Heimspiel der MT Melsungen am Sonntag ab 12.30 Uhr

Finn Lemke warnt vor Ex-Klub Magdeburg: "Die werden gegen uns brennen"

Kassel. Mit 2,10 m steht Finn Lemke ohnehin oft im Blickpunkt. Nun rückt der Handball-Profi der MT Melsungen noch mehr in den Fokus. Am Sonntag ab 12.30 Uhr trifft der Hüne mit der MT in der Kasseler Rothenbach-Halle auf seinen Ex-Klub SC Magdeburg. Wir haben mit ihm vorab gesprochen.

Am kommenden Samstag gastiert er dann für ein Testspiel mit der deutschen Nationalmannschaft in Magdeburg. Wir haben Finn Lemke vor der Partie gegen den SCM, für die es noch Karten an der Tageskasse geben wird, zu den Aussichten befragt.

Zuerst gegen Magdeburg, dann in Magdeburg – klingt nach einer Handball-Festwoche. 

Finn Lemke: Es wird spaßig. Ich freue mich auf das Duell am Sonntag, weil ich schon beim Vorbereitungsspiel in Ilsenburg gegen den SCM nicht dabei sein konnte. Und ein Auftritt in Magdeburg ist auch immer etwas Besonderes – auch mit der Nationalmannschaft.

Wie groß ist die Vorfreude auf die Bundesligapartie? 

Lemke: Super, dass wir so kurz nach der Niederlage gegen Leipzig schon Wiedergutmachung betreiben können. In der Liga ist das Duell mit dem SCM besonders wichtig – da treffen sich zwei Gegner auf Augenhöhe. Es ist immer gut, wenn man in eine Länderspielpause mit einem guten Gefühl geht. Und mit 15:5 Punkten wären wir dick drin im ersten Drittel.

Zwei Jahre haben Sie in Magdeburg gelebt. Was haben Sie aus der Zeit mitgenommen? 

Lemke: Ich habe viel gelernt, was Selbstständigkeit angeht, was profihaftes Verhalten bedeutet. In Lemgo war alles eine Nummer kleiner: eine Zeitung, ein Radiosender. In Magdeburg stehst du mehr im Fokus, das ist eine Landeshauptstadt, da hat Handball eine Riesen-Tradition. Da hast du nicht nur auf dem Feld, sondern auch abseits der Halle eine Vorbildfunktion. Das Team lebt dies vor, du orientierst dich daran.

Ein Beispiel? 

Lemke: Es ist übertrieben dargestellt. Aber da überlegst du dir schon mal, ob du einen oder zwei Hamburger bestellst.

Sie kennen den Gegner bestens. Was macht die Gladiators des SCM so stark? 

Lemke: Die hohe Geschwindigkeit. Christian O´Sullivan treibt das Spiel so schnell nach vorn wie kaum jemand anderes in der Bundesliga. Zudem hat Magdeburg zwei pfeilschnelle Außen und gute Torhüter, die die Bälle nach vorn bringen.

Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg? 

Lemke: Magdeburg musste durch meinen Wechsel einen neuen zentralen Abwehrspieler einbauen. Dadurch herrscht in der Deckung des SCM noch etwas Verunsicherung, zumal mein Nachfolger, der polnische Neuzugang Piotr Chrapkowski, zuletzt Verletzungsprobleme hatte. Dies müssen wir nutzen.

Welche Erwartungen knüpfen Sie an die Partie? 

Lemke: Zwei Punkte. Dazu müssen wir aber den Start besser hinbekommen als gegen Leipzig. Wir brauchen mehr Aggressivität, wir müssen von der ersten Sekunde an physisch und psychisch voll auf der Höhe sein – auf Wettkampf gepolt. Denn die Magdeburger werden gegen uns förmlich brennen, das weiß ich.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung in Melsungen?

Lemke: Obwohl ich es im Spiel noch nicht so richtig auf die Platte bringe – es wird besser.

Und mit Blick auf die Spielanteile im Angriff?

Lemke: Natürlich erhofft man sich immer das Optimum, aber es ist ein deutlicher Zugewinn. Man muss ja auch sehen: Julius Kühn spielt überragend. Und wenn ein Spieler auf meiner Position erfolgreich ist, dann applaudiere ich dem Kollegen. Jeder versucht, dem Spiel eine weitere Facette zu geben.

Bundestrainer Christian Prokop war zum Spiel gegen Leipzig in der Rothenbach-Halle. Hat er mit Ihnen über Ihre Rolle im Nationalteam gesprochen? 

Lemke: (schmunzelt) Er sieht mich wie erwartet in der Abwehr. Wir hatten nur kurz Zeit, haben über den Ablauf der kommenden Woche geredet. Ich weiß, dass ich in meinen Leistungen konstanter werden muss. Christian ist genauso wie unser Coach ein erfahrener Trainer und hat registriert, dass es leichte Abstimmungsprobleme mit Johannes Golla gab. Der Bundestrainer hat mich allerdings zum Beispiel gegen Kiel besser gesehen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie in der nächsten Woche in der Getec-Arena in Magdeburg auflaufen?

Lemke: Das Publikum ist hochemotional, es kann dich nach vorn peitschen. Das wird gegen Spanien auch so sein. Ich habe das erlebt, wenn die Zuschauer ringsum in mehreren Reihen auf Bierkästen das Spiel verfolgen. Allerdings bin ich auch von der Rothenbach-Halle positiv überrascht. In anderen Hallen ist der Besuch überschaubar, hier wird Handball super angenommen.

Zur Person

Finn Lemke (25), gebürtig aus Bremen, begann mit dem Handball bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Bevor er in diesem Sommer zum Bundesligisten MT Melsungen wechselte, spielte er für die Klassenkameraden TBV Lemgo und SC Magdeburg. Mit dem SCM wurde er 2016 Pokalsieger. Im selben Jahr gewann er mit der DHB-Auswahl EM-Gold und Olympia-Bronze. Lemke ist mit Jacqueline verheiratet.

Rubriklistenbild: © Fischer

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