Erstmals wieder vor volleren Rängen

Vor Ort beim Heimspiel der MT Melsungen: Die Rückkehr der Stimmung

Hoher Besuch: MT-Manager Axel Geerken (von links) begrüßt die Ehrengäste Erik Wudtke, sowie Hrvoje Horvat und Hrvoje Horvat junior.
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Hoher Besuch: MT-Manager Axel Geerken (von links) begrüßt die Ehrengäste Erik Wudtke, sowie Hrvoje Horvat und Hrvoje Horvat junior.

Die MT Melsungen bestritt in der Handball-Bundesliga ihr erstes Saison-Heimspiel. Seit langer Zeit durften mal wieder viele Zuschauer dabei sein. Wir waren vor Ort.

Kassel - Es ist ein ungewohntes Bild – im Vergleich zur vergangenen Saison: Als Bernd Kaiser, Hallensprecher der MT Melsungen, beim Heimspiel gegen den THW Kiel die Teams in die Rothenbach-Halle ruft, sind die Tribünen fast voll. „Was ist das für ein Anblick. Endlich wieder Zuschauer auf den Rängen. Wir brennen hier jetzt ein akustisches Feuerwerk ab“, schreit Kaiser ins Mikrofon – und in der Halle wird es so laut wie lange nicht.

Schließlich waren in der Handball-Bundesliga seit Corona Geisterkulissen an der Tagesordnung. Dank der 2G-Regelung hätten jetzt sogar 4300 Fans dabei sein dürfen, 3186 sind es schließlich.

Die Fans

Mit zu den ersten Anhängern in der Halle gehört Familie Schäfer aus Wanfried. Vater Frank, Mutter Susanne und Sohn Jona sitzen in der ersten Reihe auf der Haupttribüne. Alle drei im MT-Trikot, alle drei tragen Maske, die sind auch auf den Plätzen vorgeschrieben. Wie lange waren sie schon nicht mehr hier? „Es müsste so zwei Jahre her sein“, sagt Susanne Schäfer. „Es ist eine super Sache wieder hier zu sein“, sagt Frank Schäfer. „Im Fernsehen die Spiele zu verfolgen, ist nicht dasselbe. Die Atmosphäre ist eine ganz andere. Auch den Spielern wird die Stimmung gefehlt haben.“ Uneinigkeit gibt es nur bei der Frage nach dem Lieblingsspieler. „Timo Kastening“, sagt Jona. Seine Mutter favorisiert Tobias Reichmann. „Da immer nur ein Rechtsaußen spielen kann, gibt es bei uns häufig Diskussionen“, erklärt Frank Schäfer. Heute sind Mutter und Sohn glücklich, denn Kastening spielt in der ersten Hälfte, Reichmann in der zweiten.

Freuen sich über die Rückkehr in die Rothenbach-Halle: Frank, Jona und Susanne Schäfer.

Auf der Stehplatz-Tribüne sind die MT-Trommler zurück. Zwar durften jeweils fünf, sechs von ihnen in der letzten Saison bei den Heimspielen dabei sein, da sie zum Aufbauteam gehörten. Aber da mussten sie sitzen – und andere Anhänger waren auch nicht da. „Jetzt ist es etwas ganz Anderes. Es ist allein schon toll, wenn man zur Halle kommt, und der Vorplatz ist wieder voll mit Fans“, sagt Manuel Dietrich. Und gegen Kiel sind erstmals wieder die Stehränge geöffnet. „Trommeln im Sitzen ist eine Katastrophe. Jetzt stehen wir wieder, und es sind andere Fans um uns herum. Auch wenn das Anfeuern mit Maske etwas schwieriger ist, das klappt schon. Die Stimmung ist zurück in der Halle“, sagt Dietrich. Dennoch merkt er an, dass manche Anhänger noch zurückhaltend sind. „Sonst waren bei Heimspielen gegen Kiel immer die Tickets ausverkauft.“ Und auch für die Fahrt nach Hannover hätten sich beim Fanklub der MT-Trommler bisher weniger angemeldet als gewohnt.

Zurück auf den Stehplätzen: die MT-Trommler mit (von links) Nadine Rohleder, Manuel Dietrich und Svenja Führer.

Die Ehrengäste

Als sich die Spieler warmmachen, interviewt Kaiser auf dem Feld drei Ehrengäste. Neben dem Melsunger Aufstiegskapitän und mittlerweile als Co-Trainer des deutschen Nationalteams tätigen Erik Wudtke sind auch Hrvoje Horvat, der die MT von 2000 bis 2004 trainierte, und Sohn Hrvoje Horvat junior da. Der kroatische Coach nimmt drei seiner Nationalspieler unter die Lupe: Melsungens Domagoj Pavlovic und Marino Maric sowie Kiels Domagoj Duvnjak. Daher hatte er seinen Vater gefragt, ob er ihn nicht begleiten wollte. „Es hat zwei Vorteile: Mein Sohn musste nicht allein fahren, und ich sehe alte Bekannte wieder“, sagt Horvat senior, der sich von der kroatischen Insel Rab auf die Reise machte. Zum ersten Mal war der MT-Coach in der Rothenbach-Halle: „Es ist eine wunderschöne Atmosphäre.“ Die Horvats übernachten übrigens bei einem Freund, Trainer-Urgestein Iljo Duketis.

Die Spieler

Den Spielern ist anzumerken, wie sie es genießen, wieder vor einer größeren Kulisse aufzutreten. Vor allem MT-Torhüter Nebojsa Simic pusht immer wieder sich und das Publikum. „Auch wenn wir mit sieben Toren verloren haben, es war für uns sensationell, vor 3000 Zuschauern zu spielen“, sagt Michael Allendorf. „In der vergangenen Saison waren es von der Atmosphäre her gefühlt alles Testspiele, jetzt ist es wieder Bundesliga. Dafür leben wir, das macht uns und den Fans Spaß.“ So ähnlich sieht es Pavlovic: „Es war ein super Gefühl, wieder vor so einer Atmosphäre zu spielen. In schweren Phasen des Spiels ist es mit den Fans im Rücken viel einfacher. Wir brauchen diese Unterstützung.“

Die Organisation

Die 2G-Regelung stellte die MT vor neue Herausforderungen bei der Organisation – vor allem beim Einlass. Kurz nach der Partie ist MT-Manager Axel Geerken mit dem Ablauf zufrieden: „Natürlich haben wir es jetzt noch nicht vollends ausgewertet, aber mein erster Eindruck ist, dass es insgesamt sehr gut gelaufen ist.“ Beim Einlass hatte die MT mit mehreren Teams schon auf dem Vorplatz die Impf- oder Genesen-Nachweise sowie die Datenübermittlung der Zuschauer per App überprüft. Das habe sich als gute Entscheidung herausgestellt. „Alle Zuschauer waren pünktlich zu Spielbeginn in der Halle“, sagt Geerken. (Manuel Kopp)

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