DHB-Pokal

Vor Ort beim Rewe Final Four in Hamburg mit 2000 Handball-Fans: Rückkehr der großen Emotionen

Gute Stimmung auf den Rängen: Der Fanklub Bartenwetzer mit (von links) Marion Viereck, Detlef Brill und Susanne Wädow.
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Gute Stimmung auf den Rängen: Der Fanklub Bartenwetzer mit (von links) Marion Viereck, Detlef Brill und Susanne Wädow.

Beim Rewe Final Four in der Hamburger Barclaycard-Arena in Hamburg waren auch bis zu 2000 Handball-Fans zugelassen. Darunter waren 140 Anhänger der MT Melsungen. Wir waren vor Ort.

Hamburg – Nebojsa Simic streckt die Arme Richtung Fanblock und stößt einen tiefen Jubelschrei aus. Seine Teamkollegen der MT Melsungen stehen um ihn herum und Klatschen im Rhythmus mit ihren Anhängern. Kapitän Finn Lemke streckt die Faust Richtung Tribüne. Es sind Szenen, die man lang nicht mehr gesehen hat. Nach dem 27:24-Halbfinalsieg beim Final Four gegen die TSV Hannover-Burgdorf dürfen die Melsunger Handballer nach vielen Geisterspielen endlich wieder mit ihren Fans feiern.

2000 Zuschauer wären beim Pilotprojekt in der Hamburger Barclaycard-Arena zugelassen, 1600 sind es am ersten, 2000 am zweiten Tag. Es ist die Rückkehr der Fans, der Gesänge und der großen Emotionen. Wir waren vor Ort.

Die Fan-Ecken

Wie beim Final Four üblich sind die Ecken der Arena in die einzelnen Fanlager aufgeteilt: vier Ecken, vier Teams. Allerdings müssen die Anhänger diesmal auf Abstand sitzen. Und na klar: Alle haben FFP2-Masken auf. Damit der Block trotzdem wie eine Einheit wirkt, haben sich die Vereine etwas einfallen lassen. Die Melsunger haben über die Sitze, die leer bleiben müssen, rote und rot-weiße T-Shirts gezogen. Die Lemgoer über ihre Plätze blaue und weiße Stoffe. Und die Kieler sowie Hannoveraner haben die Pappfiguren mit den Gesichtern ihrer Anhängern mitgebracht. So wirken die Blöcke voller, als sie es eigentlich sind.

Die Stimmung

„Ich bin mir sicher, ihr habt euch riesig darauf gefreut, mal wieder richtig Gas zu geben“, heizt Hallensprecher Jens Zimmermann die Fanlager kurz vor dem ersten Halbfinale zwischen Kiel und Lemgo ein. Klar, es ist nicht so laut wie bei vergangenen Final Fours, als 13 000 Zuschauer ihre Teams antrieben. Aber das ist an diesem Abend egal. Das Publikum applaudiert im Rhythmus der Trommelschläge. In der packenden Schlussphase des ersten Halbfinals hält es die Kieler und Lemgoer Anhänger nicht mehr auf ihren Sitzen. „THW, THW“- und „Lemgo, Lemgo“-Rufe hallen im Wechsel durch die Halle. Die Spieler genießen das. Nach dem Überraschungssieg stürmen die Lemgoer Richtung Fanblock – bis zu den Barrieren. Sie klatschen. Machen die Welle. Und die Humba. „Finale, Finale“, rufen die Anhänger.

Die Melsunger Fans

Ob Supporters Kassel, die Fanklubs Bartenwetzer oder die MT-Trommler – alle sind dabei. Insgesamt 140 Fans unterstützen die MT. Und das ist nicht so ganz einfach. Wer in die Halle will, muss sich im Testzentrum davor testen lassen. Es gibt nur Lunchpakete. „Es war ein bisschen kompliziert, sich anzumelden, aber wir haben nicht gezögert, es zu tun“, sagt Marion Viereck, 2. Vorsitzende der Bartenwetzer. Viereck hat sich auf ihre FFP2-Maske ein M und ein T in roter Farbe gemalt. Bei der vierten Teilnahme der Melsunger ist Viereck zum vierten Mal dabei.

Die MT-Trommler (von links) Timo Riedemann, Manuel Dietrich, Jürgen Ferschke und Markus Martin.

Neben den Hygieneregeln gibt es für die Melsunger Anhänger noch andere Komplikationen. Susanne Wädow darf ihre Fan-Püschel nicht mit in die Arena nehmen. Die Angst des Ausrichters vor Aerosolen. Die Trommler wissen einen Tag vor dem Turnier nicht, wo sie sitzen. Aus dem Innenraum werden sie verbannt, weil dort die TV-Mikrofone aufgebaut sind. Jetzt sitzen sie im MT-Block. Allerdings dürfen sie die Trommelstöcke nur unter Aufsicht des Sicherheitspersonals mit in die Halle nehmen. Dort kommen dann auch ihre neuen rot-weiß gestreiften Hüte gut zur Geltung.

Die Familien

Die weiteste Anreise haben Jürgen und Martina. Die Eltern von MT-Profi Stefan Salger sind einen Tag vor dem Final Four mit der Bahn aus dem Allgäu an die Elbe gereist – das sind etwa 1000 Kilometer. „Ich bin selbst Handballer“, erzählt Papa Salger, der in seinem Heimatverein TSV Oberstaufen als Abteilungsleiter tätig ist. Jetzt sitzen er und seine Frau sowie Stefans Freundin Anna-Lena in Reihe zwei und fiebern erstmals beim Finalturnier in Hamburg mit. Mutter Martina trägt das Melsunger Trikot mit der Nummer 55, die Nummer des Sohnemanns.

Unterstützung: Stefan Salgers (von links) Freundin Anna-Lena, Mutter Martina und Vater Jürgen Salger.

Wie besonders der Auftritt in Hamburg ist, hatte MT-Kapitän Lemke im Vorfeld deutlich gemacht: „Unsere Familien sehen uns das erste Mal seit eineinhalb Jahren live.“ Linksaußen Michael Allendorf wird nun von Vater Jörg angefeuert. Und auch die Kastenings klatschen auf der Tribüne kräftig in die Hände, wenn Melsungens Neuzugang Timo Kastening eines seiner Tore erzielt. Als sie den Rechtsaußen zum letzten Mal in Aktion erlebt haben, trug er noch den Dress von Hannover-Burgdorf – dem Gegner an diesem Abend. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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