Handball-Bundesligist landet auf Rang acht

Saisonbilanz der MT Melsungen: Einige Höhen, noch mehr Tiefen

Der Regisseur: Domagoj Pavlovic (rechts, gegen Hannovers Nejc Cehte).
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Der Regisseur: Domagoj Pavlovic (rechts, gegen Hannovers Nejc Cehte).

Die Saison in der Handball-Bundesliga ist zu Ende. Die MT Melsungen belegt nach 38 Spieltagen den achten Platz. Eine Saisonbilanz.

Als noch große Fanmengen zugelassen waren, konnte Handball-Bundesligist MT Melsungen auf einen Spieler praktisch nicht verzichten: Der Däne Lasse Mikkelsen entwickelte sich nach seinem Wechsel 2017 aus Skjern zu einem viel beachteten Regisseur in der höchsten deutschen Klasse. Auch zu Beginn der Spielzeit 2020/21 zeigte er seine Qualitäten noch in der EHF European League – trotz des Scheiterns in der ersten Qualifikationsrunde gegen Bjerringbro-Silkeborg.

Dann war aber Schluss. „Ich hatte keine Rolle mehr. Von 100 auf Null“, sagt Mikkelsen. Als die Runde richtig anfing, baute Trainer Gudmundur Gudmundsson fast nur noch auf Domagoj Pavlovic. Der Kroate machte seine Sache gut – dennoch stellen sich viele Fans bis heute die Frage, weshalb der Isländer dem blonden Schlaks plötzlich keine echte Bewährungschance mehr gab. Dabei hätten die Melsunger den Mittelmann gut gebrauchen können – nicht zuletzt beim Pokalfinale in Hamburg, als die leicht favorisierte MT dem TBV Lemgo Lippe nicht wirklich gewachsen war. Wie wichtig der Däne hätte sein können, bewies er in den letzten Spielen gegen Berlin und in Stuttgart, in denen er insgesamt 15 Tore erzielte.

„Es sieht jeder, dass das keine gute Saison der Melsunger war“, betont Mikkelsen. Zwar waren die Nordhessen auch im ersten Abschnitt der Serie durch Corona-Probleme schwer getroffen worden, dennoch gab es zu viele ernüchternde Auftritte. Gudmundsson ärgerte sich über den großen Druck, der auf sein Team von außen ausgeübt wird. Allerdings machte es sich der Isländer selbst auch nicht leicht, indem er Akteure wie Mikkelsen, Stefan Salger und Youngster Ole Pregler nicht besser ins Spiel integriert hat. So bekamen Julius Kühn und Kai Häfner sowie Pavlovic kaum Verschnaufpausen.

Insbesondere die hohe Zahl an technischen Fehlern wurde bei den Nordhessen zum Dauerthema. Die Kritik auf den Coach nahm an Schärfe deutlich zu. Allerdings setzen Manager Axel Geerken und die Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke weiterhin großes Vertrauen in den 60-Jährigen. Offiziell wurde die Vertragsverlängerung mit Gudmundsson nicht kommuniziert. So wie der Kader zur nächsten Saison zusammengestellt wurde, lässt er aber keinen anderen Rückschluss zu. Neben dem portugiesischen Top-Talent Andre Gomes kommen mit Elvar Örn Jonsson (aus Skjern) und Alexander Petersson (Flensburg) zwei Landsleute zur MT.

„Ich finde, wir haben in dieser Saison zu wechselhaft gespielt“, sagt Gudmundsson und fügt hinzu: „Besonders die Punktverluste gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel tun weh.“ Dazu zählen Niederlagen zu Hause gegen Coburg und Balingen, zwei Unentschieden gegen Minden und drei nicht geholte Punkte gegen Stuttgart. „Wir kamen nie so richtig in einen Rhythmus“, sagt Gundmundsson und gibt ein Beispiel: Nach starker Leistung beim 30:23-Sieg in Göppingen im Dezember musste die MT mal wieder in Quarantäne.

Auch in den einzelnen Partien selbst sei sein Team zu unkonstant gewesen, hat zu selten über die kompletten 60 Minuten eine sehr gute Leistung gezeigt. Hinzu kommt, dass die Melsunger gegen keines der besten fünf Teams der Liga einen Punkt holten. „Wir müssen uns fragen, ob wir gut genug dafür sind. Die Tabelle lügt nicht, wir stehen zum Teil zurecht dort“, sagt der Trainer.

So war es eine Saison mit einigen Höhen wie den klaren Erfolgen gegen Göppingen und dem Einzug ins Pokalfinale. Aber mit noch mehr Tiefen wie der Endspiel-Niederlage gegen Lemgo und unerklärlich deutlichen Pleiten wie in Flensburg (20:36) oder Mannheim (22:31).

Neben Mikkelsen (zurück nach Skjern) verliert die MT auch ihren dienstältesten Profi: Kreisspieler Felix Danner muss den Verein nach mehr als zwölf Jahren verlassen. Er geht nach Wetzlar. Seine Frau Anja und seine beiden Kinder waren bei seinem letzten MT-Heimspiel noch einmal in der Kasseler Rothenbach-Halle live dabei. Genau wie 1000 Fans, die Danner und Mikkelsen einen würdigen Abschied bescherten. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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