Sie werden heute 50: Zwillinge Michael und Uli Roth im Interview

Beste Freunde und Geburtstagskinder Michael und Uli Roth Foto: dapd

Melsungen. Für die MT Melsungen steht heute nicht nur ein Spiel in der Handball-Bundesliga auf dem Programm, sondern auch der 50. Geburtstag ihres Trainers Michael Roth. Wir sprachen mit dem Coach und seinem Zwillingsbruder Uli Roth, die beide nach überstandener Prostatakrebs-Erkrankung ein Buch verfassten.

Heute werden Sie 50. Wie sieht Ihre Zeitrechnung aus?

Michael Roth: Da wir nie allein sind, sind es keine 50. sondern 100. Ich hoffe, dass noch einmal 100 dazukommen.

Und vor dem Hintergrund der Krebserkrankung?

M. Roth: Ich lebe bewusster. Wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, dann gibt man schon mehr auf sich acht.

Uli Roth: Man konzentriert sich aufs Wesentliche, Familie und Freundin.

Inwieweit hat sich Ihre Wahrnehmung verändert? Stichwort Schmerzen.

U. Roth: Wenn man nun Sport macht, tut es schon mehr weh als früher. Ich nehme heute das Tempo aus dem Leben. Früher war ich bis zum Schluss auf einer Fete. Jetzt gehe ich, wenn es Sinn macht.

M. Roth (lacht): Da war ich eh immer etwas anders.

Uli Roth, welchen Song von der Gruppe Pur würden Sie ihrem Zwillingsbruder zum 50. Geburtstag auflegen?

Im deutschen Nationaldress in den 80er-Jahren: Michael (links) und Uli Roth.

Uli Roth (lacht): Wahrscheinlich „Graues Haar“. Das passt. Wenn man vorm Spiegel steht, sieht man die Zeit vorbeirasen. Man kann sich jetzt auf jeden Geburtstag mehr freuen. Das ist der Unterschied zu Anderen. Die haben Angst vorm Älterwerden.

Michael Roth, trifft das Lied Ihren Geschmack?

M. Roth: Vom Text her auf jeden Fall. Denn 50 ist schon so ein Alter, in dem es ans Eingemachte geht. Die Frage ist, wie man älter wird. Ich habe bislang jeden Tag so gelebt, dass ich nicht das Gefühl habe, ich hätte etwas verpasst.

Was hören Sie am liebsten?

M. Roth: Ich mag Madonna genauso wie deutschen Pop. Zuletzt habe ich viel Supertramp und Dire Straits gehört.

Also schade, dass Ihr Bruder nicht Manager von Supertramp geworden ist?

M. Roth (lacht): Nein, bei Supertramp hätte er jetzt nicht mehr viel zu tun.

Was wollten Sie als Kinder werden? Feuerwehrmann?

U. Roth: Nikolaus, weil ich dann nur einen Tag im Jahr arbeiten muss.

M. Roth: Ich wollte Landwirt werden. Wir hatten einen Ziehonkel, der als Landwirt tätig war. Da haben wir früher oft bei Bauern ausgeholfen.

Stattdessen sind sie Handball-Profis geworden.

M. Roth: Es gibt viele Zwillinge, die getrennte Wege gehen. Bei uns war es allerdings so, dass, wenn einer partiell hinterher hing, der andere ihm geholfen hat, um wieder aufzuholen. Wir reden auch immer nur von „wir“.

Dem Sport sind sie auch heute noch eng verbunden.

U. Roth: Bei mir ist es eine Verpflichtung gegenüber dem Verein, bei dem ich alle Jugendteams durchlaufen habe Die Aufgabe macht mir Spaß. Zum Beruf machen wollte ich das nie.

Auf dem Weg zum Kindergarten: Michael (links) und Uli Roth.

M. Roth: Ich bin da reingerutscht. Doch es war nie mein Ziel. Ich habe noch eine Agentur, in der ich strategisch tätig bin. Mir ist es wichtig, jederzeit den Schritt zurückgehen zu können, wenn es im Handball schief laufen sollte.

Melsungen ist Ihre vierte Trainerstation. Wie sehr sind Sie in dieser Zeit gealtert?

M. Roth: Es ist schon ein nervenaufreibender Job, weil man ständig Verantwortung trägt, Präsenz zeigen und Spieler motivieren muss. Wenn man allerdings einen guten Zusammenhalt erreicht hat, dann läuft vieles von selbst.

Ihr Blick geht - wie Sie oft betonen - stets nach vorn. Was haben Sie mit der MT vor?

M. Roth: Das kann ich nicht allein entscheiden. Ich will einiges mit der Vereinsführung erreichen. Das ist ein Prozess, der zwei, drei Jahre dauern kann.

Uli Roth, wäre Ihr Bruder nicht auch ein geeigneter Kandidat für Leutershausen?

U. Roth: Irgendwann bestimmt. Wenn wir in der Bundesliga sind und ihn bezahlen können. Aber das dauert noch,

Michael Roth, dann würde sich ein Kreis schließen.

M. Roth: Es gibt auch noch die Rhein-Neckar Löwen. Ich kann mir das in Leutershausen im Moment nicht vorstellen. Denkbar wäre, später als Sportlicher Leiter oder im Management-Bereich zu helfen. Ich stehe jedoch für Kontinuität und verfolge überall, wo ich bisher war, langfristige Ziele. Das gilt natürlich auch für die MT.

Zurück zum Geburtstag: Gab es Rituale, als sie jung waren?

U. Roth: Wir haben zum Geburtstag viel gespielt und viel gegessen.

M. Roth: Wir sind bis zum 15. Geburtstag immer gleich angezogen worden. Oder bei den Geschenken: Hat der eine einen roten Brummkreisel bekommen, dann war klar, dass der andere auch einen bekommt - vielleicht in grün.

Was wünscht der eine dem anderen zum Jubeltag?

U. Roth: Dass er sich immer genauso gut fühlt wie ich.

M. Roth: Dass er so bleibt, wie er immer war: mein bester Freund. Das Beispiel von Methe/Methe hat gezeigt: Man kommt zusammen und geht zusammen. Wenn wir mal abtreten, dann passiert das vielleicht auch zusammen. Ich hoffe, dass wir noch lange zusammenbleiben.

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