Ab 2018 keine Hoheit mehr

Müssen ARD und ZDF die Olympischen Spiele übertragen? - ein Pro und Kontra

Ab 2018 haben ARD und ZDF nicht mehr die Hoheit über die Übertragungen der Olympischen Spiele. Doch müssen sie das überhaupt? - ein Pro und Kontra.

Pro: Es droht eine Monokultur

Matthias Lohr (40) befürchtet bei den Privaten olympisches Jubel-Fernsehen

Es ist noch nicht lange her, da machte der amerikanische Discovery Channel Schlagzeilen, weil sich ein Reporter von einer Anakonda vor laufender Kamera fressen und sich anschließend aus der Riesenschlange befreien lassen wollte. Und dieser Sender soll uns nun Olympia ins Haus liefern? Es kann sein, dass der TV-Deal des IOC den Sportfans noch im Hals stecken bleiben wird.

Trotz aller Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen: ARD und ZDF haben über Olympia in den vergangenen Jahrzehnten sehr umfangreich, hintergründig und oft auch kritisch berichtet. Wer meint, dass dies in Zukunft bei Discovery Channel ebenfalls der Fall sein wird, sollte während der Tour de France dessen Spartentochter Eurosport einschalten. Dort wird das Thema Doping seit Jahren nur in Nebensätzen erwähnt - wenn überhaupt.

Sollte das IOC mit der US-Senderfamilie gar einen eigenen Olympiakanal ins Leben rufen, wäre das so etwas wie das russische Staatsfernsehen des Sports. Wir brauchen ARD und ZDF – auch weil heimische Athleten aus olympischen Randsportarten sonst gar keine Plattform mehr im großen Fernsehen haben und uns dort eine TV-Monokultur aus Fußball, Fußball, Fußball, Formel 1 und Boxen droht.

Kontra: Ein guter Deal

Werner Fritsch (59) begrüßt die Entscheidung des IOC

Die Entscheidung des IOC, die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 an den Eurosport-Betreiber Discovery zu vergeben, ist richtig. Aus mehreren Gründen. Erst einmal ist der Preis für die Übertragungsrechte der Spiele mit 1,3 Milliarden Dollar (1,16 Mrd. Euro) vergleichsweise günstig. Dass der Deal fast alle europäischen Länder einschließt, ist da ein Vorteil.

Besonderen Wert legt das IOC darauf, dass die Olympia-Berichterstattung nicht aufs Fernsehen beschränkt bleibt, sondern über alle Medien, vor allem über das Internet verbreitet wird - und damit jederzeit und überall verfügbar ist – ein zeitgemäßer Ansatz.

ARD und ZDF sind durch diese Regelung nicht automatisch außen vor. Als Sub-Lizenznehmer werden sie sich an der Olympia-Berichterstattung beteiligen. Vermutlich wird das die TV-Beitragszahler weniger kosten als bisher. Endlich aber wird die unselige Tradition aufgebrochen, dass zwei öffentlich-rechtliche Anstalten, ARD und ZDF, parallel mit riesigen Stäben die Spiele begleiten und Deutschland so die teuerste Sportberichterstattung Europas bescheren. Es wird Zeit, dass diese Praxis auch bei den Fußball- und anderen großen Turnieren aufhört.

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