Strenge Richtlinien sollen Risiko gering halten

Nach tödlichem Unfall mit Speer: So gefährlich ist Leichtathletik

Gefährliche Sportgeräte: Ein Schuler aus Gütersloh wurde vergangene Woche durch einen Speer tödlich verletzt. Foto: dpa

Kassel. Vergange Woche starb ein Schüler beim Sportunterricht, als er beim Anlauf ausrutschte und auf seinen Speer fiel. Nur wenige Wochen zuvor stürzte die Stabhochspringerin Kira Grünberg im Training, ist seitdem querschnittsgelähmt. Daher stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist eigentlich Leichtathletik?

Laut Hannelore Herrmann, der Koordinatorin für die Region Nordhessen vom Hessischen Leichtathletik-Verband, war der Unfall ein großes Unglück. Es sei nämlich sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Sportler an seinem eigenen Wurfgerät verletzt: „Wenn man beim Anlauf ausrutscht, lässt man den Speer einfach fallen. Das gilt auch beim Diskus- und Hammerwerfen, da geht das Wurfgerät dann ins Netz.“

Größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Sportler oder Kampfrichter von einem Wurfgerät getroffen wird. Damit das nicht passiert, gibt es vom Deutschen Leichtathletik-Verband strenge Vorgaben. „Vor jedem Wettbewerb müssen die Kampfrichter belehrt werden. So dürfen sie beispielsweise bei einer Wurfdisziplin die Landezone nicht betreten, solange sich noch ein Speer oder Diskus in der Luft befindet“, sagt Herrmann. Um das Verletzungsrisiko weiter zu senken, darf dieser Innenraum auch nach dem Wurf nur von Kampfrichtern betreten werden.

Zuschauer seien bei der Leichtathletik grundsätzlich nicht in Gefahr. „Beim Diskus- und Hammerwerfen ist der Wurfkreis von einem Netz umgeben, das nur Richtung Innenraum geöffnet ist. So kann das Publikum nicht getroffen werden“, erklärt sie.

Anfang August sorgte noch ein weiterer Unfall für Betroffenheit. Die 22-jährige Stabhochspringerin Kira Grünberg verlor beim Training in der Luft die Kontrolle über ihren Sprung, stürzte kopfüber in den Einstichkasten. Grünberg brach sich einen Halswirbel und ist seitdem querschnittsgelähmt.

„Stabhochsprung ist für den Athleten die gefährlichste Sportart in der Leichtathletik. Der Stab kann brechen, man kann die Balance verlieren und dann übel stürzen“, sagt der Leichtathletik-Trainer Thomas Weise. Um sich als Sportler bestmöglich vor solchen Unfällen zu schützen, rät er: „Man sollte wissen, welche Folgen eine bestimmte Bewegung beim Sprung haben kann. Und auch bei Wurfdisziplinen gilt: Der Anlauf muss stimmen, außerdem ist die körperliche Fitness wichtig.“

Weise, der auch Lehrer an einem Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf ist, ist aber auch der Meinung, dass man Disziplinen wie Speerwurf auch an Schulen lehren sollte: „Man muss den Schülern nur immer wieder die Risiken erklären“, erklärt er.

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen: Unfälle sind nie ganz ausgeschlossen. So geschehen im August 2012 bei einem Leichtathletik-Meeting in Düsseldorf. Dort wurde ein Kampfrichter von einem Speer am Hals getroffen und tödlich verletzt.

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