Länderspiel

Vor Ort beim 30:32 der deutschen Handballer in Düsseldorf gegen Portugal: Viel Spannung und zwei Abschiede

Vierfacher Torschütze: David Schmidt (rechts) setzt sich hier gegen den für die MT Melsungen spielenden Andre Gomes durch. Drei
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Vierfacher Torschütze: David Schmidt (rechts) setzt sich hier gegen den für die MT Melsungen spielenden Andre Gomes durch.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Männer unterlag beim Tag des Handballs in Düsseldorf der Auswahl aus Portugal 30:32. Wir waren vor Ort.

Düsseldorf – Es ist nur eine Szene in der Anfangsphase eines Test-Länderspiels beim Tag des Handballs. Anstatt in der sechsten Minute selbst von der Linksaußen-Position zu werfen, entscheidet sich Lukas Mertens, einer von sieben Neulingen in der deutschen Nationalmannschaft, für einen Kempa-Pass auf Lukas Zerbe. Der Lemgoer Rechtsaußen nutzt die kluge Vorarbeit zum 2:3 gegen Portugal. Fast genauso spektakulär wie das Tor: die Reaktion des Publikums, der frenetische Jubel auf den Rängen.

Ja, es sind erstmals seit fast zwei Jahren wieder viele Fans dabei. 5478 Zuschauer zählt der Deutsche Handballbund (DHB) als Gastgeber der Veranstaltung im Düsseldorfer PSD Bank Dome, die mit einem 26:26 der U20 gegen Ungarn beginnt und mit einem 28:27 der Frauen am Abend gegen Russland zu Ende geht. Zwischendurch gehört die Bühne dem verjüngten deutschen Männer-Team. Zwei Tage nach einem 30:28-Erfolg in Luxemburg unterliegt es diesmal 30:32 (17:17).

Verabschiedet: Uwe Gensheimer.

Das Ergebnis der Partie, die ein Test für die EM im Januar in Ungarn und der Slowakei ist, steht an diesem Nachmittag nicht im Vordergrund. Bundestrainer Alfred Gislason hat einen Umbruch eingeleitet. „Ich wollte allen Neuen eine richtige Chance geben“, sagt der Isländer später, „lange Zeit haben sie es auch gut gemacht.“ Er hat jetzt ein Team mit vielen neuen Gesichtern zusammengestellt. Mit Julian Köster und Hendrik Wagner sind sogar Handballer aus Liga zwei dabei. Kurzfristig sind vor dem Spiel auch noch die Olympia-Teilnehmer Juri Knorr und Jannik Kohlbacher (beide Infekt) von den Rhein-Neckar Löwen ausgefallen.

Erinnerungen an vergangene Zeiten werden nur in der Halbzeitpause wach. Als DHB-Präsident Andreas Michelmann die aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Uwe Gensheimer und Steffen Weinhold sowie den langjährigen Teamarzt Dr. Kurt Steuer verabschiedet. „Es waren tolle 13 Jahre. Dementsprechend freue ich mich jetzt über dieses Dankeschön“, erklärt der Kieler Weinhold. Die Fans spenden dem Trio viel Applaus.

Verabschiedet: Steffen Weinhold.

Es gibt diese, wenn auch wenigen Momente, in denen es richtig laut wird unterm Hallendach. Dann ist es fast schon wieder so wie früher – vor Corona. Hallensprecher Kevin Gerwin animiert die Fans ständig, das Team anzufeuern: „Düsseldorf, raus aus den Sitzen!“ Und DHB-Maskottchen Hannibal hält immer wieder Transparente hoch wie: „Das geht lauter.“

An Spannung mangelt es der Partie nicht. „Beide Teams sind in einer Findungsphase und nehmen sich nicht viel“, erklärt Timo Kastening. Mit 26 Jahren gehört der Rechtsaußen vom Bundesligisten Melsungen genauso wie Andre Gomes, ein MT-Kollege aufseiten der Portugiesen, schon eher zu den erfahrenen Kräften. In der ersten Hälfte gelingt es der DHB-Auswahl, sich etwas abzusetzen. Zum 8:5 trifft der neue Kapitän und Gensheimer-Nachfolger Johannes Golla (13.). Der spät berufene Djibril M’Bengue (29) und Mertens werfen eine 16:12-Führung heraus (24.). Doch zur Pause steht es unentschieden. Das Problem liegt in der Deckung: Etliche Kreisanspiele der Portugiesen kann der Gastgeber nicht verhindern. „Wir haben zu viele Fehler gemacht“, bedauert Joel Birlehm. Dabei ergänzt sich der Leipziger Torwart gut mit Till Klimpke von der HSG Wetzlar.

Nach dem Wechsel kann Wagner zum 18:18 ausgleichen. In der Folgezeit geraten die Deutschen aber mit 18:22 in Rückstand. Insbesondere Spielmacher Philipp Weber und David Schmidt, der genauso wie Golla, Lukas Zerbe und Marcel Schiller ebenfalls auf vier Tore kommt, ist es zu verdanken, dass kurz vor Ende der Ausgang wieder völlig offen ist. Allerdings setzen sich die Südeuropäer durch.

„Es war das Duell einer neu formierten gegen eine routinierte Mannschaft“, bilanziert Gislason. Sein Fazit nach dem Lehrgang fällt dennoch positiv aus: „Es war eine extrem wichtige Woche.“ Das kann Kastening nur unterstreichen: „Wir hatten eine überragende Stimmung. Und es haben sich von den Jungen einige für die Europameisterschaft aufgedrängt.“ (Björn Mahr)

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