Villadsen und die irre Siebenmeter-Variante

Wenig Lücken: MT-Torwart René Villadsen vernagelt den Melsunger Kasten. Foto:  Fischer

Kassel. Zweiter Spieltag in der Handball-Bundesliga: Die MT Melsungen gastiert am Samstagabend ab 19 Uhr beim SC DHfK Leipzig. Vorab sprachen mit Torwart Rene Villadsen.

Nach dem Auftaktsieg gegen die Füchse Berlin sprachen alle von Johan Sjöstrand. Der neue Mann im Tor von Handball-Bundesligist MT Melsungen feierte einen fulminanten Einstand. Dabei ging fast ein wenig unter, dass auch der zweite neue Melsunger Keeper seinen großen Auftritt hatte. „Ich habe meine Chance genutzt und konnte der Mannschaft helfen“, sagt eben jener René Villadsen zufrieden. Heute tritt die MT ab 19 Uhr in Leipzig an - logisch, dass der Däne dort ebenfalls auf seine Chance hofft.

Gegen Berlin am vergangenen Samstag setzte sich der 2,01 Meter große Hüne in der 30. Minute in Szene - und wie! Seine erste Bundesliga-Aktion im Melsunger Trikot war ein gehaltener Siebenmeter. Das sei natürlich optimal gewesen, „gerade für einen Torwart ist der erste Ball ungemein wichtig. Eine gelungene Situation kann ein ganzes Spiel beeinflussen“, sagt Villadsen.

Dabei wird die Parade an sich gegen Fredrik Petersen nicht unbedingt in Erinnerung bleiben. Vielmehr Villadsens unorthodoxe Art, sich dem Berliner entgegenzustellen, hat das Zeug für zukünftige Anekdoten. Denn erst schien es so, als ob er auf der Torlinie ausharren wollte. Doch dann stürmte er nach vorn, wedelte mit den Armen wie ein Fluglotse auf Ecstasy und vollführte mit den Beinen Übungen wie beim Hampelmann. Sah witzig aus. Und vor allem: hat funktioniert.

Einer spontanen Eingebung ist Villadsen bei der irren Siebenmeter-Variante nicht gefolgt. Mit MT-Torwarttrainer Mile Malesevic hatte er diese Idee ausbaldowert. Sie hätten seit der Vorbereitung überlegt, wo er sich noch verbessern könnte. „Und als zweiter Torwart kommst du meistens bei Siebenmetern zum Zug. Da muss ich dann da sein“, erklärt Villadsen. Deshalb hätte Malesevic mit ihm zwei, drei Varianten ausprobiert.

Seine Rolle als Ersatzmann akzeptiert der Däne voll und ganz. „Johan fängt an. Hat er einen schlechten Tag, bin ich da“, sagt Villadsen, der sich und Sjöstrand als Torhüter-Team bezeichnet. Sie würden viel miteinander sprechen. Über Gegner, deren Eigenheiten beim Wurf, über Techniken - Torwartkram eben. Die Zusammenarbeit laufe super. Und dass Sjöstrand zum Auftakt gleich einen Sahnetag erwischt hatte, habe ihn richtig gefreut. Villadsen drückt es so aus: „Johan ist wichtig für uns. Dank seiner Leistung hatten wir einen tollen Saisonstart.“

Der soll heute fortgesetzt werden. Aus seinen Zeiten im Eisenacher Tor weiß Villadsen, was auf die MT-Handballer zukommt in der Arena des SC DHfK Leipzig. Die Stimmung dort sei enorm. Und der Auftaktsieg gegen Hamburg habe gezeigt, zu was der Aufsteiger vor eigenem Publikum in der Lage ist. Sie würden dem Gegner mit Respekt begegnen. Sie seien gewarnt.

„Trotzdem sind wir natürlich Favorit“, sagt Villadsen. Sie müssten von Beginn an zeigen: „Wir sind die MT.“ Wenn Villadsen bei einem Siebenmeter wieder in die Trickkiste greift, kann ja eigentlich nichts schiefgehen.

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