Nur ein Trainer fehlt noch

Wie aus Kasseler Freizeit-Volleyballern ein Ligateam wurde

Die neu gegründete Volleyball-Mannschaft der VSG Kassel/Wehlheiden, vordere Reihe (von links) mit Diego Coloma, Wolfgang Leggewie, Abdullah Nazary, Eric Seidler, Benito Bechinger. Mitte: Niklas Weisheit, Simon Schlenz, Anton Severin, Hossein Soltani, Luis Lettau. Hintere Reihe: Javad Hosseini , Etienne Prison, Jan Reinbold.
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Die neu gegründete Volleyball-Mannschaft der VSG Kassel/Wehlheiden, vordere Reihe (von links) mit Diego Coloma, Wolfgang Leggewie, Abdullah Nazary, Eric Seidler, Benito Bechinger. Mitte: Niklas Weisheit, Simon Schlenz, Anton Severin, Hossein Soltani, Luis Lettau. Hintere Reihe: Javad Hosseini , Etienne Prison, Jan Reinbold.

Erst Spiele auf dem Beachvolleyballplatz unter Bekannten, bei Sonnenschein und mit Musik aus der Bluetooth-Box im Hintergrund – dann Hallentraining, Trikots und Ligaspiele: Die Kasseler Spikers haben in den vergangen zwei Jahren einen bemerkenswerten Wandel hingelegt.

Kassel - Die ehemaligen Beachvolleyballer, allesamt Studenten und Azubis, lernten sich im Sommer 2019 in der Buga kennen, wo sie ihre Freizeit pritschten und baggerten. Nun sind sie als zweite Volleyballmannschaft der Spielgemeinschaft VSG Kassel/Wehlheiden in den nordhessischen Bezirksligabetrieb eingestiegen.

„Ursprünglich waren wir einfach ein Haufen junger Leute, verbunden durch Freude an der gemeinsamen Bewegung und der daraus gewachsenen Gemeinschaft“, erklärt Jan Reinbold. Der 20-Jährige studiert Bauingenieurwesen in Kassel und ist einer von vier Gründungsmitgliedern des neu entstandenen Teams. „Im Laufe der Zeit entstanden daraus Freundschaften und eine sportliche Einheit mit gemeinsamer Perspektive.“ So haben es sich die Spikers zum Ziel gesetzt, jedes Jahr so gut wie möglich in der Liga abzuschneiden. „Ginge es nach uns, würden wir jedes Jahr aufsteigen“, bestätigt Etienne Prison. Der 24-Jährige studiert Physiotherapie in Fulda, ist ein langjähriger Freund Reinbolds und ebenfalls Gründungsmitglied.

Aus Spaß wurde Ernst: Der enge Kern der Spikers beschloss im vergangenen Jahr, ein festes Volleyballteam zu gründen. „Eigentlich ging es uns vor allem darum, auch im Winter gemeinsam trainieren zu können“, sagt Reinbold. Doch das gestaltete sich zunächst als schwierig. „Um einen eigenen Verein zu gründen, mangelte es uns an Geld und Knowhow“, sagt Prison. So entschieden sich die Jungs ganz pragmatisch, einen Verein zu suchen, der ihre Vorstellung von Kameradschaft und sportlichen Ambitionen vereinte.

Die Suche war vergebens. Reinbold: „Teil bestehender Strukturen zu werden, bedeutet zwangsläufig, sich anzupassen, etwas vom eigenen Spirit aufzugeben.“ So zeichne das eigene Team ein unbedingter Siegeswille, Leidenschaft, Freundschaft und eine ähnliche Altersstruktur aus. „So einen Teamgeist haben wir nirgendwo gesehen.“

Erst nach Monaten der Suche habe man bei der VSG Kassel/Wehlheiden eine sportliche Heimat gefunden. „Als die VSG gesehen hat, wie ernst es uns wahr, hat sie uns tatkräftig unterstützt“ – in Form von Spiel-Equipment und Trainingsmöglichkeiten in der Hegelsberghalle im Kasseler Norden. „Auch all die Fixkosten, die beim Ligabetrieb anfallen, hat die Sportgemeinschaft übernommen“, so Reinbold. Mit dem Umweltlabor Kassel und dem lokalen Unternehmen GHT-Immobilien habe man zwei Sponsoren gefunden, die insgesamt 2000 Euro zur klammen Mannschaftskasse beigetragen haben. Die Logos beider Unternehmen sind auch auf den Trikots der Spikers zu sehen. Diese haben die befreundeten Designer von Mrs. Soleil, einer lokalen Modemarke, entworfen. Einzig der Trainer fehlt zur Erfolgsgeschichte. „Mit unserem Freund aus Buga-Zeiten Wolfgang Leggewie haben wir einen ehemaligen Volleyballer überreden können, uns vorerst zu coachen“, sagt Prison. Der 54-Jährige leite zwei Mal wöchentlich das Training.

Doch die Spikers suchen einen erfahrenen Trainer, der ihnen bei ihren ehrgeizigen Zielen weiterhelfen kann und Spaß an der Teamdynamik der jungen Männer hat. „Wir sind eine wahre Multikultitruppe“, sagt Reinbold. Die Spieler kommen aus Deutschland, Iran, Afghanistan, Thailand und Peru.

Nachdem der Spielbetrieb 2020 coronabedingt unterbrochen wurde und die Spikers nur ein Spiel bestritten hatten, hat die neue Saison Ende September angefangen. Erfolgreich für die Wehlheider: Gleich am ersten Doppelspieltag gewannen sie 3:1 gegen die zweiten Mannschaften von Bergshausen und Vellmar. Mehr als 40 Fans und Freunde der Spieler waren dabei. „Die haben nächtig Stimmung gemacht“, sagt Reinbold. Sogar die Gegenspieler hätten zur Leidenschaft von Mannschaft und Fangemeinde gratuliert. (Raphael Digiacomo)

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