Von einem guten Jungen und Ritualen

Stefan Salger blickt auf die Zeit bei der MT Melsungen zurück – Viel Lob von Kai Häfner

Verlässt die MT: Stefan Salger (rechts, hier gegen Hannovers Hannes Feise).
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Verlässt die MT: Stefan Salger (rechts, hier gegen Hannovers Hannes Feise).

Stefan Salger wechselt vorzeitig vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen zu den Eulen Ludwigshafen. Eine Abschiedsgeschichte.

Kassel – Es war so etwas wie ein festes Ritual. Eine halbe Stunde bevor das eigentliche Training beim Bundesligisten MT Melsungen begann, nahmen Stefan Salger und seine Handball-Kollegen Felix Danner, Finn Lemke, Ole Pregler und Silvio Heinevetter das Spielfeld in Beschlag und warfen ein paar Körbe. Und nach der anschließenden Übungseinheit machten sich die MT-Profis nicht sofort auf den Heimweg.

Sie saßen noch in der Kabine zusammen. „Der Zusammenhalt ist großartig. Wirklich jeder kann mit jedem“, sagt Salger. Im Rückblick, denn nun steht sein vorzeitiger Abgang fest. Er wechselt – wie bereits berichtet – zurück zu den Eulen Ludwigshafen. Sein bis zum Sommer 2022 laufender Vertrag bei den Melsungern wurde aufgelöst.

Bereits vor dem letzten Heimspiel am 23. Juni gegen die Füchse Berlin wusste der 24-Jährige, dass kurz darauf seine Zeit in Nordhessen enden würde. Doch weil die Eulen zu diesem Zeitpunkt mitten im Abstiegskampf steckten, wurde der Wechsel noch nicht kommuniziert. Damit entging ihm die obligatorische Abschiedszeremonie. Doch der 2,07-m-Hüne sieht es gelassen: „Ich konnte die Eulen in dieser Situation gut verstehen. Und: Wichtiger war es auch, dass Felix Danner und Lasse Mikkelsen in der Rothenbach-Halle den Abschied bekommen haben, den sie verdient haben.“

Dabei war auf Salger immer Verlass. Auch wenn er kaum unter Ex-Trainer Heiko Grimm und noch weniger unter dem aktuellen Coach Gudmundur Gudmundsson Bewährungschancen bekam. Der Halbrechte sagt: „Ich habe mich behaupten können und einen guten Job gemacht. Das hat man vor allem gesehen, als Kai im Frühling drei Spiele ausfiel.“ Im März übernahm Salger anstelle des verletzten Kai Häfner sofort Verantwortung und erzielte wichtige Tore.

Nationalspieler Häfner genoss die Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Allgäuer: „Für Stefan war es nicht einfach. Dennoch war er immer loyal, sein Auftreten vorbildlich. Dafür gebührt ihm mein voller Dank.“ Natürlich drückt er ihm für seine Rückkehr nach Ludwigshafen kräftig die Daumen: „Stefan ist ein guter Junge. Ich hoffe, dass er seine durchaus vorhandenen Qualitäten dann wieder zeigen kann.“

Melsunger Profi: Kai Häfner.

Salger kann anders als vor seinem ersten Engagement bei den Kurpfälzern nun Erfahrungen im Europapokal vorweisen. Zum Auftakt der Gruppenphase in der Saison 2019/20 steuerte er beispielsweise vier Tore zum 26:21-Heimerfolg gegen den polnischen Vertreter Gwardia Oppeln bei. „So etwas bleibt in Erinnerung“, erklärt der Rückraumakteur. Er drehte auch mächtig auf beim 30:17-Kantersieg im November 2019 gegen Göppingen. Da gelangen ihm fünf Treffer.

Bestens im Gedächtnis geblieben ist ihm zudem der 31:25-Sieg in jenem Herbst gegen den damaligen Spitzenreiter TSV Hannover-Burgdorf: „Da kam ich rein, erzielte gleich zwei Tore und musste dann wieder runter, weil ich unglücklich auf den Rücken geknallt war.“

Neben der Torejagd bei den Eulen möchte Salger in Ludwigshafen auch beruflich vorankommen. Der ausgebildete Physiotherapeut plant ein Studium – allerdings in einem anderen Bereich.

Was sich nicht ändern wird: Er wird auch weiterhin nach dem Aufwärmen vor einem Spiel seines Teams für einige Augenblicke allein auf dem Feld sein und den Ball flach ins lange Eck werfen. Das macht er schon seit seiner Zeit bei der SG Leutershausen so, um „voll fokussiert“ zu sein. Auf ein lieb gewonnenes Ritual vor dem Training muss er künftig aber verzichten. (Björn Mahr)

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