Deutschlands Skateboard-Hoffnung im Interview

13-jährige Skateboarderin Lilly Stoephasius: „Olympia ist mein großes Ziel“

Lilly Stoephasius auf einem Skateboard.
+
Beherrscht ihr Skateboard perfekt: Die 13-jährige Lilly Stoephasius will zu den Olympischen Spielen nach Tokio. In der Weltrangliste der Frauen liegt sie bereits auf Platz 14.

Im Interview erklärt die 13-jährige Skaterin, wie sie zum Skateboardfahren kam, warum sie in jungen Jahren schon so erfolgreich ist und weshalb ihr Traum von Olympia schon bald in Erfüllung gehen könnte.

Lilly, mit drei Jahren hast du dein erstes eigenes Skateboard bekommen. Besitzt du das Board heute noch?

Ja, es ist momentan nicht zusammengebaut, aber es existiert noch. Daran hängen Erinnerungen an meine Anfänge. Ich habe alle meine alten Skateboards aufgehoben.

Du hast früh mit dem Skaten begonnen. Was fasziniert dich so sehr an diesem Sport?

Skateboardfahren ist ein unglaublich kreativer Sport. Eigentlich kann jeder fahren, wie er möchte. Niemand kann dir sagen, welche Tricks du machen musst, jeder Skater fährt anders. Das beeindruckt mich.

Skateboardfahren ist bisher nicht der klassische Sport, den junge Mädchen ausüben. Wie bist du dazu gekommen?

Durch meinen Papa. Ihm hat das schon immer Spaß gemacht und dann hat er mich irgendwann einfach mal aufs Board gestellt. Ich glaube, da hat er noch gar nicht ahnen können, wie viel Spaß mir das irgendwann auch macht.

Du bist erst 13 Jahre alt, aber bereits eine der erfolgreichsten Skaterinnen überhaupt. Was ist dein Erfolgsgeheimnis? Warum bist du schon so gut?

Ich glaube, das liegt daran, dass ich schon so früh angefangen habe. Ich stehe ja sozusagen schon mein Leben lang auf dem Skateboard. Und ich trainiere natürlich auch sehr viel, etwa vier bis fünf Mal die Woche. Das hat mit den Jahren auch sehr stark zugenommen.

Wie hat sich dein Leben durch den Erfolg verändert?

Natürlich bin ich viel mehr unterwegs und reise sehr viel. Wenn kein Corona wäre, würde ich mit meiner Familie häufiger ins Ausland fahren, dort trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen.

Du fährst zum Trainieren ins Ausland?

Ja, in Deutschland sind die Trainingsmöglichkeiten nicht so gut. Für die Disziplin Park, in der ich hoffentlich bei den Olympischen Spielen antreten werde, gibt es eigentlich im ganzen Land keine passenden Trainingsmöglichkeiten für mich. Natürlich gibt es Skateparks, aber um für meine Disziplin zu trainieren, müssen ein paar Kriterien erfüllt sein. Deswegen muss ich zum Training häufiger nach Paris oder nach Malmö fahren, um mich dort zu verbessern.

Du gehst auch noch zur Schule. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Es ist jetzt mein zweites Jahr auf dem Gymnasium. Und die gesamte Zeit war eigentlich durch Corona geprägt. Durch das Homeschooling war es für mich leichter, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen. Meine Lehrer haben auch Verständnis für das Skaten und beurlauben mich, wenn’s nötig ist. Meine Freunde schicken mir dann die Aufgaben, ich muss sie dann nachholen. Bisher bekomme ich das aber alles noch ganz gut hin.

Du bekommst viel Unterstützung von deinen Eltern und deiner Schwester. Das Skateboardfahren bestimmt längst euer Familienleben, oder?

Ja, wenn ich in den Ferien irgendwo hinreise, um zu trainieren, reisen alle mit. Außerdem skatet mein Papa seit vielen Jahren selbst, meine jüngere Schwester auch. Meine Mutter skatet zwar nicht, aber auf jeden Fall unterstützt sie mich.

Fährst du schon besser Skateboard als dein Papa?

Ja, schon. Mein Papa hatte ja auch nie jemanden, der ihm das richtig beigebracht hat. Wahrscheinlich war ich mit acht Jahren schon besser.

Bei den Spielen in Tokio ist Skateboardfahren erstmals olympisch. Wie wichtig wäre dir eine Qualifikation?

Olympia ist mein großes Ziel. Ich möchte dort unbedingt hin. In zwei Wochen findet das letzte Event statt, bei dem man Punkte sammeln kann, und bisher sieht es für mich wirklich ganz gut aus. Aber ich mache mir nicht so einen großen Druck. Denn auch, wenn ich es dieses Jahr nicht schaffen sollte, kann ich es in drei Jahren erneut versuchen, dann bin ich 17 und vielleicht ist dann auch meine Chance auf eine Medaille größer.

Sollte es bereits mit Tokio klappen, wärst du mit dann 14 Jahren eine der jüngsten Olympioniken überhaupt.

Ja, klar. Aber ich kann mir das noch gar nicht vorstellen. Vielleicht auch deshalb, weil es in meiner Sportart gar nicht so unüblich ist, so jung zu sein. Manchmal habe ich Konkurrenten, die sind noch jünger als ich. Aber beim Skaten wird gar nicht so sehr aufs Alter geachtet.

Du bist bereits eine der Vorreiterinnen in deinem Sport. Wie wichtig ist es dir, junge Mädchen für das Skaten zu begeistern?

Sehr wichtig. Und ich freue mich natürlich, wenn ich junge Mädchen für das Skateboardfahren inspiriere. Es ist schon eines meiner Ziele und hoffentlich hat auch Olympia Einfluss darauf, dass mehr Mädchen mit dem Skaten anfangen. Es wäre cool, wenn viele Mädchen nach Olympia Skateboardfahren nicht mehr als reine Jungs-Sportart wahrnehmen, sondern sich zutrauen, diesen Sport mal auszuprobieren. (Pascal Spindler)

Zur Person

Lilly Stoephasius (13) wurde im Juni 2007 in Berlin geboren. Seit ihrem fünften Lebensjahr fährt sie Skateboard. Sie ist dreifache Deutsche Skateboard-Meisterin in der Disziplin Park, wurde 2019 WM-Dritte und anschließend Vize-Europameisterin. Bei Skateboard-Wettbewerben gibt es keine Altersklassen. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.