29:25-Sieg

MT Melsungen schockt Meister THW Kiel

Handball-Bundesligist MT Melsungen schockt Meister THW Kiel
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Handball-Bundesligist MT Melsungen schockt Meister THW Kiel

Kiel. Unglaublich, sensationell, das ist der absolute Hammer: Wenn Felix Danner und Michael Allendorf wie zwei kleine Kinder durch die Halle flitzen und den Videowürfel mit dem Endergebnis per Handykamera fotografieren, dann hat die MT Melsungen Handball-Geschichte geschrieben.

Sonntag war es soweit. Der nordhessische Bundesligist triumphierte beim haushohen Favoriten THW Kiel mit 29:25 (14:16) und fügte dem Deutschen Meister nach 585 Tagen wieder eine Niederlage bei. „Wir wollten sie ein bisschen ärgern und locken, aber damit hat doch niemand gerechnet, dass wir hier gewinnen können“, sagte Felix Danner, der insgesamt sechsmal traf. Ein Tor mehr gelang Michael Allendorf, und damit war er der erfolgreichste Werfer der gesamten Partie. „Das ist wie ein Lottogewinn. Wenn mir das vor dem Spiel einer gesagt hätte, hätte ich das doch nie geglaubt“, sagte der 26-jährige Linksaußen.

Die rauhe Ostseeluft tat der MT Melsungen unglaublich gut, die bis zur elften Minute ständig in Führung lag. Vor allem Per Sandström war es zu verdanken, dass die Gäste eine starke Anfangsphase spielten, denn der Torwart vereitelte gleich drei Tempogegenstöße des THW durch Filip Jicha, Niclas Ekberg und Gudjon Valur Sigurdsson. Kiel erarbeitete sich dann aber beim Stand von 7:6 die erste Führung und baute sie schließlich auf 12:9 nach einer Viertelstunde aus. Auch deshalb, weil Melsungen nun von dem Tempospiel der Anfangsphase abrückte. Vor allem auf der halbrechten Abwehrseite bekamen die Nordhessen Probleme, wo ein ums andere Mal der überragende Filip Jicha durchkam. Doch mehr als vier Tore Vorsprung arbeitete sich der Tabellenführer nicht heraus, und so blieb die MT mit einem geschickt agierenden Patrik Fahlgren im Spiel. Der Schwede setzte immer wieder Kreisläufer Felix Danner geschickt in Szene, der dadurch dreimal zum Torerfolg kam.

Fünf exzellente Paraden des herausragenden Sandström führten schließlich dazu, dass Melsungen nur mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause ging. Viele Fans der Gastgeber hatten zu Beginn des zweiten Durchgangs mit einem THW-Sturmlauf gerechnet, doch sie wurden enttäuscht. Stattdessen pirschte sich die MT immer weiter ran und gleichte in der 40. Minute zum 18:18 aus. Allendorf lief nun zur Höchstform auf, auch Savas Karipidis überzeugte mit einer hunderprozentigen Trefferquote.

Eine Viertelstunde vor Schluss hatten sich die Gäste eine 21:18-Führung herausgearbeitet. Kiel kam zwar noch einmal auf 20:21 (48.) und 24:25 (54.) heran, doch aufgrund einer starken Abwehrarbeit triumphierten die Melsunger. „Es ist ein schönes, aber auch ein komisches Gefühl, in Kiel zu gewinnen. Vom Kopf her bin ich Melsunger, vom Herzen aber noch Kieler“, sagte MT-Abwehrcehf Daniel Kubes nach dem Sieg gegen seinen Ex-Klub. THW-Coach Alfred Gislasson kommentierte die Sensation dagegen nüchtern. „Die Niederlage ist völlig verdient. Wir haben uns viel zu viele Fehler erlaubt. 25 Fehlwürfe sind einfach nicht mehr zu korrigieren“, sagte der Trainer nach dem Sturz auf Platz zwei in der Tabelle.

Roth: „Bin überstolz“

MT-Trainer bescheinigt seinem Team überragende Leistung

Michael Roth blickte fast schon etwas ungläubig drein. Seine Spieler lagen sich in den Armen, hüpften auf dem Kieler Parkett und feierten den sensationellen Sieg gegen den THW. Der MT-Trainer hingegen versuchte gegenüber dem Sender Sport 1 das in Worte zu fassen, was sich soeben ereignet hatte. „Ich glaube, ich werde erst morgen richtig wissen, dass wir heute einen historischen Sieg gelandet haben“, sagte Roth am Sonntagabend. Er sei „überstolz“ auf seine Mannschaft, meinte er.

Taktisch hätten seine Schützlinge alles perfekt umgesetzt, seien über ihre Grenzen hinaus gegangen und hätten eine überragende Leistung geboten, bilanzierte Roth. Hinten felsenfest, und vorn immer gefährlich. „Wir haben das geschafft, was in den letzten Jahren nicht vielen gelungen ist: Wir haben Kiel zu unsicherem Spiel gezwungen.“ Ganz nebenbei sei dieser Erfolg auch Werbung für den Verein. „Wir wollen nach oben. Uns kontinuierlich weiterentwickeln. Das war heute ein Meilenstein.“ (lip)

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