„Noch nie so einsam gefühlt" - Ennis-Hill feiert Titel

Nordhessin Carolin Schäfer vergießt nach Siebenkampf-Aus bittere Tränen

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Und weg damit: Die sechste Disziplin, den Speerwurf, machte Carolin Schäfer noch mit. Zum abschließenden 800-Meter-Lauf trat die Siebenkämpferin aus Bad Wildungen nicht mehr an.

Peking. Diese Szene war herzergreifend. Im Stadion von Peking kauerte Siebenkämpferin Carolin Schäfer neben der Weitsprung-Anlage, vergrub ihren Kopf zwischen den Knien und vergoss bittere Tränen.

Für die 23-Jährige aus dem nordhessichen Bad Wildungen platzte am frühen Sonntagmorgen der Traum von einer Medaille bei dieser Leichtathletik-Weltmeisterschaft. In der fünften Disziplin, dem Weitsprung, landete sie keinen gültigen Versuch.

Den Speerwurf ging Schäfer zwar noch an, den abschließenden 800-Meter-Lauf ließ sie aber sausen. Als Zweite in der Weltjahresbestenliste war sie mit großen Hoffnungen nach China gereist. Doch im Vogelnest von Peking übermannten sie die Gefühle. „Ich habe mich noch nie in einem so großen Stadion so einsam gefühlt“, sagte Schäfer der ARD. Ihre Stimme zitterte, die Augen waren wegen der Tränen rot unterlaufen.

Schäfer erklärte, dass ihr das Große und Ganze in diesem Jahr schwerfallen würde. Die Atmosphäre im Stadion habe sie irgendwie mit ihrem Partner verbunden. Im Februar war ihr Freund, der Bundesliga-Volleyballer Dennis Hefter, tödlich verunglückt. Die Erinnerungen haben Schäfer in Peking offenbar eingeholt. „Das konnte ich vorher nicht so abschätzen“, sagte sie. Bereits am ersten Wettkampftag sei der Wurm drin gewesen. Trotzdem habe sie am Sonntag angreifen wollen. Drei Fehlversuche im Weitsprung seien ihr aber noch nie passiert, sagte Schäfer.

Während die Nordhessin vom TV Friedrichstein das Finale des Siebenkampfes als Zuschauerin verfolgte, war Jessica Ennis-Hill mittendrin. Die Olympiasiegerin aus Großbritannien hat nach ihrer Babypause ein traumhaftes Comeback gefeiert und überraschend Gold gewonnen. Ein Jahr nach der Geburt von Sohn Reggie setzte sich die 29-Jährige mit 6669 Punkten gegen Top-Favoritin Brianne Theisen-Eaton aus Kanada (6554 Punkte) durch. Bronze holte die Lettin Laura Ikauniece-Admidina (6516). „Das ist definitiv einer der größten Momente meiner Karriere“, sagte Ennis-Hill. Sie hatte ihren Start in Peking bis zum Schluss offen gelassen, weil sie sich eigentlich ganz gezielt auf die Olympischen Spiele hatte vorbereiten wollen.

Als beste Deutsche kam Claudia Rath nach einem starken zweiten Tag mit 6441 Zählern auf Rang fünf. Die WM-Vierte von 2013 blieb nur 21 Punkte unter ihrer Bestleistung. Jennifer Oeser zeigte nach ihrer Verletzungs- und Babypause eine solide Vorstellung. Die Leverkusen konnte mit Saisonbestleistung von 6308 Punkten und Platz zehn zufrieden sein. (lip/sid)

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