„Tue alles, um Minden zu retten“

MT am Freitag gegen GWD Minden: Trainer der Gegner im Interview

Fingerzeige: Trainer Frank Carstens noch als Trainer des SC Magdeburg. Archivfoto:  dpa

Minden. Ein Traditionsverein bangt um sein Überleben in der Handball-Bundesliga. Und was macht er? Er wechselt den Trainer. Mit Erfolg.

Mittlerweile hat Frank Carstens als Perkovac-Nachfolger GWD Minden wieder nahe ans rettende Ufer geführt. Ohne dass die Grün-Weißen schon aus dem Gröbsten raus sind. Und daher unbedingt gegen die MT Melsungen (Fr. 19.45 Uhr Kampa-Halle) einen Sieg brauchen. Im Interview umschreibt der Ex-Magdeburger sein Rezept für den Abstiegskampf.

Frank Carstens, wie beurteilen sie die 10:10 Punkte, die Sie mit Minden geholt haben? 

Frank Carstens: Damit können wir zufrieden sein, ebenso wie mit den gezeigten Leistungen. Ausnahme Lemgo, da hat beim 23:30 die Mannschaft ihre Leistung nicht gebracht.

Bis zum Derby gegen Lemgo lief‘s in der Tat wie am Schnürchen. Wie haben Sie diese Wandlung der Mannschaft hinbekommen? 

Carstens: Vorher hat die Mannschaft sehr individuell gespielt, nun agiert sie geschlossener, kompakter. Sie hat verstanden, wie wichtig es ist, sich an den gemeinsamen Plan zu halten.

Wie sieht der aus? 

Carstens: Wir haben viele gute Abwehrspieler. Also muss es unser Ziel sein, uns in der Defensive die nötige Sicherheit zu holen, um so auch das Spiel nach vorn zu entwickeln. Auch hier natürlich im Verbund.

Wie kam es zu dem Rückschlag gegen den Nachbarn? 

Carstens: Lemgo war besser und wir sind in alte Spielweisen verfallen. Es war aber auch unser drittes Spiel in sieben Tagen, so dass sich Lemgo besser vorbereiten konnte.

Sie haben bei Amtsantritt ihre große emotionale Verbundenheit mit GWD betont. Konnten Sie die auch auf das Team übertragen? 

Carstens: Als Spieler hatte ich hier meine beste Zeit und werde nun alles tun, um GWD vor dem Abstieg zu retten. Diese Identifikation habe ich auch bei den Spielern festgestellt. Sie wird uns helfen, uns von Negativerlebnissen nicht vo Weg abbringen zu lassen.

Wie haben Sie die von Ihnen beklagte Gruppenbildung aufgrund sieben verschiedener Nationalitäten in den Griff bekommen? 

Carsten: Es ging mir zunächst eigentlich nur um die Verbesserung des Teamgeistes. Dazu wird in der Mannschaft jetzt eine Sprache gesprochen - deutsch. Einige Spieler haben die Verpflichtung, neben ihren sportlichen Aktivitäten ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Wie schätzen Sie die Chancen im Abstiegskampf ein? Wie viele Punkte reichen aus den letzten vier Spielen, um drinzubleiben? 

Carstens: Keine Ahnung, das ist extrem schwer zu prognostizieren. Wir werden versuchen, jedes Spiel zu gewinnen und dabei nicht nach links oder rechts zu schauen.

Was rechnen Sie sich gegen Melsungen aus? 

Carstens: Da gilt genau das gleiche. MT ist aufgrund der Qualität des Kaders sicherlich Favorit, doch wir spielen zu Hause und wollen unsere Fans begeistern.

Sie waren nach Ihrem erfolgreichen Engagement beim SC Magdeburg ein Jahr arbeitslos. Wie haben Sie das überbrückt? 

Carstens: Ich war beurlaubt und genau das habe ich gemacht - Urlaub. Dazwischen lagen einige Fortbildungen, wo ich mich u.a. mit Analyseprogrammen etwa für die Leistungsdiagnostik vertraut gemacht habe.

Wie kommen Sie und Ihre Familie mit Frau und vier Kindern damit zurecht, dass ca. alle drei Jahre ein Umzug ansteht? 

Carstens: Das ist in der Tat ein ordentlicher Aufwand und eine spezifische Anforderung für diesen Beruf, doch meine Familie ist das gewohnt. Sie kommt im Sommer aus Magdeburg nach.

Was wollen Sie perspektivisch in Minden bewirken? 

Carstens: Priorität wird immer sein, GWD in der Bundesliga zu halten. Dort gehört der Traditionsverein hin. Weiterhin ist Minden bekannt für hervorragende Jugendarbeit. Also gilt es, den eigenen Nachwuchs ins Team einzubauen. Eine richtig schöne Aufgabe.

Mittlerweile steht bereits hinter jeder Stammkraft ein Eigengewächs. Wird das einmal umgekehrt sein? 

Carstens: Das liegt ausschließlich daran, wie sich der Spieler entwickelt. Und einige sind ja auch schon nah dran. Sören Südmeier zum Beispiel, der sich mit Dalibor Doder hervorragend ergänzt. Florian Freitag, der nach Südmeiers Kreuzbandriss dessen Rolle übernommen hat.

Zur Person

Frank Carstens (43), stieg als Spieler mit dem TV Grambke (Bremen) und dem OHV Aurich in die 2. Bundesliga auf. Von 2003 bis 2006 spielte er für den Bundesligisten GWD Minden. Seine Trainerstationen in der 1. Liga waren TSV Hannover-Burgdorf (2007 bis 2010), mit dem der A-Lizenz-Trainer 2009 ins Oberhaus aufstieg, und der SC Magdeburg (2010 bis 2013). Von 2011 bis 2013 fungierte Carstens zudem als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft.

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