Torgarant Sellin bei der MT Melsungen: Ihm macht’s richtig Spaß

Hat zurzeit allen Grund zum Strahlen: Melsungens Rechtsaußen Johannes Sellin. Foto: Fischer

Melsungen. Montagabend, das Training beim Bundesligisten MT Melsungen ist vorbei: Der Weg von Handball-Profi Johannes Sellin führt nicht direkt auf die Couch.

Zurzeit hat er in Melsungen zwei alte Freunde zu Besuch. Das gemeinsame Abendprogramm sieht so aus: Kinobesuch in Kassel. Dort wird der Film „Der Marsianer“ gezeigt. Dieser handelt von einer Mission, die einen komplett anderen Verlauf nimmt: Nervenkitzel garantiert.Für Sellin eine willkommene Abwechslung in einer Woche, die noch ganz viel Spannung bereithält. Denn Samstag ab 19 Uhr ist das Liga-Gipfeltreffen: Tabellenzweiter Melsungen gegen Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen. „Das wird ein geiles Spiel. Alle freuen sich bei uns darauf, die Anspannung steigt langsam“, sagt Sellin. Für ihn ist vor allem eines wichtig: Konzentration halten und weiter mit Spaß bei der Sache sein.

Ihm gelingt dies seit Wochen. Seit Anfang Oktober hat er in sechs Spielen 43 Tore geworfen - das macht im Schnitt sieben Treffer. Zwar waren auch ein paar Siebenmeter dabei, den guten Eindruck kann dies nicht schmälern. „Wir kommen einfach viel besser in den Gegenstoß“, erklärt der 24-Jährige bescheiden. Sein Dank gilt den Torleuten: Johan Sjöstrand und René Villadsen. „Und natürlich auch dem Timm“, fügt Sellin hinzu. Timm ist Timm Schneider, seit dieser Saison einer der Mittelleute. Der Ex-Lemgoer zögert keine Sekunde, den Ball weit, hart und vor allem präzise in die gegnerische Hälfte zu befördern. Die Handballer sprechen gern von Harpune. Bei einem der letzten Heimspiele bekam Sellin das Leder einmal nach Zuspiel Schneiders erst im zweiten Fassen unter Kontrolle. Unterm Strich war das gewohnte Ergebnis: Tor für Melsungen.

Und wieviele Treffer erzielt er gegen die Löwen? Diese Frage interessiert ihn genauso wenig wie die Vorführzeiten von Kinofilmen am Samstag in der Zeit zwischen 19 und 21 Uhr in Kassel. „Wir gucken nicht auf individuelle Leistungen. Unser Plus ist ja gerade, dass keiner hervorsticht und bei uns die Last auf viele Schultern verteilt wird.“ Läuft’s etwa bei ihm nicht, kommt eben Christian Hildebrand und macht es auf der rechten Seite besser.

Dennoch wird Sellin am Samstag unter besonderer Beobachtung stehen. Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist in der Kasseler Rothenbach-Halle zu Gast und wird sich ein Bild davon machen, wer denn noch für den 28er-Kader der DHB-Auswahl für die Europameisterschaft im Januar in Polen in Betracht kommt. Sellin wurde im Gegensatz etwa zu MT-Kapitän Michael Müller zuletzt nicht berücksichtigt, will aber unbedingt weitere Erfahrungen bei großen Turnieren sammeln.

Egal, wie es letztlich läuft: Über moralische Unterstützung braucht er sich am Samstag nicht zu beklagen. Seine Eltern reisen aus seiner Heimat Usedom an und werden ebenso in der Halle sein wie seine brasilianische Freundin Julia, die seit Mai in Melsungen lebt.

Sollte es nicht den möglichen Sieg über den Tabellenführer geben, kann er sich immer noch im Kino ablenken. Stichwort Spätvorstellung.

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