Melsunger Torwart stellte gegen Kiel seine Landsleute in den Schatten

Hatten sich nach dem Spiel ganz besonders lieb: Melsungens Torwart Mikael Appelgren (links) nimmt die Glückwünsche von Spielmacher Patrik Fahlgren entgegen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ein Schwede kann mit Karneval so gar nichts anfangen. „Erst seit ich in Deutschland spiele, weiß ich ein bisschen, was das bedeutet“, sagt Bundesliga-Torwart Mikael Appelgren von der MT Melsungen.

Dass er am Wochenende Gefallen an „den tollen Tagen“ gefunden hat, hat allerdings rein gar nichts mit Kostümen, Luftschlangen und Kamelle zu tun, sondern mit der zweiten Handball-Party innerhalb von 72 Stunden: Nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale in Hamburg gelang der MT mit dem 30:29 in der höchsten Spielklasse gegen den Deutschen Meister THW Kiel ein echter Paukenschlag – und Appelgren war in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle der Mann des Abends.

Glanztat hier, Parade da – der Hüne mit den zotteligen Haaren entwickelte sich zum Schreckgespenst der Kieler Angreifer. Insgesamt 20 Bälle wehrte er ab. „Ich will immer besser sein als die anderen Schlussleute“, erklärte „Apfel“, „aber gegen Kiel hat es natürlich noch ein bisschen mehr Spaß gemacht.“ Was zum einen mit dem Status des THW in der Liga zusammen hängt, zum anderen mit der Tatsache, dass bei den Gislason-Schützlingen die beiden Mitstreiter aus der schwedischen Nationalmannschaft zwischen den Pfosten stehen. Diesmal stellte der Melsunger sowohl Johan Sjöstrand als auch Andreas Palicka klar in den Schatten.

Deren Glückwünsche hatte sich der 24-jährige Appelgren allein mit den prächtigen Reflexen gegen Filip Jicha verdient. Der Kieler Superstar brachte selbst bei dem einen oder anderen Tempogegenstoß das Spielgerät nicht am Tausendsassa vorbei. „Wir sind an einem sehr starken Appelgren gescheitert“, musste THW-Trainer Alfred Gislason einräumen. Seine wichtigsten Szenen hatte der Hochgelobte in der 59. und 60. Minute, als er gegen Marko Vujin beziehungsweise Niclas Ekberg klärte und damit sein Team auf die Siegerstraße brachte. Unmittelbar vor Ende warf Ekberg zwar noch einen Treffer, aber der hatte nur noch statistischen Wert.

Appelgren hatte zu diesem Zeitpunkt fast schon mehr mit den heranstürmenden Mitspielern zu tun, die ihn nach Ablauf der 60 Minuten vor Begeisterung förmlich erdrückten. „Wir hatten eindeutig den besseren Torhüter auf dem Feld“, stellte Regisseur Patrik Fahlgren zufrieden fest und genoss genauso wie seine Teamkameraden das Bad in der jubelnden Menge: „Es gibt nichts Schöneres, als zu Hause gegen Kiel in einer vollen Halle zu gewinnen.“ Ihm mochte keiner widersprechen. „Das ist schon sehr besonders“, meinte Linksaußen Michael Allendorf, „wenn man mit 4000 verrückten Fans solch einen Erfolg feiern kann.“ Und der nächste Knüller folgt am Samstag, wenn der hessische Rivale HSG Wetzlar in Kassel aufläuft. So geht zwar am Mittwoch für die Narren die fünfte Jahreszeit zu Ende, aber die tollen Tage der MT vielleicht noch nicht.

Von Björn Mahr

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