Abschied von Timm Schneider

Scheidender MT-Profi Schneider freut sich auf neue Aufgabe 

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So kennen ihn die MT-Fans: Timm Schneider, hier Ende August 2019, gibt neben und auf der Platte immer alles. 

Er ist einer von vier Abgängen bei der MT Melsungen: Timm Schneider. Von den Teamkollegen bekam er einen Fleischgutschein zum Abschied.

Der Umzug ist geschafft. Sogar die Terrasse hat er mithilfe seines Vaters schon neu hergerichtet. Wo? In Gummersbach. Dort, wo Timm Schneider zukünftig für den VfL in der 2. Handball-Bundesliga auflaufen wird. Mit Ehefrau Mona, Sohn Pepe und den zwei Hunden hat der scheidende Profi der MT Melsungen ein schönes Häuschen gefunden, nur wenige Minuten von der Schwalbe-Arena entfernt, der Heimstätte des Altmeisters. „Ich kann nicht klagen. Es passt alles“, sagt Schneider.

Perfekte Lage. Grün und hügelig, „ein bisschen wie zu Hause“, rutscht es ihm heraus. Mit zu Hause meint er nämlich Kassel. Während der fünf Jahre bei der MT ist der bullige Handballer in Nordhessen heimisch geworden. So lange sei er noch nie bei einem Verein gewesen. „Wir haben uns rundum wohlgefühlt. Außerdem ist unser Sohn vor einem Jahr in Kassel geboren. Das werde ich natürlich nicht vergessen.“

Dass Schneider mit seinen fast 32 Jahren nun ein Haus gekauft hat, klingt fast so, als wolle er sesshaft werden. Doch der gelernte Mittelmann, der für die MT vor allem als Allrounder nützlich war, winkt ab. Sie hätten erst nach einer Wohnung gesucht. Aber der Markt erwies sich als äußerst schwierig. „Und bevor ich so eine Horrormiete wie in Kassel zahle, investiere ich lieber ins Eigenheim.“ Beim Umzug halfen die Teamkollegen Michael Allendorf, Tobias Reichmann und Stefan Salger mit. Von der Mannschaft gab es zudem ein Abschiedsgeschenk: ein Gutschein über 150 Euro von Yourbeef, einem Onlineversand für Gourmetfleisch. „Besser hätten sie es nicht treffen können.“

Gerade vor diesem Hintergrund findet es Schneider sehr schade, dass der Abschied so still und leise abläuft. Ein letztes Spiel in der Rothenbach-Halle, der Abpfiff, die Fans – „die Emotionalität wurde uns komplett genommen“, sagt er mit Blick auf Johan Sjöstrand, Roman Sidorowicz und Dimitri Ignatow, die ebenfalls den Verein verlassen. Und überhaupt fehle ein anständiger Abschied von der Mannschaft. Zumal es wegen der Corona-Pandemie zuletzt wenig privaten Kontakt gab – mal abgesehen von dem zu den Umzugshelfern.

Schneider hofft, dass ihn die Fans so in Erinnerung behalten, „wie ich halt bin“. Ein ehrlicher Typ, der sich nie verstellt, ein Profi, der auf und neben der Platte kämpft bis zum Ende und einer, der versucht, alle zu unterstützen, in oder außerhalb der Handball-Halle. Da muss er sich keine Sorgen machen. Zu Schneiders typischen Eigenschaften zählt nämlich, dass er Fans wie Mannschaft mitreißen kann. Eine weitere positive Eigenschaft stellt er selbst fest: „Ein Schönwetter-Spieler war ich nie.“

Richtig schön lief es für ihn in den ersten beiden Spielzeiten bei der MT. Er habe sich einen Traum erfüllt und auf europäischer Bühne gespielt. „Die ersten beiden Jahre waren top.“ Das änderte sich. Schneider fühlte sich zuletzt wie auf einem Abstellgleis. Der Verein habe sich verändert. Anfangs sei es familiärer gewesen. Trainer Michael Roth habe es vorgelebt. „Dann ging es immer mehr um den Job. Man hatte zu liefern“, erklärt Schneider. Und damit sei bei ihm die Lockerheit abhandengekommen. Er habe kein Vertrauen gespürt, „und dann verlierst du schnell den Spaß“.

Umso mehr freut er sich auf die neue Station. Schneider spricht davon, endlich wieder eine richtige Aufgabe zu haben. Vorneweg zu gehen. Und falls er demnächst zum ersten Mal den Grill auf seiner neuen Terrasse im Oberbergischen Land anschmeißt, weiß er schon, woher er das Fleisch bekommt.

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