Viel Jubel, ein bisschen Flipper – Kapitän Müller geht voran

MT-Handballer trotzen beim 23:20 der Anfangsnervosität

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Und dann Party: Die Melsunger (von links) Momir Rnic, Johan Sjöstrand, René Villadsen und Michael Müller feiern den Sieg gegen Berlin.

Kassel. Welch ein Auftakt! Handball-Bundesligist MT Melsungen hat mit dem 23:20 (14:12)-Heimsieg vor 3016 begeisterten Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle am ersten Spieltag gegen die Füchse Berlin gleich ein erstes Ausrufezeichen gesetzt.

Dem neuen Melsunger Torwart Johan Sjöstrand gelang sogar ein Traum-Einstand. Hier ist der Saisonstart der MT Melsungen in vier Stichpunkten:

DIE NERVOSITÄT 

Egal, wer ihn nach der Schlusssirene befragte, MT-Trainer Michael Roth bediente sich immer wieder einer Floskel: „Aller Anfang ist schwer.“ Auch Melsungen und Berlin hatten so ihre Probleme. 13 technische Fehler unterliefen allein den Hausherren. Bezeichnend eine Szene aus der 28. Minute: Der Ball hüpfte hin und her wie bei einem Flipperautomat, bis MT-Regisseur Nenad Vuckovic das Leder schließlich in dem Bereich versenkte, wo es zählt (13:11). Eine gewisse Anfangsnervosität war beiden Teams anzumerken. Im ersten Durchgang war die Partie sehr zerfahren.

DIE VARIATIONEN 

Erst versuchten es die Gastgeber mit einer 6:0-Abwehr – mit mäßigem Erfolg. Die Deckung war teilweise so passiv, dass Füchse-Neuzugang Drago Vukovic so viel Platz hatte wie ein Kunde am Bankschalter mit geregeltem Privatsphäre-Abstand. „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Zugriff bekommen“, sagte Abwehrchef Felix Danner.

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Dann beorderte Roth seinen Linksaußen Michael Allendorf nach vorn: 5:1-Formation. Fortan lief es besser. Nach der Pause gingen die Melsunger dennoch zum alten System zurück – diesmal mit dem erhofften Effekt. „Die Berliner sind ein bisschen müde geworden, wir hatten gute taktische Schachzüge und haben von Sjöstrand profitiert“, freute sich Roth, der auch personell mehrere Variationen nutzte. Seine Spieler bewahrten die Ruhe, sie kämpften – und rissen damit das Publikum mit.

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DER KAPITÄN 

Nach 1:23 Minuten landete die MT ihren ersten Treffer in dieser Saison – durch wen? Durch den neuen Mannschaftsführer Michael Müller. Weil der Linkshänder noch vier weitere Male erfolgreich abschloss, war er Melsungens bester Schütze. Der 30-Jährige ging über 60 Minuten voran. Und dass der Kapitän an einem Abend, an dem viele Akteure auf beiden Seiten auf die Strafbank mussten, und es zudem einige Nickeligkeiten gab, ohne Zeitstrafe blieb, war irgendwie ein gutes Zeichen. War ja nicht immer so.

DIE SUPERPARADEN 

Für Glanztaten am Fließband war zwar Sjöstrand zuständig. Für einen kurzen Moment überließ er seinem Mitstreiter René Villadsen die Bühne. Der Däne nutzte das Rampenlicht für einen spektakulären Auftritt. Erst täuschte er an, dass er zum Siebenmeter von Fredrik Petersen auf der Torlinie bleiben würde. Plötzlich stürmte der Zwei-Meter-Mann nach vorn, machte sich noch größer als er ohnehin schon ist, und parierte sagenhaft. Die Halle stand kopf.

Der Monsterreflex dieser Partie ging auf das Konto des Berliner Nationalkeepers Silvio Heinevetter. Der lag schon am Boden und wehrte dennoch den Ball des freistehenden Danner ab (17.). Am Ende waren allerdings Danner und seine Kollegen obenauf. Und der Jubel in der Halle kannte keine Grenzen.

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