Handball

MT Melsungen: Pavlovic schuftet nach Erdbeben fürs Comeback

Handball, Bundesliga MT Melsungen - Training bei MT-Partner Rehamed in Kassel: Domagoj Pavlovic (links, im Hintergrund der Melsunger B-Jugendliche Goujard Leandre) mit Trainer Adi Imsirovic.
+
Training bei MT-Partner Rehamed in Kassel: Domagoj Pavlovic (links, im Hintergrund der Melsunger B-Jugendliche Goujard Leandre) mit Trainer Adi Imsirovic.

Den Schock seiner Verletzung hat er ebenso überstanden wie den eines Erdbebens daheim in Kroatien. Nun steht Domagoj Pavlovic vor seiner Rückkehr ins Training der MT Melsungen.

Melsungen – Drei Wochen ist es inzwischen her, dass die Region südöstlich von Kroatiens Metropole Zagreb von einem starken Erdbeben erschüttert wurde. Domagoj Pavlovic, Handballer des Bundesligisten MT Melsungen, war an jenem Tag in seiner Heimat Ivanic-Grad – nur 45 Kilometer von Petrinja entfernt, wo das Epizentrum lag.

Ihm und seiner Familie ist nichts passiert. Die Ereignisse des Tages haben sich dennoch tief in seinem Kopf eingebrannt: „Ich war auf der Straße und habe nur gestanden – und trotzdem habe ich mich bewegt. Überall sind Leute davon gerannt. Ich möchte so etwas nie wieder erleben“, sagt er.

Mittlerweile ist Pavlovic zurück in Melsungen. Er arbeitet an seinem Comeback. Vor dem Punktspiel Ende November gegen den Bergischen HC hatte der 27-Jährige im Training einen Bänderanriss erlitten – und nicht nur einige Punktspiele der MT im Dezember verpasst, sondern auch für die Weltmeisterschaft in Ägypten absagen müssen. „Einerseits wäre ich gern dabei gewesen, wenn ich andererseits aber auch höre, wie es vor Ort ist, wie ein solches Turnier in Corona-Zeiten abläuft, dann bin ich auch nicht ganz so traurig“, sagt Pavlovic.

Dennoch drückt er seinen Landsleuten kräftig die Daumen. Mit MT-Kollege und Kreisläufer Marino Maric hat er ohnehin regelmäßig Kontakt. Sofern es die Zeit zulässt. Aktuell trainiert er jeden Tag in Kassel mindestens drei Stunden bei MT-Partner Rehamed. Dort bereitet er seinen Körper, beispielsweise die Schulter-Muskulatur, auf das handballspezifische Training vor, mit dem er noch in dieser Woche bei der MT beginnen soll. Soll heißen: Dann arbeitet er erstmals auch wieder mit Ball.

Wenn alles optimal läuft, dann steht er seiner Mannschaft im ersten Spiel nach der Weltmeisterschafts-Pause wieder zur Verfügung. Am Sonntag, 7. Februar, empfangen die Nordhessen in der Kasseler Rothenbach-Halle die Rhein-Neckar Löwen. Pavlovic sagt aber auch: „Ich schaue nur von Tag zu Tag. Ich muss sehen, wie es weiter läuft.“ (Björn Mahr)

Berufsgenossenschaft zeichnet MT-Athletiktrainer Florian Sölter aus

Es gab eine Zeit, in der war Handball-Bundesligist MT Melsungen um seine Verletztensituation alles andere als zu beneiden. Im Herbst 2018 fielen zeitweise sechs Spieler aus. In der jüngeren Vergangenheit waren verletzungsbedingte Ausfälle aber eher die Ausnahme – nicht ohne Grund. Seitdem die MT auf das von Athletiktrainer Florian Sölter entwickelte Konzept des „Mündigen Athleten im Profisport“ vertraut, sind die Probleme deutlich weniger geworden. So genannte Bagatell-Verletzungen wie Prellungen waren in knapp 95 Prozent der Fälle nach sieben Tagen ausgeheilt.

Jetzt wurde Sölters Arbeit von der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) mit dem Präventionspreis in der Kategorie „Sport Gesamtkonzepte“ ausgezeichnet. Die MT erhielt ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro. Der Preis wurde allerdings zweifach vergeben. Auch Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig wurde geehrt.

„Wir bieten unseren sportlich Verantwortlichen immer die Möglichkeit und den Freiraum, neue Ideen in die Trainingsarbeit einzubringen und in der Praxis anzuwenden“, erläutert Melsungens Manager Axel Geerken. „Der Dank gebührt aber auch unseren Physiotherapeuten und unserem Laufanalyse-Partner Schott“, erklärt Athletiktrainer Sölter. Denn das Konzept besteht aus mehreren Bereichen – wie die jährliche Leistungsdiagnostik an der Uni Kassel. Und das System des Monitoring, das Sölter entwickelt hat.

Die Spieler müssen Tag für Tag einen Online-Fragebogen ausfüllen – darin tauchen Fragen auf. Zum Beispiel: Wie gut haben die Spieler das letzte Training verkraftet? Wie gut haben Sie in der vergangenen Nacht geschlafen? Wer sich gut fühlt, macht in der nächsten Übungseinheit ein bisschen mehr. Wer sich nicht gut fühlt, macht in einigen Bereichen dann etwas weniger. (bjm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.