Die ewige Tournee des Noriaki Kasai

Mit 43 immer noch ein Favorit

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Zählt mit 43 Jahren noch immer zu den Favoriten: Noriaki Kasai.

Oberstdorf - 1989 debütierte Japans Skisprung-Ikone Noriaki Kasai in Oberstdorf bei der Vierschanzentournee, 26 Jahre später gehört er immer noch zu den Favoriten.

Der Beginn einer Ära verlief unspektakulär: Am 28. Dezember 1989 endete in Oberstdorf Noriaki Kasais erster Sprung bei einer Vierschanzentournee bei mäßigen 101 Metern. Die Gegner des damals 17-jährigen Japaners kamen aus der DDR oder der Sowjetunion, gesprungen wurde im heute seit zwei Jahrzehnten abgeschafften Parallel-Stil. Generationen von Springern kamen und gingen seitdem. Kasai blieb. Auch als 43-Jähriger gehört „Nori“ bei der am Montag beginnenden Tournee 15/16 zu den Favoriten

„Die Tournee wird etwas sehr Besonderes für mich, und ich möchte bei allen Wettkämpfen auf dem Podest stehen“, sagte Kasai, nachdem er bei der Generalprobe in Engelberg auf Platz drei geflogen war.

Längst ist er Tournee-Rekordhalter, in Oberstdorf geht er zum 25. Mal auf die vier Schanzen. 92/93 kratzte er am großen Triumph - doch ein Sieg und drei weitere Podestplätze reichten nur zu Rang zwei hinter Andreas Goldberger. Den Tournee-Erfolg, den will Kasai unbedingt noch haben.

Und wenn er sich noch so absurde Vorgaben macht, den Sieg im Gesamtweltcup, den WM-Titel, Olympia-Gold, sollte man den großen alten Mann des Skispringens dennoch beim Wort nehmen - noch hat der stille Nordjapaner jeden Zweifler eines Besseren belehrt. „

Er setzt sich immer diese verrückten Ziele“, sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster: „Aber daraus zieht er seine Energie, seine Motivation. Seine Karriere ist etwas Außergewöhnliches.“ Und ein Abschied überhaupt kein Thema - Kasais Planungen gehen noch weit ins nächste Jahrzehnt.

Mit 54 noch immer nicht Schluss?

„Als ich 40 wurde, habe ich beschlossen, mit 50 aufzuhören“, sagt der Schanzen-Methusalem. Nun aber kandidiert seine japanische Heimat mit Sapporo wohl für Olympia 2026, und da kann Kasai unmöglich fehlen: „Dann werde ich zwar fast 54 Jahre alt sein, aber es ist eine zu große Chance, um aufzugeben.“

Am 17. Dezember 1988 debütierte er in eben jenem Sapporo im Weltcup. In einem Springen, das der damals 25-jährige Matti Nykänen vor dem 19-jährigen Dieter Thoma gewann. Mehr als ein Vierteljahrhundert später lieferte Kasai einen der besten Winter seiner Karriere ab, gewann 2014/15 ein Weltcupspringen und landete sechs Mal auf dem Podium.

Selbst seine Konkurrenz versetzt der Stilist ein ums andere Mal ins Staunen. „Bei uns in Europa würde man denken, dass man in dem Alter schon daheim auf der Couch sitzt und sich das im Fernsehen anschaut. Jede Sportart braucht solche Typen, die ein bisschen extrem sind“, sagt der deutsche Weltmeister Severin Freund über den Skiflug-Weltmeister von - jawohl: 1992.

Allerdings muss sich auch jemand, dem physikalische und biologische Gesetze schnurzpiepegal sind, so langsam mit dem Thema Karriereende befassen. Kasai lässt sich dabei ein Hintertürchen für einen - nun ja - Abschied offen: „Wenn Sapporo die Spiele 2026 nicht bekommt, dann höre ich eben mit 50 Jahren auf.“

sid

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