Alle Erstliga-Aufsteiger verdienen sich Respekt

Zwischenbilanz der Handball-Bundesliga: Bissige Löwen und eine starke MT

Umjubelt: Torwart Mikael Appelgren (Zweiter von links) nimmt hier nach einer guten Leistung die Glückjwünsche der Löwen-Kollegen Uwe Gensheimer (links), Stefan Kneer (Zweiter von rechts) und Patrick Groetzki. Foto: dpa

Kassel. Nach dem ersten Teilstück in der Handball-Bundesliga zeichnet sich eines schon mal ab: Es wird in dieser Saison richtig spannend. Überraschungen sind an der Tagesordnung.

Wozu nicht zuletzt auch die MT Melsungen mit ihrem fast sensationellen Erfolg bei der SG Flensburg-Handewitt beitrug. Wir haben eine Einschätzung vorgenommen.

Rhein-Neckar Löwen: Die ganz dicken Brocken waren zwar noch nicht dabei. Dass die Mannheimer aber als einziges Team ohne Verlustpunkt sind, unterstreicht ihre Titelambitionen. In der Vergangenheit neigten die Löwen gerade gegen vermeintlich schwächere Gegner dazu zu schwächeln. Diesmal? Keine Spur davon. Und der 24:23-Sieg in Magdeburg zeugt von mentaler Stärke. Dabei ist der Vizemeister der vergangenen Serie trotz des Abgangs von Niklas Landin im Tor noch stärker geworden: Der Ex-Melsunger Mikael Appelgren und der serbische Nationaltorwart Darko Stanic ergänzen sich hervorragend. „Es ist natürlich eine Umstellung, wenn du drei Jahre bei einer anderen Mannschaft gespielt hast. Aber der Verein hat alles dafür getan, dass ich schnell integriert bin“, sagt „Apfel“, „jetzt fühle ich mich auch hier wohl.“

MT Melsungen: Dass die Mannschaft von Trainer Michael Roth vorn mitspielen würde, war zu erwarten. Dass sie aber nach sieben Spieltagen nur drei Minuspunkte hat und sogar vor den Top-Favoriten THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt rangiert, macht das große Potenzial im Team deutlich. Gute Abwehr, gute Torhüter, schnelles Umschaltspiel – das Konzept der MT geht bislang auf. Dazu mit Michael Müller ein Kapitän, der seine Rolle mit Leben ausfüllt und auf dem Feld durch nichts und niemanden aufzuhalten ist. Schade nur, dass die Mannschaft nach dem Coup in Flensburg (zumindest im Angriff) etwas schwächelte, was Trainer Michael Roth zu der Aussage verleitet, „dass wir wohl noch keine Spitzenmannschaft sind.“ Die Rückkehr im November von Regisseur Patrik Fahlgren, der inzwischen wieder leichtes Lauftraining absolviert, könnte da vielleicht Abhilfe schaffen.

Die Aufsteiger: Im Vorfeld einer Saison werden sie immer als erstes genannt, wenn nach den Abstiegskandidaten gesucht wird. Zwar ist nicht gesagt, dass der SC DHfK Leipzig, der ThSV Eisenach und der TVB Stuttgart die Serie auf einem Nichtabstiegsplatz beenden werden. Aber bislang setzten diese Klubs schon einige Ausrufezeichen und deuteten an, dass ihnen der Ligaverbleib zuzutrauen ist.

THW Kiel: 2012 wurde Kiel mit 68:0 Punkten Meister. Jetzt hat das Team bereits zwei Niederlagen auf dem Konto. Der Abgang von Aron Palmarsson nach Veszprem und der kurzfristige Verlust von Ausnahmekönner und Kapitän Filip Jicha (Barcelona) scheinen nicht so rasch zu kompensieren zu sein. Immerhin: Mit Rune Dahmke bereitet ein Eigengewächs auf Linksaußen viel Freude.

Grund zur Freude: Die Melsunger (von links) Torleute Johan Sjöstrand und René Villadsen sowie Mannschaftskapitän Michael Müller machen einen guten Job. Foto: Fischer

SG Flensburg-Handewitt: Vor der Saison aufgrund ihrer Verstärkungen als echter Titelaspirant gehandelt, wurden die Nordlichter diesen Vorschusslorbeeren auch gerecht. Dann kam die Pleite gegen Melsungen, dann folgte die Niederlage im Gastspiel in Wetzlar, dann folgte der Kreuzbandriss von Kreisläufer Anders Zachariassen. Macht insgesamt schon fünf Minuspunkte – und lässt die Aktien der Rhein-Neckar Löwen weiter steigen.

TuS N-Lübbecke: Sieben Spiele, sieben Niederlage – die neuformierten Ostwestfalen haben den Saisonstart so richtig in den Sand gesetzt. „Bei mir läuft es im Moment auch nicht, ich kann der Mannschaft mit meiner Leistung nicht helfen“, zeigte sich der Ex-Melsunger Jens Schöngarth selbstkritisch. Widersprach aber Spekulationen, sich mit seiner Zukunft, das heißt einem neuen Verein für die nächste Saison, zu beschäftigen.

Der erste Saisonsieg soll nun ausgerechnet im Heimspiel am Samstag, 10. Oktober, gegen seinen alten Klub MT Melsungen her. Am kommenden Wochenende bei den Rhein-Neckar Löwen rechnet sich das Schlusslicht eher weniger aus.

Von Ralf Ohm und Björn Mahr

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