"Das ist fast ein Wunder"

MT-Trainer Michael Roth über den überraschenden EM-Triumph der Handballer

Daumen hoch: Wetzlars Trainer Kai Wandschneider und MT-Coach Michael Roth verfolgten nach dem Turnier in Groß-Umstadt das Finale gemeinsam.

Kassel. Auch er ist überrascht. Von dem so klaren Sieg der Handballer im EM-Finale gegen Spanien. Das gibt Michael Roth, Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen, zu.

Gemeinsam mit dem Coach, der als Aktiver mit dem Nationalteam 1984 Olympia-Silber gewann, blicken wir auf das Endspiel. Die Melsunger verfolgten es mit der HSG Wetzlar beim Turnier in Groß-Umstadt.

Michael Roth über ...

... den EM-Sieg: Das ist fast ein Wunder. Die Spanier so klar zu beherrschen und den Sieg schon fünf Minuten vor dem Ende sicher zu haben, das ist unglaublich. Das war so nicht zu erwarten. Mit solch einem Erfolg steigt natürlich der Erwartungsdruck. Aber wir brauchen keine Angst zu haben. Nach der EM gehören die Deutschen wieder zur Weltspitze.

... die Gründe für den sportlichen Erfolg:  Mann des Abends ist ganz klar Torhüter Andreas Wolff. Er hat die Bude zugemacht. Unsere Abwehr war fantastisch. In der zweiten Hälfte haben wir die Spanier immer wieder in Zweikämpfe verwickelt. Sie haben Fehler in der Vorwärtsbewegung gemacht, sich viele technische Fehler geleistet. Eigentlich sind sie ja eine sehr erfahrene Mannschaft. Umso höher ist die Leistung des deutschen Teams zu bewerten. Nach 45 Minuten war die Partie ja im Prinzip entschieden.

... die Bedeutung des EM-Titels für den deutschen Handball: Nach einer Durststrecke ist das jetzt die Chance für den Handball, sich positiv darzustellen. Das macht alles richtig Spaß. Die Nationalmannschaft ist für Olympia und die Weltmeisterschaft 2017 qualifiziert. Die Verantwortlichen können jetzt in Ruhe weiterarbeiten. Die Kunst war, das Potenzial des deutschen Teams abzurufen. Das macht der Bundestrainer Dagur Sigurdsson hervorragend. Der Bundestrainer-Wechsel hat sich ausgezahlt. Es ist ein Konzept zu erkennen, er trifft mutige Entscheidungen, die werden belohnt. Die EM hat gezeigt: Die Leistung der Deutschen ist keine Eintagsfliege.

Man darf auch nicht vergessen: Die Basis für den Erfolg haben die Bundesliga-Trainer gelegt, die täglich mit den Talenten arbeiten. Es gibt viele tolle junge Handballer in Deutschland. Aber: Diese jungen Spieler haben jetzt auch gesehen, wie wichtig ist es, dass sie ihre Karrieren so planen, dass sie bei Vereinen auch zum Einsatz kommen und ausreichend Spielanteile erhalten. Nur auf dem Mannschaftsposter beim THW Kiel oder den Rhein-Neckar Löwen zu stehen, bringt nichts.

... die Melsunger Johannes Sellin und Marino Maric, der mit Kroatien Bronze gewann: 

Die EM-Medaillen werden sie beflügeln. Die Erfahrung, ein solches Turnier mitzuerleben, ist lehrreich, auch, wenn Johannes nicht so viel gespielt hat. Am Montag schauen wir, wann sie wieder zur Mannschaft stoßen. Aber klar ist: Sie werden auf jeden Fall ein Kabinenfest geben müssen.

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