Vor dem Revierderby

"Muss auch mal knallen“: Streitgespräch zwischen einem Dortmunder und einem Schalker

+
Wer trägt hier eine Maske? Schalkes Franco Di Santo (links) soll Gerüchten zufolge eigentlich Klaas-Jan Huntelaar sein. Pierre-Emerick Aubameyang kennt sich mit Masken aus.

Kassel. Die Mutter aller Derbys. Der Ruhrpott-Klassiker. Schwarz-Gelb gegen Königsblau. Heute heißt es in der Fußball-Bundesliga ab 15.30 Uhr (Sky) wieder: Borussia Dortmund gegen Schalke 04.

Dabei stehen die Gelsenkirchener erstmals seit mehr als 900 Tagen in der Tabelle vor dem Erzrivalen. Für die BVB-Anhänger ist Schalke nur Herne-West, für die Knappen Dortmund nur Lüdenscheid Nord. Auch bei dieser Zeitung gibt es eingefleischte Fans der beiden Klubs. Wir haben einen Dortmunder und einen Schalker zusammengeführt: Jörg Paulus ist Schalke-Anhänger, Axel Schürgels steht beim BVB regelmäßig auf der Südtribüne. Ein moderiertes Streitgespräch:

Eine Bitte vorab: Wir wollen in diesem Gespräch ohne Beleidigungen auskommen.

Jörg Paulus: Mist, dann muss ich wieder alles durchstreichen, was ich mir notiert habe.

Axel Schürgels: So etwas habe ich nicht nötig.

Müssen wir denn über Lüdenscheid und Herne reden?

Paulus: Ich bin da recht entspannt. Selbst wenn ich Dortmund ausspreche, werden wir nicht verlieren.

Schürgels: Ich kann Schalke problemlos aussprechen. Das Team hat ja in den letzten Jahren keine Rolle gespielt. Diesmal ist es etwas anders.

Das ist das Stichwort.

Schürgels: Ich muss zugeben: Schalke geht gestärkt ins Spiel – und wir überhaupt nicht: Unser Team war völlig verunsichert. Dienstag hat man’s gesehen. Ich habe kein gutes Gefühl.

Paulus: Dann lass’ uns das gleich so machen: Wir rufen die DFL an, sagen das Spiel ab. Dann wird die Partie nur mit 0:3 gewertet. So kommt ihr noch gut aus der Sache heraus.

Schürgels: Erst mal abwarten, was der Videoschiedsrichter noch für uns tun kann.

Paulus: Das wird der Einzige sein, der euch retten kann. Du weißt schon, das wir in den letzten fünf Spielen zwölf Punkte mehr geholt haben als ihr.

Schürgels: Herzlichen Glückwunsch. Aber hinten kackt die Ente. Seht erst mal zu, dass ihr die Euphorie, die jetzt ausbricht, im Zaum haltet. Wir wollen ja nicht darüber reden, wie ihr gerade spielt.

Paulus: Du kennst unser neues Zauberwort? Wir spielen seriös. Deshalb werden uns im Derby auch alle die Daumen drücken. Schalke ist hochangesehen, weil es nicht abhebt. Da gibt es keine Batman-Maske.

Schürgels: Hab’ ich was verpasst, dass euch alle den Sieg gönnen. Du meinst den Umkreis hinter Bochum, oder?

Tut es einem Schalker nicht auch mal ganz gut, wenn die Borussen etwas kleinlauter sind?

Paulus: Das ist sogar sehr gut. In den beiden vergangenen Spielzeiten hatten wir am Ende ja jeweils mehr als 20 Punkte weniger auf dem Konto als ihr. Und der letzte Derbysieg liegt auch schon drei Jahre zurück.

Der Kicker schrieb am Dienstag: Dortmund spielt eine feine Klinge. Der BVB hat zu Beginn eine wirklich unfassbar feine Klinge gespielt. Was ist passiert?

Schürgels: Die Klinge ist ja noch da, sie ist nur nicht so scharf. Teamgeist und Selbstvertrauen fehlen, der Trainer versucht, ein offensives Spiel reinzupressen, für das überhaupt nicht die Spieler da sind. Und dann ist da auch noch der extravagante Aubameyang, der sich irgendwie nicht damit abfinden kann, dass er im Sommer nicht wechseln konnte. Durch den guten Saisonstart haben sich viele blenden lassen.

Paulus: Ihr müsst seriös spielen. Mit 16:10 Toren auf dem zweiten Platz zu stehen – viel besser geht doch gar nicht. Wir haben zwar nicht die besseren Spieler, aber das bessere System und den besseren Trainer. Man sieht ja, wohin der Dortmunder Hurra-Fußball führt.

Schürgels: Du kannst mir doch nicht sagen, dass euch das gefällt. Es muss doch auch mal knallen.

Paulus: Ich gewinne am Samstag gern ziemlich langweilig 1:0 gegen Lüdenscheid.

Muss Schalke eine Maske auspacken, wenn es gewinnt?

Paulus: Was viele gar nicht wissen: Schalke hat schon einen Maskenmann. Die Leute fragen sich, warum Franco Di Santo zur Zeit so gut ist. Dabei ist das Klaas-Jan Huntelaar. Er trägt nur eine Maske von Di Santo, der im Urlaub ist. Huntelaar wird das Siegtor schießen.

Schürgels: Ich hoffe, dass Aubameyang sein 100er-Pack Masken zu Hause gelassen hat und uns so zum Sieg schießt. Nach seiner letzten Suspendierung kam er bärenstark zurück.

Gibt es derzeit noch Feindbilder beim Gegner?

Schürgels: Ich sehe da niemanden. Manuel Neuer, Gerald Asamoah, alle sind weg.

Paulus: Ich hoffe ja, dass Torwart Roman Bürki dabei ist. Dann gibt es wieder eine Slapstick-Einlage, wenn er von fünf Mitspielern billardmäßig gleichzeitig angeschossen wird und unser Huntelaar mit Di-Santo-Maske einschießt.

Schürgels: Bürki macht ein Riesenspiel, dass eure Minimalisten heulen werden.

Paulus: Weißt Du, dass Bürki am Samstagabend ins Fernsehen eingeladen worden ist? Aber nicht ins Sportstudio, sondern zu Verstehen Sie Spaß!?

Wie geht das Derby aus?

Paulus: 1:0, dank Huntelaar.

Schürgels: Ich erwarte ein eindeutiges 3:2 für Dortmund.

Paulus: Du kannst auch gegen Deine Mannschaft tippen. Weißt Du überhaupt noch, wie sich ein Sieg anfühlt?

Schürgels: Hallo, wir haben im Pokal gegen Magdeburg gewonnen.

Zu den Personen

Jörg Paulus, 38 Jahre, Redaktionsleiter in der HNA-Lokalredaktion in Frankenberg, ist nicht nur bekennender Schalke-Fan, sondern auch Mitglied im Fanclub seines Heimatortes Laisa (Waldeck-Frankenberg). Mit der Fanclubmannschaft spielte er sogar schon im Gelsenkirchener Parkstadion. Paulus ist verheiratet und hat drei Kinder. Eine Tochter heißt allerdings Emma – wie das Maskottchen von Borussia Dortmund.

Jörg Paulus

Axel Schürgels, 28 Jahre, HNA-Onlineredakteur, ist Dortmund-Anhänger und Inhaber einer Dauerkarte für die Südtribüne im Signal-Iduna-Park. Schürgels ist ledig – und hat auch kein Kind, das – wie das Maskottchen von Schalke – Erwin heißt.

Axel Schürgels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.