Ohne Führerschein unterwegs: Strafe in Höhe von 540.000 Euro

Posch zu Strafe von Marco Reus: „Er kann damit leben“

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Anwalt Christopher Posch.

Kassel. Es war die Nachricht der Woche: Der Dortmunder Fußball-Profi Marco Reus ist jahrelang ohne Führerschein Auto gefahren und wurde nun im März erwischt.

Jetzt muss der 25-Jährige eine saftige Strafe in Höhe von 540.000 Euro zahlen. Wir sprachen mit dem Kasseler Rechtsanwalt Christopher Posch über das Strafmaß, den gefälschten Führerschein und mögliche weitere Konsequenzen für den Fußball-Star.

Herr Posch, wer genau legt die Strafe für Marco Reus fest?

Christopher Posch: Den Strafbefehl erlässt das Amtsgericht. Es ist in diesem Fall aber davon auszugehen, dass es vorher eine Verständigung zwischen allen Seiten gegeben hat. Da Marco Reus als Fußballer im Blickfeld der Öffentlichkeit steht, wollte seine Verteidigung eine Verhandlung sicherlich vermeiden. Daher haben er und seine Anwälte die Strafe auch akzeptiert und keinen Einsprung eingelegt.

Wie kommt die Höhe der Tagessätze und der Gesamtstrafe zustande?

Posch: Der Tagessatz wird anhand des Monatseinkommens berechnet. Was die Anzahl der Tagessätze angeht, wird abgewogen. Da wird geschaut, was gegen ihn und was für ihn spricht. Bei Marco Reus hat sich das Amtsgericht für 90 Tagessätze entschieden.

Halten Sie die Strafe für angemessen?

Posch: In diesem Fall denke ich über den Strafbefehl: Er kann damit leben.

Bei der Kontrolle im März hat Marco Reus laut Strafbefehl einen gefälschten Führerschein vorgezeigt. Ein Verfahren wegen Urkundenfälschung ist aber wieder eingestellt worden. Ist das rechtlich möglich? 

Posch: Ja, wenn die Strafe für ein Delikt das Unrecht bereits abdeckt, kann von der Verfolgung anderer Delikte abgesehen werden, die dazu nicht mehr ins Gewicht fallen würden. Im Fall von Marco Reus kommen ja auch noch der Spott und die Häme hinzu, die sich derzeit über ihn ergießen.

Könnten weitere Bilder, die Marco Reus privat am Steuer eines Autos zeigen, ihn zusätzlich belasten? 

Posch: Zunächst einmal müsste er erneut angezeigt werden. Ich hoffe aber nicht, dass es dazu kommt. Solche Heckenschützen brauchen wir nicht. Er hat die Straftat eingeräumt und die Strafe akzeptiert. Damit sollte die Sache ein Ende finden.

Drohen Reus Konsequenzen von Opel, der als Partner des BVB mit dem Fußballprofi warb?

Posch: Ich kenne den Vertrag zwischen Opel und dem BVB nicht, insofern ist das spekulativ. Er hat Opel seinen Namen gegeben, aber wohl kaum vertraglich versichert, dass er einen Führerschein besitzt. Ich denke, dieser Sache kann er relativ entspannt entgegenblicken.

Zur Person: 

Christopher Posch (38) hat Rechtswissenschaften in Köln und Marburg studiert. Seit 2005 arbeitet er als Rechtsanwalt. Mit seinem Vater betreibt er eine Kanzlei in Kassel. Posch ist auch als Fernsehanwalt bekannt.

Hintergrund

Warum wird nicht bei allen Rasern der Führerschein überprüft? 

Marco Reus wurde mehrmals geblitzt. Dabei wurde nie überprüft, ob er einen Führerschein besitzt. Michael Conrad vom Regierungspräsidium Kassel erklärt, wie die Prozedur in der Region abläuft: „Die Bußgeldstelle beim Regierungspräsidium Kassel bearbeitet jährlich weit mehr als eine Million Fälle. Jedes Mal den Führerschein zu überprüfen, würde nur sehr viel mehr Arbeit machen und hätte keinen Sinn. Der Aufwand und die Kosten wären unverhältnismäßig. Ist ein Vergehen jedoch so schwer, dass der Führerschein abgegeben werden muss, fällt natürlich auf, wenn beim Fahrer keine gültige Fahrerlaubnis vorhanden ist.“

Auf die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, generell die Führerscheine aller Verkehrssünder zu überprüfen, meint Conrad: „Das muss der Gesetzgeber entscheiden. Welchen Aufwand es bedeuten würde, darauf hatte ich hingewiesen.“

Von Anton Kostudis

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