur und hat eine enorme Entwicklung gemacht. Die Stärke der MT resultierte aber vor allem aus der Geschlossenheit. Da ist eine echte Mannschaft zusammengewachsen.“

... fünf Melsunger im Nationalteam: „Ein Wort: unglaublich! Damit hat der Deutsche Handball-Bund ein Zeichen gesetzt und die Arbeit in Melsungen honoriert. Die MT ist keine graue Maus mehr. Legionärstruppe - das war einmal. Einige Vereine wären froh, wenn sie überhaupt fünf deutsche Spieler in ihren Reihen hätten. Auch wenn womöglich nur zwei zur WM fahren: Das ist eine tolle Geschichte, die die MT in diesem Jahr geschrieben hat.“

... den Traum von Europa: „Das ist die größte Belohnung für dieses herausragende Jahr. Zumal niemand damit gerechnet hatte. Wie souverän die Jungs durch die K.o.-Phase marschiert sind, zeigt doch, dass für sie der EHF-Cup keinesfalls zu früh kommt. International starten zu dürfen, ist eine Art Ritterschlag. Ich fand es aber sehr schade, dass zum ersten Spiel gegen Toulouse nur 2500 Zuschauer den Weg in die Rothenbach-Halle fanden.“

Europapokal: MT Melsungen gegen Fenix Toulouse

... den einen Moment: „Ich tue mich generell schwer damit, einzelne Punkte herauszuziehen. Für mich zählt die Saison als Ganzes, das komplette Jahr. Aber sicherlich zählt der Sieg gegen Kiel vor eigenem Publikum zu den Höhepunkten. Dass die Truppe wieder in Hamburg beim Final Four dabei war - zum zweiten Mal hintereinander, ist ebenfalls eine Riesen-Geschichte. In diesem Zusammenhang möchte ich die Fans hervorheben. Denn auch da hat sich in diesem Jahr einiges zum Positiven verändert.“

... Erlebnisse für die Tonne: „Natürlich könnte ich jetzt ein paar Spiele aufzählen, die nicht so toll liefen. Aber dieses ewige Nörgeln und das Haar-in-der-Suppe-Suchen geht mir auf die Nerven. Für mich gab es in diesem Jahr wirklich kaum Ausfälle.“

... fünf Melsunger Merkmale: „Erstens die stetige Entwicklung der Mannschaft: Das Team wurde Schritt für Schritt besser. Zweitens die Konstanz: Wenn du am Ende auf dem sechsten Platz stehst, musst du über die komplette Saison konstante Leistung bringen. Drittens die Nervenstärke: Mehrere knappe Spiele hat die MT für sich entschieden. Viertens der Einsatz der Müller-Zwillinge: Herrlich, wie die beiden sich reinhängen. Und fünftens der Teamgeist: Die MT ist noch nie so geschlossen aufgetreten wie 2014.“

... eine Schulnote für die MT: „Die Mannschaft hat ihre Saisonziele mehr als erreicht. 2014 war das erfolgreichste Jahr überhaupt. Also gibt’s von mir eine Eins.“

Zur Person

ANDRÉ SPERL (44) kam 1990 vom SC Magdeburg zur MT Melsungen. Für die erste Mannschaft war der Linksaußen 14 Jahre lang im Einsatz - das ist immer noch Rekord. Heute trainiert er die zweite Mannschaft. Sperl ist Marketing-Kaufmann, arbeitet bei B. Braun und ist zuständig für den Bereich E-Commerce. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern im Alter von 20 und 18 Jahren. (lip)

Von Robin Lipke

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