Staatspräsident über Ausschluss

Putin: Russland verzichtet auf Olympia-Boykott

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Olympia-Ausschluss? Präsident Putin erklärte, dass Russland bestimmt keinen Boykott verkünden werde.

Russische Athleten dürfen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang nicht unter der Flagge ihres Landes antreten. Dennoch will Staatspräsident Wladimir Putin die Wettbewerbe nicht boykottieren.

Lausanne - Der gefürchtete Boykott ist vom Tisch: Das "gedemütigte" Russland wird auf Geheiß von Staatspräsident Wladimir Putin trotz der Strafe durch das IOC an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) teilnehmen.

Einen Tag, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) Russland wegen systematischen Dopings ausgeschlossen und nur sauberen Athleten einen Start unter neutraler Flagge in Aussicht gestellt hatte, verzichtete Putin auf einen Boykott seines Landes und verhinderte so eine große Krise im internationalen Sport. Der Plan des Ringeordens unter Führung des deutschen Präsidenten Thomas Bach ist aufgegangen.

Putin will „bestimmt keinen Boykott verkünden“

"Wir werden bestimmt keinen Boykott verkünden", sagte Putin am Mittwoch bei einem Besuch eines Autowerks in Nischni Nowgorod vor Arbeitern, bezeichnete die IOC-Entscheidung aber als "politisch motiviert. Daran gibt es für mich keinen Zweifel." Russland werde aber seine "Olympioniken nicht daran hindern, am Wettbewerb teilzunehmen", ergänzte der Präsident, dessen Land bei den Winterspielen einige Einschränkungen in Kauf nehmen muss.

Putin kündigte an, dass man sich mit den Entscheidungen auseinandersetzen werde. Am Dienstag soll es zu einem Treffen der Spitzenvertreter aus Sport und Politik kommen. Zuvor hatten Medien und Sportler gekränkt auf die Entscheidung reagiert. "Die Sanktion ist hart und in gewisser Weise demütigend", schrieb Sport Express. Und bei Iswestija lebte schon wieder der Trotz auf: "Ohne Russland geht es nicht. Russische Athleten werden die Ehre ihres Mutterlandes unter jeder Fahne verteidigen."

Bach hofft auf russische Athleten unter neutraler Flagge

IOC-Präsident Thomas Bach hofft darauf, dass Russlands Sportler von der Möglichkeit Gebrauch machen, unter neutraler Flagge anzutreten. "Ich bin zuversichtlich, dass russische Athleten die Chance nutzen und in Pyeongchang eine neue Generation von sauberen russischen Athleten repräsentieren", sagte Bach, nachdem Putin den Boykott-Verzicht verkündet hatte. Abgestimmt habe er sich mit Putin nicht, betonte Bach.

Das IOC hatte am Dienstagabend erstmals in seiner Geschichte ein Land wegen Dopings von seinen Spielen suspendiert. Die Exekutive sieht es als erwiesen an, dass es im Riesenreich ein Dopingsystem gegeben hat. "Wir haben eine solche Form des Betrugssystems vorher noch nie gesehen", sagte Samuel Schmid, Leiter der zuständigen IOC-Kommission.

Wahrscheinlich startet die Mehrzahl der russischen Sportler

Russische Sportler dürfen allerdings in Pyeongchang starten, wenn sie sauber sind. Ob sie es sind, das entscheidet auch ein Gremium unter der Leitung der ehemaligen französischen Sportministerin Valérie Fourneyron, die auch Vorsitzende der neu geschaffenen unabhängigen Behörde für Doping-Testverfahren ITA ist. Wie aus IOC-Kreisen verlautete, ist aber anzunehmen, dass am Ende nicht nur fünf oder zehn, sondern - wie schon bei den Sommerspielen 2016 in Rio - die Mehrzahl der russische Athleten in Südkorea starten werden.

Auch der Name, den sich das IOC für die neutrale Mannschaft ausgedacht hat, klingt nicht sonderlich neutral. "Olympic Athlete from Russia (OAR)" führt anders als der Name der neutralen russischen Athleten bei der letzten Leichtathletik-EM (ANA - Autorisierter Neutraler Athlet) den Namen Russlands im Schilde. "Ein peinliches Spiel. Olympia als Etikettenschwindel par excellence", sagte Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins.

Wird Suspendierung vor Ende der Spiele aufgehoben?

Zwar darf in Pyeongchang keine russische Hymne erklingen und keine russische Flagge wehen, doch damit könnte es schon bei der Schlussfeier wieder vorbei sein. Das IOC behält sich vor, die Suspendierung gegen das NOK noch vor dem Ende der Spiele aufzuheben. Entscheidend dabei ist nicht, ob Russland seinen Anti-Doping-Kampf verbessert, sondern ob sie die Sanktionen einhalten, also sich keine Landesfarben auf die Wangen schmieren.

Am Ende soll sich die olympische Familie zur Abschlussfeier doch noch wieder in den Armen liegen. Ein feierlicher Moment, an dem die leidige Causa Russland endgültig beerdigt wird. Bach will das Riesenproblem nicht noch bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio mitschleppen. Man wolle einen "Strich unter die schädigende Episode ziehen", sagte der IOC-Präsident und hoffte für die Zukunft auf einen "effektiveren Anti-Doping-Kampf".

Kritik aus den USA

Die US-Medien hatten über die aus ihrer Sicht lasche Entscheidung gelästert. "Das IOC hat nicht mehr getan, als einen Song und ein Stück Stoff in Pyeongchang zu verbieten", schrieb die Washington Post. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei ein "willfähriger Partner" Russlands und "konnte nicht mal ein Mauseloch im Doping-Testlabor von Sotschi zustopfen, und zwar aus einem Grund: Weil es nicht wollte."

In Deutschland wurde die IOC-Entscheidung vorwiegend positiv aufgenommen. Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), hatte im Vorfeld einen Komplett-Ausschluss ohne Wenn und Aber gefordert. Nachher sprach Gotzmann von einem "klaren Signal für den sauberen Sport", die Entscheidung stelle einen "Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe" dar.

sid

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