Instagram-Posts sorgten für Ärger

"Werde mich für nichts entschuldigen" - MT-Spieler Reichmann über die Handball-WM

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Bereit für die nächsten Aufgaben: Melsungens Rechtsaußen Tobias Reichmann.

Obwohl Tobias Reichmann vor der Heim-Weltmeisterschaft von Bundestrainer Christian Prokop aussortiert wurde, war der MT-Rechtsaußen oft bundesweit in den Nachrichten. Wir haben mit ihm gesprochen.

Die WM vorbei, die Restrunden-Vorbereitung abgeschlossen – für die Handballer der MT Melsungen geht es in der Bundesliga am Sonntag ab 16 Uhr (Sky) mit dem Auswärtsspiel gegen den SC Magdeburg weiter.

Obwohl Tobias Reichmann vor der Heim-Weltmeisterschaft von Bundestrainer Christian Prokop aussortiert wurde, war der MT-Rechtsaußen oft bundesweit in den Nachrichten – vor allem wegen diverser Einträge im sozialen Netzwerk Instagram. "Ich bin dann mal weg", hatte er unter ein Bild geschrieben, als er mit seiner Familie nach Orlando/Florida gereist war.

Wir haben mit dem 30-Jährigen über seine Eindrücke aus den vergangenen Wochen, aber auch über die anstehenden Aufgaben mit der MT gesprochen.

Wie oft haben Sie schon eine Vorstellung des Komikers Kurt Krömer in Berlin besucht?

Tobias Reichmann: Leider noch nie. Ich hatte gehofft, dass ich ihn mal während der WM treffe. Aber daraus wurde ja nichts. Ich maße mir nicht an zu sagen, mit ihm auf einer Wellenlänge zu sein. Aber ich mag seinen Humor. Wir nehmen uns beide nicht so ernst.

Sie stehen ja bei Instagram durchaus in Kontakt. Er hat Sie während der Weltmeisterschaft sogar im Kostüm des WM-Maskottchens Stan vermutet.

Wir nehmen uns gegenseitig auf den Arm. Der Kontakt über die sozialen Netzwerke entstand während eines Lehrgangs der deutschen Nationalmannschaft. Da haben wir während eines gemeinsamen Kaffeetrinkens gepostet, und auf einmal hat Kurt Krömer darauf reagiert.

Für die Weltmeisterschaft waren Sie überraschend nicht berücksichtigt worden. Wie blicken Sie mit etwas Abstand zurück?

Mit gemischten Gefühlen. Ich wäre sehr gern dabei gewesen. Doch der Bundestrainer hat sich anders entschieden. Und ich habe eben den Entschluss gefasst, mit meiner Familie wegzufliegen. Ich denke, dass sich beide Seiten genauso wieder entscheiden würden. Ich habe dennoch vom ersten WM-Tag an mit den Jungs gefiebert, war mit dem Kopf immer bei dem Team und in keinster Weise eingeschnappt. Ich stand auch ständig in Kontakt mit einigen Spielern.

Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Posts so oft in den Nachrichten auftauchen würden?

Es war keine Provokation. Ich wollte auch niemanden persönlich angreifen. Es war einfach ein lustiges Motiv – und wer mich kennt, der weiß, dass ich schon mal ein bisschen Blödsinn mache. Dass die Medien darauf so anspringen würden, das habe ich nicht für möglich gehalten.

Wann sehen die Fans Sie wieder im Nationaltrikot?

Das entscheidet ganz allein der Bundestrainer. Ich bin offen für alles – ich spiele sehr gern für mein Land. Wenn ich während der WM gebraucht worden wäre, hätte ich mich sofort auf den Weg gemacht – egal, aus welchem Land. Ich werde mich für nichts entschuldigen, weil ich die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes über meine Reise informiert habe. Das Einzige, was ich mir selbst ankreide: Ich habe nicht persönlich mit dem Bundestrainer gesprochen.

Kommen wir zur Bundesliga. Was ist von der Melsunger Mannschaft am Sonntag in Magdeburg zu erwarten?

Ich bin sehr gespannt, wie wir uns präsentieren. Zuletzt gab es ja auch Gerüchte zu einigen Spielern. Wir haben nach wie vor ein paar personelle Probleme, die Magdeburger hatten aber mehrere WM-Teilnehmer, von denen der eine oder andere etwas leer im Kopf sein dürfte. Deswegen wird es interessant zu sehen sein, wer den Schalter umlegt und voll fokussiert auftritt.

Wieso ist es in Magdeburg so schwer zu gewinnen?

Jeder weiß: Die Magdeburger sind sehr heim- und konterstark. Zudem werden sie 100-prozentig von ihren Fans unterstützt. Nur mit einem guten Rückzugsverhalten kann man beim SCM bestehen.

Sie waren als Jungprofi selbst beim SC Magdeburg in der Reserve tätig. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

Ich konnte mich dort gut weiterentwickeln und blicke gern zurück. Mit einigen Freunden aus dieser Zeit habe ich noch Kontakt. Am Ende hatte ich etwas Pech mit einem Kreuzbandriss – gerade als ich auf dem Sprung ins Erstliga-Team war.

Mit welchen Hoffnungen starten Sie und ihr Team in die Restrunde?

Wichtig wird sein, dass wir nicht so verkrampft auftreten wie teilweise zu Serienbeginn. Wir brauchen einen guten Rhythmus, eine gute Stimmung. Wir wollen als funktionierende Einheit auftreten.

Zur Person: Tobias Reichmann kam im Sommer 2017 vom polnischen Spitzenklub Kielce zur MT Melsungen. Das Handball-Einmaleins erlernte der gebürtige Berliner in der Jugend beim LHC Cottbus. Anschließend trug er das Trikot des SC Magdeburg II. Erste große Erfolge in der Bundesliga feierte der Rechtsaußen beim THW Kiel und der HSG Wetzlar. 79-mal lief der 30-Jährige bislang für die deutsche Nationalmannschaft auf und wurde unter anderem 2016 Europameister. Vor der WM 2019 wurde er überraschend aus dem Kader gestrichen. Reichmann lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kassel.

Ein Porträt des gebürtigen Berliners Reichmann lesen Sie hier.

MT Melsungen gegen Magdeburg - vor dem Spiel:

Zum Saisonstart Ende August mussten die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen in eigener Halle gegen den SC Magdeburg antreten – und verloren in der Kasseler Rothenbach-Halle verdient 23:28. Nun findet am Sonntag ab 16 Uhr in der Getec-Arena das Rückspiel statt.

„Diesmal stehen die Magdeburger unter deutlich mehr Druck, wir wollen diesen Vorteil nutzen“, sagt Melsungens Trainer Heiko Grimm, „die Stimmung in unserem Team ist gut.“ Zwar müssen die Nordhessen nach wie vor ohne die verletzten Julius Kühn, Domagoj Pavlovic, Marino Maric und Michael Allendorf auskommen, im Rückraum hat Grimm aber mehr Optionen als noch im Dezember. Denn auch Timm Schneider ist wieder fit.

Die Gastgeber haben voraussichtlich alle Mann an Bord. Der erfahrene slowenische Spielmacher Marko Bezjak, der sich vor zwei Monaten eine Sehnenverletzung unter dem rechten Fuß zugezogen hatte, brennt auf einen Einsatz gegen die Melsunger. Zumal es um wichtige Punkte im Kampf um die Europapokal-Plätze geht.

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