Trotz Fieber und Meniskusriss

Mit dieser Aktion macht sich Pechvogel Mittermüller zur Olympia-Siegerin der Herzen

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Silvia Mittermüller darf sich jetzt Olympionikin nennen - weil sie trotz aller Widrigkeiten die Piste hinab fuhr.

Sie war krank, sie stürzte und verletzte sich schwer - und dennoch ist Snowboarderin Silvia Mittermüller die Olympiasiegerin der Herzen. Sie zeigte, was der Olympische Geist wirklich ist.

Sie ist der absolute Pechvogel im deutschen Team bei den Olympischen Winterspielen 2018. Und dennoch sorgt Snowboarderin Silvia Mittermüller für den bislang wohl bemerkenswertesten Moment in Pyeongchang neben der bis dato äußert erfolgreichen Medaillensammlung der deutschen Athleten. Leider bekamen das nur wenige Beobachter mit. Was war passiert?

Wir erinnern uns: Die 34-Jährige aus Unterhaching bei München, die vor dem Beginn der Spiele mit ziemlich freizügigen Fotos von sich Reden machte, erkrankte zunächst in Südkorea und lag mit Fieber im Bett, wollte im Slopestyle-Finale aber dabei sein. Sie versuchte alles, ging im Probelauf an den Start  - und stürzte schwer. Mittermüller wurde von einer Windböe erfasst und erlitt einen Meniskusriss. Olympia war somit für sie gelaufen, ein Start beim Big Air Event unmöglich.

Eigentlich, denn Mittermüller wollte ihren Olympia-Traum nicht vollends platzen lassen und tat etwas, von dem ihr sicher jeder Arzt abgeraten hätte. Sie fuhr den Parcours trotzdem im ersten Durchgang hinunter, ließ aber wegen der Schmerzen im Knie alle Hindernisse aus. Die Folge: Sie erhielt genau 1,0 Punkte. Ihr ist bewusst, dass sie damit die „wohl niedrigste Wertung aller Zeiten“ errungen hat, wie sie auf Instagram schrieb. Aber: „Das heißt, nach all den Jahren kann ich mich jetzt Olympionikin nennen?“, fragte sie bei Instagram mit einem Foto aus der Klinik.

✨✨✨ The secret to unconditional happiness is to first see the good in the bad and then turn whatever bad is left into something good too... so here we go. 1) I got 26th in the Olympics today with the probably lowest scoring run of all times (1,0points) and maybe with the first and only official Olympic sideslip backpack run of all times 2) that means after all these years I can now call myself an Olympian? 3) my ACL is still intact 4) riding down on what later turned out to be a medial displaced buckethandle meniscus tear was the scariest thing I’ve tried all week and i succeeded at it 5) i get to fly home business class tomorrow because of the injury 6) I got to experience a big share of olympics including an amazing opening ceremony with Team and several days of snowboarding with the best slopestyle riders in the world. 7) Despite being sick the night before and riding in dangerous conditions I tried my best. That’s what I came to do and I did it ✔️ Not sure how much bad or sad will hit me in the time to come but as of now, I’m at peace (which I don’t want to ruin by complaining about the irresponsibility of making us ride in that wind. Maybe another day.) ✌️

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Die Antwort lautet: Ja, denn Mittermüller wird im offiziellen Klassement auf Rang 26 geführt, dem letzten Platz. „Obwohl ich in der Nacht zuvor krank war und unter gefährlichen Bedingungen gefahren bin, habe ich mein Bestes gegeben. Das ist es, was ich tun wollte und ich habe es getan!“

Das ist der viel zitierte Olympische Geist, den Silvia Mittermüller hier vorlebte. Dabei sein ist alles. „Das Geheimnis der bedingungslosen Glückseligkeit besteht darin, zuerst das Gute im Schlechten zu sehen und dann das, was noch übrig ist, in etwas Gutes umzuwandeln“, schrieb sie auf Instagram weiter.

Diese Aktion hat absoluten Respekt verdient. Mittermüller wird am Dienstag die Heimreise antreten. Im Nachhinein hatte es von vielen Seiten scharfe Kritik an der Durchführung des Slopestyle-Wettkampfs gegeben.

Hier geht‘s direkt zum Olympia-Live-Ticker vom 14. Februar.

fw

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