Olympia 2021

Schleu-Eklat bei Olympia: Weltverband trifft überraschende Entscheidung

Bei Olympia 2021 kam es im Modernen Fünfkampf zum Drama.
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Bei Olympia 2021 kam es im Modernen Fünfkampf zum Drama.

Nach dem Drama um Annika Schleu bei Olympia 2021 hat der Weltverband des Modernen Fünfkampfs offenbar eine überraschende Entscheidung getroffen.

Update vom Donnerstag, 04.11.2021, 18.26 Uhr: Was schon am Dienstag (02.11.2021) berichtet wurde, ist nun offiziell. Das Reiten wird nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris nicht mehr Teil des Modernen Fünfkampfs sein. Welche Disziplin dafür neu dazukommt, soll noch entschieden werden, wie der Weltverband UIPM am Donnerstag (04.11.2021) mitteilte.

Damit zieht der Verband die Konsequenzen aus den Vorfällen bei den Olympischen Spiele in Tokio. Dort hatte die Deutsche Annika Schleu für großes Aufsehen und scharfe Kritik gesorgt. Die damals Führende im Zwischenklassement war mit einem ihr zugelosten und völlig verunsicherten Pferd nicht zurechtgekommen, hatte verzweifelt Gerte und Sporen eingesetzt.

Schleu-Eklat bei Olympia: Verband hat überraschende Entscheidung getroffen

Erstmeldung vom Dienstag, 02.11.2021, 14.23 Uhr: Es waren Szenen, die um die Welt gingen und teilweise für große Empörung sorgten. Gegen Ende der Olympischen Spiele 2021 in Tokio lag die deutsche Sportlerin Annika Schleu im modernen Fünfkampf vor der dritten Disziplin, dem Springreiten, in Führung. Eine Olympia-Medaille* war zum Greifen nah, sogar Gold wäre drin gewesen.

Doch das zugeloste Pferd „Saint Boy“ verweigerte mehrmals, auch schon im ersten Durchgang bei der russischen Athletin Gulnas Gubaidullina. Deshalb habe Schleu bemerkt, dass sie keine Chance hatte. Tränen rannen über ihr Gesicht, schlussendlich fiel sie auf Rang 31 zurück.

Drama bei Olympia: „Saint Boy“ verweigert – Annika Schleu traktiert mit Gerte

Auf Rat von Bundestrainerin Kim Raisner schlug sie mehrmals mit einer Gerte auf das Pferd ein, die Bundestrainerin selbst soll das Pferd sogar mit der Faust geschlagen haben. Deshalb schloss der Weltverband Raisner auch von Olympia 2021 aus. Die Bilder der weinenden Annika Schleu gingen um die Welt. Schnell wurden Vorwürfe der Tierquälerei*, auch generell im Reitsport, immer lauter.

Wenige Monate später hat der Weltverband des Modernen Fünfkampfs nun laut der britischen Zeitung Guardian still und heimlich für Abschaffung des Springreitens im Modernen Fünfkampf gestimmt. Stattdessen soll die fünfte Sportart neben Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen und Querfeldeinlauf künftig Radfahren sein.

Weltverband des Modernen Fünfkampfs ersetzt offenbar Springreiten

Der Weltverband des Modernen Fünfkampfs habe sich laut Guardian aufgrund der Aufsehen erregenden Szenen um Annika Schleu bei Olympia 2021 in Tokio zu diesem Schritt entschieden. Der Weltverband möchte damit einer möglichen Entziehung des Status „Olympische Sportart“ zuvorkommen, vor allem auch mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris. Der Weltverband wollte sich noch nicht zu dieser geheimen Abstimmung äußern.

Die frühere britische Fünfkämpferin Kate Allenby, die bei den Olympischen Spielen in Sydney Bronze gewann, sagte dem Guardian, dass ein Austausch des Reitens im Modernen Fünfkampf ein „Desaster“ für den Sport sei. „Darüber muss gesprochen werden, weil es kein Moderner Fünfkampf ist, wenn kein Reiten dabei ist“, sagte Allenby.

Moderner Fünfkampf ohne Reiten: Peta begrüßt den Schritt

Peta hingegen freut sich über den Vorstoß des Weltverbandes: „Beim Modernen Fünfkampf auf Radsport anstelle des Reitens zu setzen, wäre ein ganz großer Meilenstein für den Tierschutz. Dies würde Tausenden Pferden gefährliche und belastende Einsätze auf den Turnieren und lange Reisen ersparen“, hieß es in einer Mitteilung. Der Dachverband UIPM zeige wahre Größe, wenn er als Folge der tragischen Ereignisse bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Tokio nun ernsthafte Konsequenzen ziehe und Reiten durch Radeln tausche.

Doch Peta fordert auch, weiter zu gehen: „In einem weiteren Schritt muss nun auch das Internationale Olympische Komitee handeln und tierfreundliche Alternativen für sämtliche Pferdedisziplinen schaffen. Denn auch beim Vielseitigkeits-, Spring- und Dressurreiten werden Pferde zu unnatürlichen Höchstleistungen gezwungen und leiden immens“, heißt es in der Mitteilung. (msb) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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