Kreisläufer über den Melsunger Lauf

Felix Danner im Interview: „Unsere Brust ist jetzt breiter“

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Voller Selbstvertrauen: MT-Kreisläufer Felix Danner.

Kassel. Felix Danner trägt nun schon die siebte Saison das Trikot der MT Melsungen. Seit 2009 hat der Kreisläufer bei den Bundesliga-Handballern alle Höhen und Tiefen miterlebt.

Nach dem Coup in Flensburg am vergangenen Samstag und fünf gewonnen Liga-Spielen durchlebt er mit seiner Mannschaft derzeit einen wahren Höhenflug.

Herr Danner, wie lang haben Sie den Triumph gegen Flensburg noch ausgekostet?

Felix Danner: Ein bisschen haben wir uns schon gesonnt, klar. Mittlerweile ist die Euphorie aber abgeebbt. Jetzt konzentrieren wir uns auf Gummersbach.

Trotzdem war doch zu Beginn der Woche sicher alles anders als sonst, oder? 

Danner: Es gab durchweg positive Reaktionen. Jeder hat uns gratuliert. Die Euphorie war schon greifbar. Ich habe mir mehr Artikel als sonst durchgelesen. Auch das Medieninteresse für uns war größer. Timm Schneider zum Beispiel wurde ins Fernsehen zum HR eingeladen. Das geht natürlich alles runter wie Öl. Der Erfolg in Flensburg ist letztlich eine Bestätigung für unsere Arbeit.

Lässt sich dieser Sieg mit dem Coup von vor drei Jahren in Kiel vergleichen?

Danner: Kiel war ein ganz anderes Ding. Das war David gegen Goliath. Der THW erschien wie eine Übermannschaft. Da hatten wir nichts zu verlieren. Jetzt sind wir mit Wut im Bauch nach Flensburg gereist. Trotz unserer schwarzen Serie gegen diesen Verein haben wir uns etwas ausgerechnet. Im Pokal und in der Bundesliga hatten wir bis dahin alle Spiele gewonnen. Unsere Brust ist jetzt breiter als früher.

Machen diese Einstellung und dieses Selbstbewusstsein den Unterschied aus zur MT der vergangenen Jahre?

MT Melsungen live

Radio HNA überträgt das Spiel der MT Melsungen gegen den VfL Gummersbach live am Samstag ab 19 Uhr

Danner: Die positive Entwicklung vollziehen wir ja nicht erst seit dieser Saison. Aber es stimmt schon: Mit unseren Siegen ist das Selbstbewusstsein gewachsen. Der Erfolg macht hungrig. Das ist schwer zu beschreiben. Wir haben halt einfach einen Lauf, so banal sich das anhören mag. Wir glauben heute mehr an uns - selbst wenn wir nicht so gut spielen wie in Eisenach. Es passt einfach.

Was genau passt denn?

Danner: Es herrscht ein unglaublicher Teamgeist, und wir ergänzen uns als Typen prima. Auf jeden Fall haben wir keinen mehr dabei, bei dem man vor einer Partie nie genau weiß: Hat er Lust oder nicht? Das war mal anders. Außerdem ist die Mannschaft auf jeder Position doppelt gut besetzt. Das wirkt sich nicht nur aufs Spiel, sondern auch auf die Qualität im Training aus. Da sind Übungen sieben gegen sieben ja so, als ob man auf eine richtig gute Bundesliga-Mannschaft trifft. Und so entwickeln wir uns stetig weiter.

Dass die MT personell so gut besetzt ist, kommt Ihnen ja auch zugute, oder?

Danner: Allerdings. Die vergangenen Jahre musste ich fast immer durchpowern. Dank Marino Maric bekomme ich Auszeiten, und die tun richtig gut. Uns allen. Marino ist richtig gut drauf. Und ich bin alles andere als böse, dass ich im Angriff nicht mehr so oft zum Einsatz komme.

Bis zur Flensburg-Partie haben die Spieler den tollen Saisonstart ja fast kleingeredet. Ist nun in den Köpfen angekommen, dass die MT zu den Spitzenteams der Liga zählt?

Danner: Doch schon. Wir gehören zu den besten fünf, sechs Mannschaften.

Ich dachte an die Top drei...

Danner: Langsam. Zu Kiel, den Rhein-Neckar Löwen und auch Flensburg fehlt noch ein Stückchen. Natürlich stehen wir gerade ausgezeichnet da. Die Begegnungen, in die wir als Favorit gegangen sind, haben wir bestanden. Wir sind auf jeden Fall konstanter geworden - das ist auch ein Unterschied zu früher. Trotzdem muss ich eine Floskel loswerden: Die Saison ist noch jung.

Dennoch ist die MT auf einmal in der Rolle der Gejagten. 

Danner: Ganz ehrlich, damit kann ich gut leben.

Wie groß ist die Gefahr, das Spiel gegen Gummersbach zu locker anzugehen? 

Danner: Zuletzt haben wir gegen den VfL zu Hause schlecht ausgesehen. Schon deshalb werden wir das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir wollen die Euphorie hochhalten und die Fans begeistern. Und wir wollen die Siegesserie fortsetzen.

Zur Person

Felix Danner (30) stammt aus Freiburg. Sein Abitur hat er an der Fernschule Studiengemeinschaft Darmstadt absolviert. 2009 kam der 1,98 m große Kreisläufer zur MT. Er lebt mit Frau Anja und seiner Tochter Nele in Melsungen. Neben Familie zählt er Golf und Tennis zu seinen Hobbys.

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