Die Melsunger Handballer im Check

MT-Trainer Roth nach Niederlage gegen Kiel: "In uns steckt ein Virus"

Sorgte für Schwung: Timm Schneider. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Nichts war es mit der Überraschung – obwohl sich die MT Melsungen gegen den THW Kielenorm steigerte und die zweite Hälfte 13:12 für sich entschied.

Das Problem: Nach einem miserablen Auftritt in den ersten 30 Minuten lag der heimische Handball-Bundesligist bereits 10:18 zurück. „Bei uns steckt irgendwie ein Virus drin“, sagte MT-Trainer Michael Roth am Mittwochabend nach dem 23:30 gegen den Rekordmeister.

Vor 4300 Zuschauern in der ausverkauften Rothenbach-Halle machte der Favorit aus dem Norden ab der sechsten Minute mächtig Dampf und sorgte innerhalb von 20 Minuten für klare Verhältnisse. „Kiel war in der ersten Halbzeit zu stark für uns“, musste Roth eingestehen. Sein Gegenüber lieferte die Erklärung: „Das war unsere beste Angriffsleistung der Saison“, sagte Kiels Trainer Alfred Gislason. Von daher gilt Regel eins: Gegen Kiel kann man verlieren. Dennoch wurde den MT-Fans im ersten Durchgang schmerzhaft vor Augen geführt, worunter die Mannschaft aktuell leidet. Immerhin machte die zweite Hälfte ein wenig Mut.

Was negativ auffiel

• Der Rückraum: Mit Blick auf den Rückraum sprach Roth von einem Klassenunterschied. Auf Kieler Seite trafen die 20-jährigen Nykola Bilyk und Lukas Nilsson fast nach Belieben. Und bei der MT? Nichts. Wenn mal ein Ball auf den Kieler Kasten kam, war Andreas Wolff zur Stelle.

• Die Ideenlosigkeit: Abgesehen von der fehlenden Wurfgewalt mangelte es an zündenden Ideen. Roth probierte es erst mit Nenad Vuckovic, dann mit Patrik Fahlgren als Spielmacher – „aber beide haben unser Spiel nicht gut gelenkt“, kritisierte der MT-Trainer. Und weil zudem Kapitän Michael Müller keinen guten Tag erwischte, lag die Kreativabteilung brach. Bei den Kielern hingegen lief der Ball flüssig durch die eigenen Reihen. THW-Manager Thorsten Storm sagte: „Das war ein geiler Auftritt von uns.“

• Die Leistungsträger: Das alles mündet in einer bitteren Erkenntnis, die Roth so ausdrückt: „Unsere Leistungsträger kommen nicht aus dem Quark.“ Ob die Kreisläufer Felix Danner und Marino Maric, Linksaußen Michael Allendorf, Michael Müller oder Fahlgren – sie seien derzeit nur Mittelmaß: „Das meine ich mit dem Virus“, sagt Roth, „sie sind irgendwie gehemmt, keiner spielt sich frei.“

Was positiv auffiel

• Die Moral: Immerhin stemmte sich die MT nach der Pause gegen das drohende Debakel. Das habe ihm gut gefallen, sagte Roth: „So haben wir das Spiel noch etwas interessanter gestalten können.“ Der THW schaltete einen Gang zurück. Aber immer wenn die MT die Chance hatte, näher heranzukommen, zeigte der eingewechselte Niklas Landin im Kieler Tor seine Klasse.

• Die Lichtblicke: Was Vuckovic und Fahlgren nicht geschafft hatten, gelang Timm Schneider: Er brachte Schwung ins MT-Spiel. „Zuletzt habe ich im Angriff nichts auf die Reihe gekriegt. Heute war das ein Schritt nach vorn“, sagte der Spielmacher. Von allen MT-Akteuren stach einer heraus: Dener Jaanimaa. Der Este wirkte gegen seinen Ex-Klub wie aufgekratzt. Er habe gebrannt, verriet Jaanimaa. Mit sieben Toren gab er eine Empfehlung ab, demnächst früher zum Einsatz zu kommen. „Es war ein guter Tag für mich. Am Ende zählt das aber nicht“, sagte der 27-Jährige.

Ein Sonderlob erhielt zudem Johannes Golla. Der 19-Jährige zeigte die Frische und den Biss, „den ich bei den Leistungsträgern derzeit vermisse“, sagte Roth. Womöglich erhält der Youngster in Zukunft auch mehr Einsatzzeit.

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