Im Spezialtaxi zum Training

So erleben die Handballspieler Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter die Tage in Tokio

Abfahrt zum Training: die Melsunger Tobias Reichmann (links) und Silvio Heinevetter.
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Abfahrt zum Training: die Melsunger Tobias Reichmann (links) und Silvio Heinevetter.

Vor dem vierten Gruppenspiel der deutschen Handballer bei den Olympischen Spielen in Tokio blicken wir auf die beiden Melsunger Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter und ihre ersten Tage fernab des Olympischen Dorfes.

Kassel – Gestern, etwa 20 Uhr Ortszeit, ging es für die beiden Handball-Nationalspieler Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter wieder los. Die beiden Profis vom Bundesligisten MT Melsungen wurden am Hotel in Tokio von einem speziellen Taxiservice abgeholt. Das Ziel: die Übungshalle – also der Ort für das Abschlusstraining zum eminent wichtigen Gruppenspiel heute ab 14.30 Uhr (ZDF und Eurosport) gegen Norwegen.

Weil das Melsunger Duo im Gegensatz zu den Vereinskameraden Kai Häfner, Finn Lemke, Timo Kastening und Julius Kühn (noch) nicht von Bundestrainer Alfred Gislason in das 14-köpfige Olympia-Team berufen wurde, wohnen Rechtsaußen Reichmann und Torwart Heinevetter nicht im Olympischen Dorf. Sie sind etwa zwei Kilometer entfernt in einem riesigen Hotelgebäude in einem Doppelzimmer untergebracht – und Kontakt zu den Nationalmannschaftskollegen haben sie lediglich beim Training und bei den Spielen.

„Wir versuchen erst mal, in den Übungseinheiten unsere Leistung zu bringen. Das gelingt uns bisher recht gut“, sagt Heinevetter. Ansonsten haben es die beiden MT-Akteure schwer, die Mannschaft zu unterstützen. „Nach einem Spiel gibt es ein paar Gespräche. Da kannst du einige Tipps geben“, ergänzt der 36-Jährige, „für alles Weitere sind wir aber nicht nah genug dran.“

Nach der bitteren 29:30-Niederlage gegen Frankreich am Mittwoch munterte Reichmann die Kollegen bei Instagram auf. Zu einem Foto aus der Olympia-Halle mit dem Endergebnis schrieb er: „Mund abwischen – weiter geht’s. Aufgeben ist keine Option.“ Mit einem Erfolg gegen die Norweger wären die Chancen auf eine gute Ausgangsposition für das angepeilte Viertelfinale mit einem Schlag besser.

„Ich erwarte ein offenes Spiel. Wir müssen einfach aus unseren Fehlern mehr lernen“, betont Heinevetter, „wir brauchen mehr Hilfe in der Breite, also auch von der Bank. Denn dann sind wir nicht chancenlos. Und wir können uns gut einreihen hinter den Spaniern und Franzosen.“

Allerdings weiß der erfahrene Schlussmann auch, wie gefährlich der kommende Gegner ist: „Die Norweger haben eine mega eingespielte Truppe. Sie haben mehrere Topspieler, die brutal aufs Tempo drücken – und das mit einer Selbstverständlichkeit. Vornweg marschiert natürlich der Kieler Sander Sagosen.“

Heinevetter und Reichmann werden voraussichtlich heute erneut aus dem Zuschauerraum des Yoyogi-Stadiums ihrer Mannschaft die Daumen drücken. Nur falls sich ein Spieler verletzen sollte, könnte schon für einen von beiden die Stunde schlagen. Gislason darf einmal während der Gruppenphase und dann auch nach jeder weiteren Runde einen Wechsel vornehmen. Das letzte Gruppenspiel findet am Sonntag ab 12.30 Uhr deutscher Zeit (ZDF und Eurosport) gegen Brasilien statt.

Bis auf Handball haben Reichmann und Heinevetter wegen der strengen Hygieneregeln bislang in Tokio nichts live erleben dürfen. „Wir schauen viel, entweder im Fernsehen oder im Internet“, sagt der Torwart, „und da ist alles dabei – von Hockey über Tennis und Tischtennis bis hin zu Schwimmen, Basketball und 3x3-Basketball.“

Das Hotel dürfen die beiden Melsunger ja nur verlassen, wenn sie zum Training oder zum Spiel müssen – in einem Spezialtaxi. (Björn Mahr)

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