Premiere beim Weltcup in Willingen

Österreicher Thomas Diethart: „Wollte immer oben mitmischen“

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Willingen. Gleich bei seinem Tournee-Debüt räumte er ordentlich ab: Thomas Diethart gewann nicht nur zwei Einzelspringen, sondern sicherte sich auch den Gesamtsieg der Vierschanzentournee. Deswegen hat der 21-jährige Skispringer turbulente Wochen hinter sich:

Interviews, Autogrammstunden, Werbeauftritte. „Mein Ziel war es immer, ein erfolgreicher Skispringer zu sein und oben mitzumischen“, sagt der Niederösterreicher. Im Interview spricht er über Schokolade, Druck und den Spaß am Skispringen.

Herr Diethart, Sie stehen auf Süßes und Ihre Schwester ist Konditorin. Was für eine Siegertorte haben Sie nach der Tournee bekommen?

Thomas Diethart: Noch gar keine, weil ich nur kurz daheim war. Nach der Saison wird’s sicherlich was geben. Und wenn es was mit Schokolade ist, ist das ganz gut.

Verraten Sie uns Ihr Geheimnis: Wie schafft man es, als Newcomer gleich die Tournee zu gewinnen?

Diethart: So einfach, wie es ausgeschaut hat, war es auch wieder nicht. Ich war in einer guten Form, habe mir keine Gedanken gemacht, hatte keinen Druck von außen, und ich habe mir selbst keinen gemacht. Die Tournee hat einen riesen Spaß gemacht, und ich habe alles genießen können.

Und wie fühlt sich das an, wenn auf Facebook die „Likes“ plötzlich von einem auf den anderen Tag explodieren?

Diethart: Das ist der totale Wahnsinn. Dass das in einer so kurzen Zeit so schnell gehen kann, freut mich total. Verrückt ist auch, wie schnell der Bekanntheitsgrad steigt.

Ist das eher zusätzlicher Ansporn oder Belastung?

Diethart: Für mich ist alles gleich geblieben. Die Erfolge sind die Bestätigung dafür, dass ich springen kann. Ich gebe im Training aber weiterhin 120 Prozent.

Ist denn wirklich alles beim Alten geblieben?

Diethart: Okay, es kommen jetzt schon ein paar mehr Leute an und fragen, ob sie ein Foto mit mir machen können oder ein Autogramm bekommen. Das ist richtig schön.

Und die Interviewanfragen häufen sich bestimmt auch ...

Diethart: Das ist alles recht gut aufgeteilt und nicht all zu stressig. Das kann ich gut genießen und macht mir auch viel Spaß.

Was wäre passiert, wenn der Durchbruch noch nicht gekommen wäre? Wären Sie als Industriekaufmann durchgestartet?

Diethart: Probiert hätte ich es mit dem Springen noch ein paar Jahre, so alt bin ich ja noch nicht. Außerdem ist mein Traumberuf nicht gerade Industriekaufmann. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, was ich gemacht hätte, wenn es nicht geklappt hätte. Ich habe immer gekämpft und bin dran geblieben. Mein Ziel war es immer, ein erfolgreicher Skispringer zu sein und oben mitzumischen.

Haben Sie eigentlich auch einen Tipp für Ihre deutschen Kollegen, damit die auch mal wieder ganz vorne landen?

Diethart: Ich als Neueinsteiger kann da nichts zu sagen. Die Deutschen sind meiner Meinung nach in einer guten Form und haben genug Erfahrung. Die wissen selbst, was sie zu tun haben.

Bei den Olympischen Spielen gelten Sie als Medaillenkanditat. Wird der Druck beim Gedanken daran größer?

Diethart: Nein, ich möchte das Konzept von der Tournee beibehalten, dass ich mir nicht viele Gedanken über das Springen mache. Ich möchte alles, was in Russland passiert, genießen und Spaß am Springen haben.

Der Weltcup in Willingen steht kurz bevor. Wie wichtig ist der letzte Test vor den Olympischen Spielen?

Diethart: Als Test sehe ich das nicht, mehr als Training. Dass man sich wieder auf eine Wettkampfsituation einstellen kann vor den Spielen, das ist sicherlich super. Und dadurch, dass ich noch nie in Willingen war, freue ich mich besonders darauf: auf eine neue Schanze, auf die Fans und auf die Stimmung.

Haben Ihre Teamkollegen schon von Willingen berichtet?

Diethart: Nein. Ich kenne die Schanze nur aus dem Fernsehen, und ich weiß, dass man sehr weit springen kann. Es wird bestimmt interessant.

Haben Sie mitbekommen, dass Willingen aus allen Teilen Deutschlands Schnee geliefert bekommen hat, damit der Weltcup steigen kann?

Diethart: Ja, das habe ich. Es ist immer wieder schön, wenn man mitbekommt, mit wie viel Einsatz etwas auf die Füße gestellt wird. Ich habe auch schon gehört, dass es keine Eiswürfel mehr geben soll, weil die alle für die Präparierung der Schanze gebraucht wurden.

Zur Person:

THOMAS DIETHART (21) ist der Newcomer des österreichischen Skisprung-Teams. Er stammt aus Michelhausen in Niederösterreich (etwa zwei Stunden von der nächsten Schanze entfernt), wohnt allerdings mittlerweile mit seiner Freundin Anna in Matrei, in der Nähe von Innsbruck. Mit neun Jahren hat er seinen ersten Sprung in Hinzenbach gemacht. Seine Eltern nahmen sogar einen Kredit auf, um den Leistungssport ihres Sohnes finazieren zu können. Diethart, der von seinen Freunden „Didl“ genannt wird, hat am 28. Oktober 2013 seine Prüfung zum Industriekaufmann bestanden. Das Vorbild des Hobby-Turners ist Thomas Morgenstern und sein Glücksbringer ist seit Jahren ein Plüsch-Schwein.

Von Friederike Göbel

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