Interview mit Bob Hanning vor dem Spiel Melsungen und Berlin

Füchse-Manager vor Final Four: „Ein Spiel auf Augenhöhe“

Hat Respekt vor Halbfinalgegner Melsungen: Füchse-Manager Bob Hanning geht von einem ausgeglichenen Spiel aus. Foto: dpa

Berlin. Die Füchse meinen es ernst mit ihrer Jugendförderung, verdammt ernst. So ernst, dass Andreas Rudolph, Präsident des HSV Hamburg, gar nicht darüber lachen konnte, als die Berliner im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga zeitweise mit vier Nachwuchsspielern auftraten.

Und gar von einer „Unsportlichkeit“ sprach - eine Kritik, die in der anschließenden öffentlichen Diskussion in eine Werbung für den Berliner Weg mündete. Hauptverantwortlicher für diese „Unsportlichkeit“ ist Bob Hanning, Manager der Berliner Füchse, die im Halbfinale des Final Four auf die MT Melsungen treffen. Wohl auch mit einigen erfahrenen Spielern, wie der 45-Jährige im HNA-Interview bestätigt.

Hier gibt es alle Infos zum Final Four Pokal-Halbfinale 2018 in Hamburg.

Herr Hanning, haben sich die Wogen, die die Klagen von HSV-Clubchef Rudolph ausgelöst haben, mittlerweile geglättet?

Bob Hanning: Bei uns gab‘s keine Wogen. Wir setzen auf die eigene Nachwuchsförderung und gehen damit andere Wege als der HSV. Das ist natürlich sein Recht, doch ich erwarte schon den nötigen Respekt vor unserer Philosophie, hinter der harte Arbeit steckt.

Eigentlich müssten Sie Andreas Rudolph ja dankbar sein, denn Ihr Weg war auf einmal in aller Munde und wurde durchweg positiv gewürdigt.

Hanning: Jeder kennt unsere Philosophie. Die zu verbreiten, dazu brauchen wir den HSV nicht. Trotzdem habe sich selten so viele Reaktionen bekommen und alle waren für uns ermutigend.

So konsequent wie die Füchse setzt keiner auf den eigenen Nachwuchs, doch dafür gibt‘s keine Titel. Wie bekommen Sie den Spagat zwischen notwendigen Erfolg und dem Vertrauen in den eigenen Nachwuchs hin?

Hanning: Stimmt nicht, wir haben mit unserer Jugend schon vier Deutsche Meistertitel geholt und streben den fünften an. Natürlich wird das in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen, von uns selbst aber sehr hoch bewertet. Beim Spagat zwischen Erfolg und Nachwuchsförderung kommt‘s auf die Mischung von jungen und erfahrenen Spielern an. Daher werden wir auch weiter auf Typen wie Silvio Heinevetter, Iker Romero oder Bartlomiej Jaszka bauen. Allein mit eigenen Leuten funktioniert‘s nicht.

Hand auf‘s Herz: Als Ihrer Mannschaft nach der Europameisterschaft fast der gesamte Rückraum mit Horak, Christophersen und Jaszka verletzungsbedingt wegbrach, war nicht die Versuchung groß, per Blitztransfer eines erfahrenen Strategen Abhilfe zu schaffen?

Hanning: Wir haben das intensiv diskutiert, zumal ja in dieser Zeit auch noch Paul Drux ausgefallen war. Wenn wir eine Lösung gefunden hätten, die uns nachhaltig weiter geholfen hätte, hätten wir etwas unternommen. Doch die war nicht auf dem Markt.

Im Halbfinale des Final-Four gegen Melsungen ist aber auch mit den gestandenen Spielern wieder zu rechnen, oder?

Hanning: Ich hoffe, dass in Hamburg bis auf Sven-Sören Christophersen alle dabei sind.

In Melsungen wurde das Los Berlin mit Zufriedenheit aufgenommen. Gilt das umgekehrt auch für Berlin?

Hanning: Wenn wir ehrlich sind, war das ein Traumlos für beide. Jeder hat die Chance zu gewinnen, so dass auf jeden Fall ein Außenseiter ins Finale kommt. Gegen Flensburg-Handewitt oder die Rhein-Neckar Löwen wären sowohl die Melsunger wie auch unsere Aussichten schlechter gewesen.

Und wer ist Ihr Favorit im Halbfinale der Außenseiter?

Hanning: Es gibt keinen. Das ist ein Spiel auf Augenhöhe. Wie in der Meisterschaft, wo ja jeder eine Partie gewonnen hat. Wir sind das erste Mal in Hamburg dabei, während die Melsunger die Atmosphäre schon kennen, was ein kleiner Vorteil für sie ist.

Die Füchse sind nach dem Wiederaufstieg 2007 in der Tat zum ersten Mal beim Final Four dabei. Was bedeutet das für Sie und den Verein?

Hanning: Wir sind stolz, in dieser Saison gleich in zwei so wichtigen Final-Turnieren zu stehen. Das bestätigt uns in unserer Arbeit, die vor zehn Jahren begonnen hat. Mit einem möglichen Titel, den ersten der Clubgeschichte, würde für uns ein Traum in Erfüllung gehen. Die Sehnsucht danach ist riesengroß.

Wo sind Ihre Chancen größer, beim Final Four in Hamburg oder beim Final-Turnier um den EHF-Cup am 17./18. Mai vor eigenem Publikum?

Hanning: Vor eigenem Publikum sind die Möglichkeiten größer, weil wir da von den eigenen Fans getragen werden. Und die bisherige Resonanz lässt auf eine ausverkaufte Halle hoffen. Allerdings müssen wir gegen Weltklasse-Teams wie Montpellier oder Szeged schon alles abrufen, um bestehen zu können.

Von Ralf Ohm

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