Handball

Silvio Heinevetter im Interview: „Ich bin ja nicht aus der Welt“

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Hier noch im Berliner Dress, bald für Melsungen zwischen den Pfosten: Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter. Foto: Andreas Fischer

Er gehört zu den bekanntesten Handballern Deutschlands. Nach elf Jahren verlässt Nationaltorwart Silvio Heinevetter nundie Füchse Berlin und schließt sich der MT Melsungen an

Wegen der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Saisonabbruch können ihn die Berliner nicht im üblichen Rahmen verabschieden. Wir haben mit dem 35-jährigen Heinevetter nicht nur über seinen Wechsel, sondern auch über Union Berlin und seine Erfahrungen mit isländischen Handball-Trainern gesprochen.

Herr Heinevetter, wie groß ist die Anspannung vor Sonntagabend?

Was liegt denn da an?

Union Berlin gegen Bayern München.

Ach so. Wegen Corona gibt es das Spiel leider nicht im Stadion. Aber ich werde natürlich auf der Couch mitfiebern. Da wird es nach dem Neustart die erste Überraschung geben.

Wie ist die Leidenschaft für die Eisernen entstanden?

Ich lebe ja nun schon einige Jahre in Berlin. Schon zu Zweitliga-Zeiten war ich regelmäßig bei den Spielen an der Alten Försterei dabei – mit dem Höhepunkt des Aufstiegs 2019. Dabei bin ich selten im Vip-Bereich, sondern lieber mittendrin im Fanblock.

Mehrere Füchse-Spieler drücken Union die Daumen.

Die sind zum Großteil durch mich dazugekommen, weil ich immer mal ein paar Karten übrig hatte. Einige Jungs konnten damit zunächst eigentlich nicht viel anfangen. Aber so ein Typ wie Bjarki Mar Elisson, der mittlerweile nach Lemgo gewechselt ist, liebt es einfach, 90 Minuten mit zehntausend Menschen zu singen.

Wie viel Berliner steckt in Silvio Heinevetter?

Schon eine Menge. Berlin ist für mich zur zweiten Heimat geworden. Viele meiner Freunde leben in dieser Stadt.

Durch die Corona-Pandemie können Sie bei den Füchsen nicht den Abschied bekommen, den Sie verdienen. Inwiefern schmerzt dieser leise Abgang?

Das ist schade, aber in der aktuellen Situation auch nicht entscheidend.

Dabei genießen Sie große Sympathien bei den Berliner Handball-Fans.

Das stimmt. Aber ich bin ja nicht aus der Welt. In der nächsten Saison wird die Situation ja hoffentlich so sein, dass ich mit Melsungen in Berlin gastiere. Und nicht die Verabschiedung, sondern der Weg ist immer das Ziel. Außerdem bin ich nicht der Typ für große Worte. Von daher passt das jetzt auch so. In diesen Zeiten sind die Menschen erst mal froh, wenn sie überhaupt wieder ihren Sport normal ausüben können.

Was war der handballerische Höhepunkt während Ihrer Zeit bei den Füchsen?

Ich schwelge nicht in Erinnerungen. Ich bin immer fokussiert auf das nächste Spiel, das nächste Training. Aktuell ist es eben das nächste Individualtraining.

Inwieweit beschäftigen Sie sich schon mit Kassel und ihrem zukünftigen Arbeitgeber MT Melsungen?

Jetzt, Anfang/Mitte Mai, wären diese Themen eigentlich noch ganz weit weg. Doch nun sind sie mir näher – beispielsweise durch Telefonkonferenzen. Ich stehe ja durch die Nationalmannschaft in engem Austausch zu einigen Melsungern, und die meisten MT-Spieler kenne ich aus meiner langen Zeit in der Bundesliga eh schon gut. Ich lasse mich nun nicht stressen. Der Umzug nach Kassel kommt zeitnah.

Normalerweise würde jetzt die Vorbereitung auf das Final Four im EHF-Cup in Berlin beginnen. Wie sehr freut es Sie, dass Sie schon im ersten Jahr mit der MT beim Final Four im DHB-Pokal dabei sein werden?

Das ist für mich eine komische Konstellation, weil ich ja mit Berlin in Kassel ausgeschieden bin und mir dort auch noch eine Verletzung zugezogen habe, die mich danach einige Zeit aus der Bahn geworfen hat. Insgesamt freue ich mich natürlich auf Hamburg. Erst einmal müssen wir aber froh sein, wenn es dann normal mit Publikum stattfinden kann.

Als Sie in Melsungen unterschrieben haben, hieß der Trainer noch Heiko Grimm. Jetzt müssen Sie mit Gudmundur Gudmundsson zusammenarbeiten. Welche Erfahrungen haben Sie mit isländischen Trainern gemacht?

Gudmi wird nach Alfred Gislason, Dagur Sigurdsson und Erlingur Richardsson jetzt bereits mein vierter isländischer Trainer. Mit den Isländern kann man gut auskommen. Sie besitzen die Mentalität, immer offen und ehrlich zu sein.

Sie haben in der Corona-Krise eine ganz gute Figur bei der Challenge von Real Madrids Toni Kroos gemacht. Unter Gudmundsson war Fußball zum Warmmachen bei der MT bisher noch keine Option.

So wie ich gehört habe, gab es ja aus Zeitmangel keine Möglichkeit, sich mit Fußball aufzuwärmen. Für mich gibt es zum Start einer Trainingseinheit nichts Effektiveres als ein Fußballspielchen. ZUR PERSON Silvio Heinevetter (35) kommt gebürtig aus Bad Langensalza in Thüringen. Dort begann auch seine handballerische Laufbahn. Bei Concordia Delitzsch schaffte Heinevetter den Sprung in den Profibereich. Während seiner Zeit beim SC Magdeburg wurde er Nationalspieler. 2009 ging es weiter zu den Füchsen Berlin, mit denen er unter anderem deutscher Pokalsieger, Europacupsieger und Klub-Weltmeister wurde. Mit der DHB-Auswahl gewann er 2006 Olympia-Bronze. Heinevetter ist mit der Schauspielerin Simone Thomalla liiert.

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