Warum der MT Melsungen gerade auf der Zielgeraden die Puste ausgeht

Glücklich sieht anders aus: Die Melsunger Spieler (von links) Felix Danner, Momir Rnic, Malte Schröder und Heiko Grimm sowie Co-Trainer Mile Malesevic (Mitte) sitzen bedröppelt auf der MT-Bank. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Auf der Zielgeraden der Saison geht den Bundesliga-Handballern der MT Melsungen offenbar die Puste aus - eine Ursachenforschung.

Das war’s dann wohl. Nach der 23:28-Pleite bei HBW Balingen-Weilstetten am Mittwochabend ist für die Handballer der MT Melsungen der ersehnte fünfte Tabellenplatz nur noch theoretisch zu erreichen. Plötzlich guckt der heimische Bundesligist in die Röhre, denn der Traum von der erneuten Teilnahme am Europapokal scheint so gut wie geplatzt. Den Nordhessen geht auf der Zielgeraden der Saison die Puste aus. Warum? Eine Ursachenforschung:

Stichwort Verkrampfung: Die Heimniederlage gegen Göppingen, den direkten Konkurrenten um den fünften Platz, tat der MT richtig weh. Danach herrschte „eine Riesenenttäuschung“, wie Trainer Michael Roth sagt. Daraus resultierte mehr Druck, und der wirkte sich auf das Spiel in Balingen aus. Alles sei ein bisschen verkrampft gewesen, bilanziert Roth, „die Beine waren schwer.“ Die Gastgeber hätten mehr investiert, im Melsunger Team hingegen passte die Abstimmung nicht, die Leistungsträger erwischten nicht ihren besten Tag - und somit rannte die MT das komplette Spiel einem Rückstand hinterher. Es habe an der Frische im Kopf gefehlt, lautet ein Erklärungsversuch.

Anders als sonst wirkt der Trainer regelrecht ratlos. In Balingen hat zwar auch schon der THW Kiel verloren. Aber vor dem Hintergrund, dass Melsungen noch Chancen auf den fünften Platz hatte, war die Leistung bei den Galliern von der Alb einfach zu wenig.

Stichwort Belastung: Die Doppel-Belastung durch den EHF-Pokal zeigt Wirkung. Hinzu kommen die Länderspiele. Von der zuletzt längeren Pause hatte zum Beispiel Kapitän Nenad Vuckovic gar nichts, weil er für die serbische Auswahl im Einsatz war. „Man merkt, dass es hinten raus an Kraft mangelt“, stellt Roth fest. Felix Danner sei ausgebrannt genau wie Michael Müller. Das Team tue sich schwer, Spannung aufzubauen. Zähneknirschend muss der MT-Trainer einsehen, dass Wille allein nicht ausreicht. „Gerade in Balingen gegen eine offensive Abwehr wäre Köpfchen nötig gewesen.“

Stichwort Fahlgren: Beim Thema Köpfchen und Spielwitz wird deutlich, dass Regisseur Patrik Fahlgren an allen Ecken und Enden fehlt. Roth sagt aber: „Ich bin nicht bereit, mit Patriks Fehlen alles zu entschuldigen.“ Gleichwohl ist Roth bewusst, dass seiner Offensive die Leichtigkeit abhanden gekommen ist. Es fehlen die Überraschungsmomente. „Seit er weg ist, werfen die Kreisläufer kaum noch Tore.“ Fahlgren sei zu einem ungünstigen Zeitpunkt ausgefallen, sagt der Coach und fügt an: „Ich dachte, wir packen die restlichen Aufgaben mit Teamgeist.“

Stichwort Euphorie: Das bittere Aus im EHF-Pokal so kurz vorm Finalturnier steckten die Melsunger Handballer gut weg. „Nach der Enttäuschung wollten wir gut gelaunt in den Rest der Saison gehen“, erklärt Roth. Erst das Unentschieden in Minden, dann die Gala gegen Erlangen - es keimte Euphorie auf und die Hoffnung auf ein positives Saisonfinale. Womöglich führte diese Euphorie aber dazu, dass manch einer alles Weitere als Selbstläufer betrachtete.

Stichwort Ziele: Platz fünf hat sich erledigt. Dafür müsste Göppingen seine beiden restlichen Spiele verlieren - eines davon ist zu Hause gegen Absteiger Bietigheim. Auch im Kampf um den sechsten Tabellenplatz ist die MT auf Schützenhilfe angewiesen. „Jetzt gucken wir, dass wir noch Sechster werden“, sagt Roth. Ob dieser Platz dann zur Teilnahme am EHF-Cup berechtigt, entscheidet sich erst im Juli. Ohnehin muss die MT erst mal ihre Spiele beim Bergischen HC und gegen Hannover-Burgdorf gewinnen.

Von Robin Lipke

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