Final Four

Sellin auf Seelers Spuren in Hamburg

Mit der HNA in Hamburg: Michael Allendorf (links) und Johannes Sellin werfen einen Blick auf die Berichterstattung. Foto: Mahr
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Mit der HNA in Hamburg: Michael Allendorf (links) und Johannes Sellin werfen einen Blick auf die Berichterstattung.

Hamburg. Vor Ort in Hamburg: Die Melsunger Handballer absolvierten ihr Abschlusstraining an historischer Stätte in Norderstedt.

Auf den ersten Blick mag es keine Verbindung zwischen Johannes Sellin und Uwe Seeler geben. Der eine ist aktueller Rechtsaußen des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, der andere ist eine HSV-Legende im Fußball.

Und doch war am Freitagvormittag zwischen 10.41 und 10.52 Uhr der Abstand von Sellin zu Seeler gar nicht so groß. Denn in dieser Zeit zeigte der MT-Profi, dass er auch den Umgang mit dem etwas größeren Lederball beherrscht. Und das an einer fast heiligen Stätte: Das Abschlusstraining der Melsunger für das Final-Four-Halbfinale am Samstag (17.45 Uhr) gegen Berlin wurde nämlich in einer alten, kleinen Halle auf dem früheren Übungsgelände des Hamburger SV in Norderstedt absolviert. Dort, wo sich die Bundesliga-Stars noch bis 2004 mit Steigerungsläufen und anderen Übungen in Form brachten. Nicht weit davon entfernt, wo Seeler bis heute lebt.

Heute ist hier nicht mehr viel mit Fußball. In der Halle, wo sich die Melsunger den letzten Schliff holen, stehen nur zwei Hockey-Tore. Nachdem beim Aufwärmspiel Michael Müller auf Zuspiel seines Sturmpartners Daniel Kubes das 1:0 für die Alten erzielt hatte, drehte Sellin für die junge Garde auf, traf dreimal selbst und bereitete den letzten Treffer von Jonathan Stenbäcken zum 4:1-Endstand vor. Eine Niederlage, die Müller gar nicht schmeckte - und das auch laut und verständlich kundtat.

Kein Wunder: Denn der Verlierer muss zur Strafe unter anderem jeweils 20 Liegestütze und Sit-ups machen. Umso ärgerlicher, weil Athletik-Trainer Lutz Anders kurz darauf noch die eine oder andere weitere Übung vorgab: ein bisschen Yoga, ein bisschen was zum Stabilisieren. Trainingsinhalte, wie sie die MT-Asse häufig haben.

Viel Druck für Torleute

Chefcoach Michael Roth betont: „Man muss nicht noch mehr hineinpressen. Jeder weiß, dass am Samstag ein besonderes Spiel ist.“ So wird 30 Stunden vor dem (ersten) großen Auftritt in erster Linie einmal überprüft, ob die Spielzüge und Tempogegenstöße klappen. Ob die Würfe aus nah und fern sitzen. Und ob die drei Torleute Mikael Appelgren, Per Sandström und Colin Räbiger die Ecken ihres Kastens zumachen, die sie abdecken müssen.

„Es dürfte reichen, wenn jeder Feldspieler seine normale Leistung abruft. Aber wir werden sehr gute Torhüter brauchen“, weiß der MT-Manager und frühere Nationaltorwart Axel Geerken. Genauso sieht es Roth, der vor und nach der Übungseinheit seine Schützlinge um sich schart und in seinen Ansprachen immer wieder einen Satz wiederholt: „Bei uns müssen alle Spieler vom Kopf her da sein.“

Weil es eben kein Handball-Match wie jedes andere sein wird. „Da wird noch mehr Adrenalin durch die Adern gepumpt. Es geht nur über mentale Stärke“, betont Michael Roth. In vielen Vergleichen in dieser Serie stellten seine Mannen bereits unter Beweis, dass sie solchen Situationen gewachsen sind. Beim abschließenden Siebenmeterwerfen verwandelte Michael Allendorf im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Sellin alle sechs Bälle. Aber der hatte dafür schon beim Fußball zu glänzen gewusst.

Von Björn Mahr

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