Papa war der bessere Verteidiger

Scheidender MT-Profi Momir Rnic: Wie der Vater so der Sohn – fast

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Bild aus dem Familienalbum: Momir Rnic senior (links) und Momir Rnic junior.

Kassel. Am Samstag läuft Momir Rnic das letzte Mal für die MT Melsungen auf. Mit MT-Trainer Roth hatte vor drei Jahrzehnten schon ein anderer Momir Rnic zu tun.

Im Endspiel des olympischen Handball-Turniers 1984 in Los Angeles verlor Michael Roth mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Jugoslawien. Einer seiner Gegenspieler damals: Momir Rnic. Der Vater des scheidenden Melsunger Bundesliga-Handballers Momir Rnic war an vielen Erfolgen der Jugoslawen beteiligt - als Kreisläufer und hervorragender Abwehrspieler. Für den TV Niederwürzbach spielte Rnic senior von 1986 bis 1990 in der Bundesliga und traf auch dort auf den heutigen MT-Trainer Roth, der seinerzeit in Großwallstadt auf Torejagd ging.

Zwar wurde sein Sohn gleichen Namens auch ein erfolgreicher Handballer, die Stärken des Serben liegen allerdings in einem anderen Bereich - in der Offensive. „Ich habe Momo oft gefragt, redest du auch mal mit deinem Papa über Abwehrarbeit?", erzählt sein Teamkollege und serbischer Landsmann Nenad Vuckovic.

Voller Entschlossenheit: MT-Profi Momir Rnic (hier im Europapokalspiel gegen Anaitasuna) trifft am Samstag auf seinen zukünftigen Klub Rhein-Neckar Löwen.

Es war nicht so, dass Momir Rnic junior nicht für die MT verteidigen wollte. „Wir haben uns phasenweise bemüht, mit ihm daran zu arbeiten“, erklärt Michael Roth, „aber es gab in unserem Kader auch bessere Optionen.“ Klar: Melsungen hat genügend gute Deckungsspieler, und der 29-Jährige geht nicht ganz so kompromisslos zuwerke wie die Müllers, Danners und Schneiders. Dennoch war der Trainer mit Rnics Leistungen zufrieden: „Es war damals die richtige Entscheidung, ihn zu holen, beide Seiten haben profitiert. Wir hatten drei erfolgreiche Jahre zusammen.“

Am Samstag ab 16 Uhr läuft der Rückraum-Hüne zum letzten Mal im Melsunger Dress auf. Die Partie beim designierten Meister Rhein-Neckar Löwen wird in doppelter Hinsicht ein besonderes Spiel für ihn. Denn ab Juli ist die Mannheimer SAP-Arena seine neue Heimspielstätte. Er unterschrieb bei den Badenern einen Einjahresvertrag.

„Die Löwen kennen meine Qualitäten. Ich möchte am Samstag unbedingt zeigen, was ich kann“, betont Rnic. Dann wollen die Melsunger ihre großartige Serie von 19:1 Punkten weiter ausbauen, und Rnic soll es am besten genauso machen wie zuletzt beim 28:26 gegen Leipzig. Da wurde der Serbe in der entscheidenden Phase für den Angriff eingewechselt und erzielte drei wichtige Tore für die Nordhessen.

„Ich habe in Melsungen viel gelernt und viele Freunde gewonnen“, stellt Rnic erfreut fest. Zudem kam sein Sohnemann Ognjen vor einem knappen Jahr in der Stadt an der Fulda zur Welt. „Das ist auch wichtig für mich.“

Das sagt Momir Rnic senior (62), Ex-Weltklassespieler

„Es tut mir ein bisschen leid, dass ich meinem Sohn in puncto Abwehrarbeit nicht mehr mitgegeben habe. Er wollte aber schon als kleiner Junge immer lieber gern Tore werfen. Ich bin mir sicher, dass er auch gut verteidigen kann. In ihm steckt viel Potenzial - und viel Herz hat er sowieso. Ich verfolge sehr aufmerksam die Bundesliga und ganz besonders die Entwicklung bei der MT. Die Spiele, die ich in Serbien nicht im Fernsehen sehen kann, verfolge ich im Liveradio der HNA. Zweimal war ich sogar in Kassel bei Spielen dabei. Als Trainer von Saarbrücken-Altenkessel bin ich in der 2. Liga auf Melsungen und meinen Kumpel Cveba Horvat getroffen. Die MT ist zu einem großen Bundesliga-Klub geworden: gute Spieler und mit Michael Roth ein guter Trainer. Mit den deutschen Nationalspielern, die der Verein zur nächsten Saison holt, wird das Niveau noch weiter steigern.“

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