„Mir fehlt die Freude im Training“

Mündens Volleyballtrainer Oliver Bernzen im Interview

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Emotional: Oliver Bernzen schreit seine Erleichterung nach einem Punktgewinn während eines Heimspiels heraus. Foto: Per Schröter

Seit einem Jahr trainiert Oliver Bernzen die Oberliga-Volleyballerinnen der TG Münden. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen über die zurückliegende Saison, die Corona-Krise und seine hauptberufliche Tätigkeit als „Lehrer-Trainer Volleyball“.

Herr Bernzen, als erfolgreicher Vereins-Jugendtrainer verschlug es Sie vor der letzten Saison in die Volleyball-Provinz nach Hann. Münden. Wie fällt Ihr persönliches Fazit nach dem ersten Jahr aus?

Oliver Bernzen: „Wenn ich sehe, was hier bei den Heimspielen abgeht, dann würde ich Hann. Münden eher als Volleyball-Hauptstadt bezeichnen! Das waren regelrechte Feste, die richtig Spaß gemacht haben. Auch sonst bin ich bei der TG Münden super aufgenommen worden und fühle mich pudelwohl.

Sie sind als „Lehrer-Trainer Volleyball“ in der Vellmarer Ahnatalschule beim Land Hessen angestellt. Wie genau sieht Ihre Tätigkeit dort aus?

Bernzen: „Meine Aufgabe ist es, Volleyballtalente zu sichten und zu trainieren. Ich habe im vergangenen Jahr ein Grundschul-AG-System aufgebaut, in dem Dritt- und Viertklässler die Sportart spielerisch näher gebracht wird. In den Volleyball-AGs sind insgesamt über 100 Kinder und eigentlich sollte jetzt ein Grundschulturnier für alle stattfinden, was leider ausfallen musste. Die besten Kinder sollten jetzt auch in ein leistungsorientiertes Training überführt werden. An einem normalen Tag bin ich morgens mit der Organisation der Einheiten beschäftigt oder gebe Schnupper- und Sichtungsstunden in den Grundschulen, mittags folgt die Grundschul-AG und nachmittags trainiere ich mit den bestehenden Gruppen.“

Auch Sie sind beruflich direkt von der Corona-Pandemie betroffen. Wie sieht Ihr aktueller Tagesablauf aus? Training können Sie ja nicht geben.

Bernzen: „Da zurzeit ja alle Schulen und Sporthallen geschlossen sind, kann ich überhaupt nicht arbeiten. Ich bleibe zuhause, schaue fern, bin im Internet unterwegs oder gehe auch mal bei gutem Wetter alleine in der Natur spazieren.“

Wie schwer fällt es einem im positiven Sinne „Sportverrückten“ wie Ihnen, komplett auf seinen Sport verzichten zu müssen?

Bernzen: „Natürlich vermisse ich die Zeit mit den Kids oder den Mädels in der Halle. Das macht mir immer großen Spaß und mir fehlt die Freude von den Trainierten, wenn sie etwas Neues gelernt haben oder etwas gut geklappt hat. Mir geht es aber sehr gut, da ich staatlich angestellt bin. Ich hatte in der Vergangenheit auch schon mal Existenzängste und fühle gerade mit den vielen Leuten, die die Krise hart trifft. Deswegen bleibe ich zuhause!“

Zurück zur TG Münden: Nach der starken Rückserie und dem letztlich sicheren Klassenerhalt freuen Sie sich bestimmt schon auf die nächste Saison. Was macht Ihnen besonders Spaß an de Arbeit mit den TG-Mädels?

Bernzen: Die Mädels sind sehr lernwillig. Sie wollen alles umsetzen, was ich ihnen sage. Das ist wirklich eine sehr gute Grundlage für mich als Trainer. Es wird im Training konzentriert gearbeitet, aber auch viel gelacht. Da hat diese Mannschaft wirklich eine perfekte Mischung gefunden. Und wenn man an den Auswärtsspieltagen sieht, mit welcher Freude und welchem Zusammenhalt die Mädels diese langen Fahrten angehen, dann ist das schon bemerkenswert. Man wird als Trainer auf der Fahrt zwar mit ziemlich komischer Musik konfrontiert, aber so lange die Mädels Spaß haben, ist alles gut.“

Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele mit den Mündenerinnen?

Bernzen: „In allererster Linie so viel Spaß haben wie in dieser Saison. Da sind die sportlichen Ziele eigentlich zweitrangig, wobei wir natürlich auch ehrgeizig sind. Um zu sehen, wo es hingehen kann, müssen wir erst mal schauen, welcher Kader uns zur Verfügung steht. Neben dem Abgang von Franziska Mallien gibt es noch zwei bis drei Fragezeichen. Wir haben uns auch nach Neuzugängen umgeschaut. Da werden wir aber erst Probetrainings machen können, wenn die Hallen wieder geöffnet sind.

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